Datenschützer warnen vor der "Timeline": "Das Verhalten von Facebook ist ultradreist"

26.01.2012
 

Dass Facebook seine Nutzer dazu verpflichtet, demnächst auf die sogenannte Chronik ("Timeline") umzusteigen, hat den schleswig-holsteinischen Datenschutzbeauftragten Thilo Weichert auf den Plan gerufen: "Das Verhalten von Facebook ist ultradreist", sagte Weichert der "FAZ". Es stehe in absolutem Widerspruch zu den Zusicherungen, die der Konzern dem irischen Datenschutz gegenüber gemacht habe. 

Dass Facebook seine Nutzer dazu verpflichtet, demnächst auf die sogenannte Chronik ("Timeline") umzusteigen, hat den schleswig-holsteinischen Datenschutzbeauftragten Thilo Weichert auf den Plan gerufen: "Das Verhalten von Facebook ist ultradreist", sagte Weichert der "FAZ". Es stehe in absolutem Widerspruch zu den Zusicherungen, die der Konzern dem irischen Datenschutz gegenüber gemacht habe. Diese lauteten nämlich, so Weichert, dass bei einer Veränderung der Profileinstellungen die Einwilligung des Nutzers eingeholt wird. Aber jetzt werde die 'Timeline' allen Facebook-Nutzern aufgezwungen.

Weichert reibt sich schon länger an Facebook. Er hatte darauf gedrungen, dass Websites nicht einfach über einen Button eine Verbindung zu dem größten sozialen Netzwerk herstellen dürfen. Weichert stört, dass die Daten von Facebook in den Vereinigten Staaten gespeichert werden und es den Nutzern gegenüber an Transparenz fehlt. Dem Facebook-Manager Richard Allen hatte Weichert ins Buch geschrieben, es müsse die Regel sein, dass Nutzer für jegliche Datenweitergabe erst aktiv einwilligen.

Weichert kritisiert auch Google

Auch den Schritt von Google, dass alle Nutzerdaten zusammenführen will, kritisiert Weichert gegenüber der "FAZ": Das sei ein "großes Problem", weil Google doch bislang immer behauptet habe, dass die einzelnen Funktionalitäten der verschiedenen Dienste streng voneinander getrennt wären. "Jetzt vollzieht Google", so Weichert weiter, "die Vereinigung aller Daten und hofft, wegen des angeblichen Nutzens für die User, auch noch auf den Segen der öffentlichen Wahrnehmung." Der Schritt habe aber gravierende Konsequenzen - Google könne jetzt erst recht umfassende Profile der Internetnutzer erstellen.

Facebook gab die weltweite Verfügbarkeit der Chronik am Dienstag bekannt, in einem Blogeintrag. Die neue Darstellung der Benutzerprofile soll die vorhandenen Daten zu einer Lebensgeschichte zusammenführen. Eine Facebook-Sprecherin betonte gegenüber dpa, dass nichts ohne die ausdrückliche Benachrichtigung der Nutzer geändert werde. Erst wenn man sein Profil aufsuche und die Freischaltung der Funktion bestätige, starte eine Frist von sieben Tagen, in der ein Facebook-Mitglied sein Profil noch vorab aufräumen kann.

"Sieben Tage sind zu kurz"

Der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar findet sieben Tage zu kurz. Es seien mindestens vier Wochen erforderlich, erklärte er der dpa. "Wenn jetzt nicht mehr die Möglichkeit gegeben sein soll, sich für oder gegen die Chronik zu entscheiden, könnte der soziale Druck weiter steigen, Daten im Netz preis zu geben".

Ihre Kommentare
Kopf

Leslie

26.01.2012
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Das Problem ist schon seit Jahren, dass die Datenschützer erst aufwachen, wenn es längst zu spät ist - egal in welchem Bereich. Und ziehen sie dann erst mal vom Leder ist derjenige den es betrifft schon längst wieder eine Stufe weiter. Das Geschrei der Datenschützer kann man längst nicht mehr für voll nehmen. Die undichten Stellen werden immer mehr.


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26.01.2012
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Das hat doch mit dem miserablen Datenschutz bei Facebook nun wirklich nicht viel zu tun. Weichert und Kaspar sollten sich lieber auf die viel wesentlicheren Facebook-Probleme konzentrieren. Abgesehen davon, dass Facebook mit von Benutzern dort selbst hinterlegten Daten machen kann was es will, werden weiterhin nur die Daten öffentlich (bzw. den Freunden) angezeigt, die auch bereits zuvor entsprechend freigegeben waren. Eine interessante Diskussion findet sich unter: http://goo.gl/hSXbR


Peter F. Meyer

26.01.2012
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Liebe Julia, aber was ist mit den Auswertungen, die Facebook anhand der freiwilligen Daten erstellt und Unternehmen teuer verkauft. Je mehr Daten der User eingibt, desto genauer das Profil in der Zielgruppe eines bestimmten Produktes. Mir geht das alles viel zu weit und habe deshalb vor ein paar Wochen meinen Account bei Facebook gekündigt. Eine Frechheit nebenbei erlaubt sich Facebook hier: Man kann nicht sofort alles löschen, Facebook "gewährt" 14 Tage Frist. Ich klick den Magichnicht-Button!


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26.01.2012
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Lieber Peter! Dass Facebook den Datenschutz dahingehend missachtet, nur seinen eigennützigen, obskuren Geschäftsgebaren zu dienen, zweifle ich gar nicht an und begrüße das auch nicht. Die Kritiken, dass die Timelime "ultradreist" sein soll, kann ich jedoch nicht nachvollziehen. Weichert und Kaspar sollten vielmehr auf den Gesetzgeber einwirken, sich um das Problem des Geschäftsmodells an sich kümmern und darüber informieren. Aber ob nun normales Profil oder Timeline, das ist völlig irrelevant.


ro

26.01.2012
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Liebe Julia, so irrelevant ist die Frage "normales Profil oder Timeline" für mich nicht - die Timeline ist nämlich furchtbar unübersichtlich, weil die "Einträge" links und rechts vom mittigen Zeitstrahl stehen und die winzigen Verweise dorthin kaum zu erkennen sind - zumindest designtechnisch hat Facebook noch einiges nachzuholen.


xxx xxx
26.01.2012
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meine Güte...wer bei Facebook oder andereren 'sozialen' Netzwerken öffentlich was reinstellt, der weiß doch, dass alle mitlesen können. Wozu aufregen, ist schließlich kostenlos und jeder der da mitmacht, ist sich wohl des Risikos bewusst. Was viel schlimmer ist, dass Banken, Versicherungen und auch Telekommunikationsunternehmen die Daten Ihrer Kunden weiter verkaufen. Man kann ja gar nicht wiedersprechen, denn sonst bekommt man erst gar keinen Vertrag oder Bankkonto. D a s finde ich schlimm.


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27.01.2012
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Hallo Ro, das mag ja eine Ansichst oder Geschmacksache sein für die ich auch durchaus volles Verständnis habe. In Sachen Datenschutz und Geschäftsgebaren von Facebook fehlt hier nur der Bezug zum Artikel. Sollte Dir etwas zu klein erscheinen, kannst du es in allen gängigen Browser durch gleichzeitiges Drücken von [STRG] und [+] jederzeit problemlos vergrößern.


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27.01.2012
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Liebe Inge, ich nutze selbst Facebook und bin der Risiken durchaus bewusst, jedoch verkaufen noch lange nicht alle Banken und Telekommunikationsdienstleister ohne Kundeneinwilligung vertrauliche Daten weiter. Die Firmen, die es aber dennoch tun, finde ich in ihrem Verhalten auch nicht akzeptabel. Zumindest hat Facebook hier die zwangsweise (und dennoch fragwürdige) Einwilligung seiner Nutzer, obwohl auch dies nicht meinen moarlischen Wertevorstellungen entspricht.


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27.01.2012
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Wer hierzu Lust auf eine anregende Diskussion oder einen kreativen Gedankenausstausch hat, kann mir gerne schreiben: http://www.facebook.com/julia.toscani


Dave DaCoda

27.01.2012
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Hallo,

Wir haben recht wenig Einblick, was Facebook alles mit den Daten anstellt.
Allerdings ist die "unfreiwillige" Umstellung auf die Chronik ist dreist, schließlich bezahlt der Kunde ja in der Währung "Daten", um die Dienste von FB zu nutzen.

Bei jedem anderen "Dauerschuldverhältnis" (Versicherung, Telefongesellschaft) würde eine Erhöhung des Preises dem Kunden ein Sonderkündigungsrecht einräumen und der Dienstleister müsste mit angemessener Frist informieren.


Stefan Fox
27.01.2012
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Die rigorose Art, sich den Weg zur humanoiden Datenbank zu bahnen, könnte womöglich unter dem Gesichtspunkt von Motivation und Ziel als dreist bezeichnet werden. Die Verpflichtung, persönliche Daten einem fb-Account zu übermitteln, besteht bisher nach meinen Informationen nicht. Der Rest sollte bekannt sein. Bleibt irgendwie die Frage offen, wie weit und wohin die Datenreise noch gehen soll / muß? Geld wird schließlich schon genug gemacht...


Alexander MacG

Alexander MacG

Seamaster Pictures Ltd
Producer & EcoWarrior

27.01.2012
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Meine Güte was für eine typisch deutsche Diskussion.

Wer es nicht will, kann sich doch ganz einfach abmelden!!! Es gibt da einen recht einfach zu klickenden Nutzerbutton... denn alles andere stand ja bei der Anmeldung in den Nutzerbedingungen.

Ich mache mit dem Web und grade durch facebook über 80% meines Umsatzes und halte die Diskussion für reichlich überzogen. Evtl. wäre eine Digitale Medien Alphabetisierung mal sinnvoll, damit viele nicht nur über was plappern sondern auch bescheid wissen!


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