Verträge mit der Brost-Familie unterschrieben: Petra Grotkamp kauft 50%-Anteil an der WAZ-Gruppe

 

Es ist vollbracht: Petra Grotkamp hat den 50%-Anteil der Familie Brost an der WAZ-Mediengruppe erworben, ihr gehören nun durchgerechnet 66,66% an dem Konzern. Die Kaufverträge seien am Montag unterschrieben worden, teilte ihr Rechtsanwalt Andreas Urban am Montagabend mit, das Bundeskartellamt habe bereits zugestimmt.

Es ist vollbracht: Petra Grotkamp hat den 50%-Anteil der Familie Brost an der WAZ-Mediengruppe erworben, ihr gehören nun durchgerechnet 66,66% an dem Konzern. Die Kaufverträge seien am Montag unterschrieben worden, teilte ihr Rechtsanwalt Andreas Urban am Abend dieses Tages mit, das Bundeskartellamt habe bereits zugestimmt.

Zugleich gab Bodo Hombach erwartungsgemäß zu Protokoll, dass er sein Amt als Geschäftsführer niederlege. Hombach war innerhalb der Geschäftsführung der Mann der Brosts, während der zweite Geschäftsführer, Christian Nienhaus, den Funke-Stamm repräsentiert. Der Funke-Stamm - dazu gehört auch Petra Grotkamp - hält den anderen 50%-Anteil an der WAZ.

Zustimmung nur "schweren Herzens"

Verkäufer sind die drei Erben von WAZ-Gründer Erich Brost, von denen zwei noch minderjährig sind. Über den Deal zwischen ihnen und Petra Grotkamp hatte Peter Heinemann zu befinden, dem bis Juli 2015 die Testamentsvollstreckung obliegt (kress.de vom 29. August 2011). In einer ebenfalls am Montag verbreiteten Presseerklärung lässt er durchblicken, dass ihm die Zustimmung nicht leichtfiel, und nennt weitere Details zum Zustandekommen des Deals: Am 25. August 2011 habe ihm der Vater der drei Erben eine "ohne meine Kenntnis mit Frau Petra Grotkamp ausgehandelte Vereinbarung" über den Verkauf ihrer 50%-WAZ-Beteiligung vorgelegt. Die beiden bereits volljährigen Erben hätten erklärt, sie hätten kein Interesse an der WAZ, und ihn gebeten, den Verkauf vorzunehmen. Andernfalls würden sie nach Ablauf der Testamentsvollstreckung im Juli 2015 selbst verkaufen.

"Als Testamentsvollstrecker schulde ich dem Erblasser Loyalität, doch liegt es nicht in meiner Macht, Entscheidungen der Familie des Erblassers, die dem Erblasserwillen widersprechen, zu korrigieren", schreibt Heinmann in seiner Erklärung. Er hätte solche Entscheidungen nur für die Dauer der Testamentsvollstreckung aufhalten können, was für das Unternehmen aber "einen mehr als dreijährigen, kaum vertretbaren Schwebezustand bedeutet" hätte .

Heinemann bekundet, dem Verkauf nur "schweren Herzens" zugestimmt zu haben. Hintergrund: Die beiden Gründungsfamilien der WAZ-Gruppe haben einander stets belauert, ein Verkauf an Angehörige des Funke-Stammes dürfte kaum im Sinne des verstorbenen Erich Brosts sein. Bei dem von Heinemann erwähnten Vater der drei Erben handelt es sich um Martin Brost, Erich Brosts Sohn aus erster Ehe, der sich 1978 auszahlen ließ und heute als Biobauer wirkt.

Testamentsvollstrecker Heinemann bewertet den nun vereinbarten Kaufpreis als fair. Voraussetzung für seine Zustimmung zum Verkauf seien auch "einige grundlegende Änderungen in der mir vorgelegten Vereinbarung im Interesse der Erben sowie die Zusage der Käuferin, dass mindestens für ein Jahr keine Konzerngesellschaft weiterverkauft wird" gewesen.

Aussagen über die Höhe des Kaufpreises machen die Beteiligten nicht. In Presseberichten war von 500 Mio Euro für den 50%-Anteil die Rede. Der Abschluss verzögerte sich offenbar um einige Träge, weil Petra Grotkamp und ihr Mann Günther Grotkamp Mühe hatten, das nötige Großgeld zusammenzubekommen. Sie sollen auch Martin Brost um ein Darlehen angegangen sein. Ihr Rechtsanwalt Andreas Urban nennt die UniCredit Bank, die Bayerische Landesbank und die Deutsche Bank als Kreditgeber.

"Verkauf ist eine große Chance"

Der scheidende Geschäftsführer Hombach begrüßt in seiner Erklärung die neue Eigentümerstruktur. Der Verkauf sei "richtig" und eine "große Chance". Hombach wird die Gruppe beraten und im Initiativkreis Ruhr vertreten, einem Zusammenschluss von rund 70 Unternehmen.

Auch Klaus Schubries, der Vertreter der Funke-Familien-Gesellschaft, ist voll des Lobes: Die beiden Familienstämme würden nun "gemeinsam die Herausforderungen der Zukunft für die WAZ-Mediengruppe in Angriff nehmen".

Ihre Kommentare
Kopf

Theodor

27.01.2012
!

Dass Hombach geht erleichtert, ist aber für die Gruppe und die verschiedenen Zeitungstitel mir ihrer einstigen Vielfalt und den engagierten Redakteuren viel zu spät. Die Journalisten sind frustriert, die Auflagen sinken, eigene Recherchen und Geschichten sucht man oft vergebens, und Service gibt es so gut wie keinen mehr.


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