Ehrung zum DLD-Finale: Burda umgarnt Arianna Huffington

 

Es war gedacht als Abschluss-Höhepunkt der DLD-Konferenz. Und es begann mit etwas, was DLD-Women-Chairwoman und Verlegergattin Maria Furtwängler als "Freud'schen Versprecher" bezeichnete. Als sie der "Huffington Post"-Gründerin Arianna Huffington den diesjährigen "Aenne Burda Preis" übergab, bezeichnete sie die namensgebende Verlegermutter im Eifer des Moments als Hubert Burdas Ehefrau.

Es war gedacht als Abschluss-Höhepunkt der DLD-Konferenz. Und es begann mit etwas, was DLD-Women-Chairwoman und Verlegergattin Maria Furtwängler als "Freud'schen Versprecher" bezeichnete. Als sie der "Huffington Post"-Gründerin Arianna Huffington den diesjährigen "Aenne Burda Preis" übergab, bezeichnete sie die namensgebende Verlegermutter im Eifer des Moments als Hubert Burdas Ehefrau.

Bereits zum siebten Mal wird damit der Preis verliehen, der an die im November 2005 verstorbenen Unternehmerin erinnert, die den Verlag in der Nachkriegszeit groß machte (vor allem mit dem Welterfolg "Burda Moden"). Ausgezeichnet werden unternehmerische und kreative Leistungen in der Digitalbranche. Die 1950 in Griechenland geborene Journalistin, Zeitungsmacherin und Buchautorin Huffington, die mit Mädchennamen Arianna Stassinopoulos heißt, erhielt von Hubert Burda eine antike Athene-Büste, die bekanntlich als Schutzgöttin der Weisheit gilt. 

Die resolute "HuffPo"-Chefredakteurin, die derzeit aktiv ihren Expansionskurs mit der von ihr im Jahr 2005 gegründeten ehemaligen Blogger-Plattform vorantreibt und auch in Europa kräftig wachsen möchte, fasste die Auszeichnung als Bestätigung für ihren Erfolgskurs aus. Zuletzt konnte sie 200 bezahlte Journalisten neu anstellen, wie sie stolz betonte. Ihre Internet-Zeitung erzielt mit 25 Mio Unique Users höhere Reichweiten als etablierte US-Medien wie etwa die "New York Times".

200 neue Journalisten, 24 neue Ressorts

Die Übernahme durch AOL im Februar 2001 zu einem Kaufpreis von 315 Mio Dollar hat Huffington nun all das ermöglicht, wovon sie nach eigenen Wort schon seit langem träumte - etwa den journalistischen Ausbau mit 24 neuen Ressorts. Wichtig war ihr zu betonen, dass es jetzt auch ein Hochzeits-Ressort gibt - und zwar lange nach dem bereits recht erfolgreich nachgefragten Scheidungs-Ressort. "Ehen kommen und gehen", scherzte Huffington. "Die Scheidung bleibt für immer."

Außerdem kann sie jetzt natürlich kräftig expandieren - etwa mit einem Spanien-Ableger, der in Kooperation mit "El Pais" noch im März an den Start gehen kann. Aktuell wurde die Frankreich-Ausgabe gestartet. Und in Italien arbeitet sie mit "L'Espresso" am bevorstehenden Launch. Eine griechische Ausgabe steht - aus naheligenden familiären Gründen - hoch oben auf ihrer To-Do-Liste. Bleibt die Frage, wann der Haken hinter Deutschland kommt.

Deutsche "Huff-Po" kommt "später in diesem Jahr"

Wie zuletzt zu hören war, verhandelte Arianna Huffington mit mehreren deutschen Verlagen. Bei wem sie künftig andocken könnte, darüber machte sie auf der DLD-Konferenz keine näheren Angaben. Im Burda-Titel "Focus", der mit dem beliebten DLD-Gast gesprochen hatte, ließ sie sich mit der Formulierung zitieren, dass eine deutsche HuffPo-Ausgabe "später in diesem Jahr" an den Start gehen wird. "An Deutschland kommt man nicht vorbei, wenn man global expandieren möchte", sagte sie.

In einer leidenschaftlich vorgetragenen freien Rede - einem der unterhaltsamsten DLD-Highlights in diesem Jahr - beklagte sie den allgemeinen Vertrauensverlust von Autoritäten und Politikern im Besonderen, was den sozialen Netzwerken und deren eher privatistischen Empfehlungen in die Hände spielt. "Vertrauen ist das neue Schwarz", zitierte sie scherzhaft ein neues US-Schlagwort.

Frauen sollten sich nach oben schlafen

Außerdem outete sie sich als Ex-Nachrichten- und Gadget-Junkie, die bei ihren Versuchen, sich immer häufiger digital auszuklinken, zunehmend Fortschritte macht. Allen Ernstes empfahl sie Medienfrauen, sich erfolgreich hochzuschlafen. "Und ich meine das im Wortsinn", sagte Huffington. Sie riet zur Extra-Stunde mehr Nachtruhe und iPhone-freien Schlafzimmern.

Als "Zeitungs-Killerin", wie es Maria Furtwängler von ihr wissen wollte, sieht sie sich dabei nicht. Stattdessen prahlte Huffington damit, dass sie angeblich sieben verschiedene Blätter abonniert habe - auch wenn einige morgens nur gestapelt, nicht gelesen werden. "Es liegt in unserer DNA, dass wir Print lesen", sagte sie und pocht auf eine Zukunft, in der Gedrucktes und Digitales hybrid koexistieren wird.

Sheryl Sandberg lässt auch Kleinvieh Mist machen

Das eigentliche DLD-Schlusswort hatte dann Facebook-Vice-Chefin Sheryl Sandberg, die in einer vor Selbstbewusstsein strotzenden Rede natürlich betonte, dass die sozialen Netzwerke ihren wirtschaftlichen Höhepunkt noch nicht erreicht hätten - und vor allem für Geschäftskunden immer attraktiver werden. Unter vielen prominenten Beispielen lobte sie vor allem das fast 160-jährige Traditionsunternehmen Burberry, das mit einer Social-Media-Werbestrategie sehr erfolgreich fährt und als beliebteste Luxusmarke bei Facebook gilt.

Um das Geschäft mit den Kleinunternehmern anzukurbeln, kündigte Sandberg die "Small Business Boost"-Iniative an. Dabei möchte Facebook 500.000 umsatzschwächeren Partnern jeweils einen 100-Dollar-Gutschein für Werbung auf dem hauseigenen Netzwerk zur Verfügung stellen. Ein kleiner Tropfen, der Wirkung entfalten kann, konterte Sandberg einige hochgezogene Augenbrauen. Immerhin sei bei Facebook eine Ein-Millionen-Reichweite jeweils nur über vier Weiterempfehlungsschritte erzielbar.

Milliarden-Belebung für das deutsche BIP

Laut einer aktuellen Deloitte-Studie, die von Facebook in Auftrag gegeben worden war und zur DLD-Premiere von Sheryl Sandberg veröffentlicht wurde, trägt das Netzwerk mit einem Mehrwert in Höhe von 15,3 Milliarden Euro zum europäischen Bruttoinlandsprodukt bei. Der in Deutschland erwirtschaftete ökonomische Mehrwert zahlt mit 2,6 Milliarden auf das BIP ein. Hierzulande wurden zudem durch Facebook-Aktivitäten 36.000 Arbeitsplätze geschaffen.

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