"Sofortige Unterzeichnung von Acta": Netzgemeinde kritisiert Forderung von ARD/ZDF

19.02.2012
 

Die Forderung der Deutschen Content Allianz (u.a. ARD, ZDF, VPRT, Gema) an die Regierung, das Handelsabkommen Acta sofort zu unterzeichnen, stößt im Netz auf heftige Kritik. Stefan Niggemeier schreibt in seinem Blog von einem "Dokument der Hilflosigkeit". Das größte Ärgernis sei, dass die öffentlich-rechtlichen Sender bei alldem mitmischen würden.

Die Forderung der Deutschen Content Allianz (u.a. ARD, ZDF, VPRT, Gema) an die Regierung, das Handelsabkommen Acta sofort zu unterzeichnen, stößt im Netz auf heftige Kritik. Stefan Niggemeier schreibt in seinem Blog, dass die Presseerklärung ein "Dokument der Hilflosigkeit" sei und dass es für ihn das größte Ärgernis sei, dass die öffentlich-rechtlichen Sender bei alldem mitmischen würden. Mario Sixtus, als "Elektrischer Reporter" für das ZDF unterwegs, teilte via Twitter mit: "Diese politische Forderungen meines Auftraggebers ist nicht meine. Um das mal laut zu sagen."

In ihrer gemeinsamen Erklärung drängen die Vertreter der Deutschen Content Allianz auch "mit größerem Nachdruck als bisher" auf eine zukunftsorientierte Reform des Urheberrechts sowie dessen Schutz im digitalen Zeitalter. Hierzu zähle auch eine Verbesserung der urheberrechtlichen Rahmenbedingungen für legale Angebote.

Die Kreativwirtschaft müsse in diesem Zusammenhang noch stärker als bisher vermitteln, "dass sie mit dem für alle Kreativen und die Vermittler ihrer Werke existenziellen Schutz des geistigen Eigentums keineswegs Barrieren in der digitalen Internetwelt errichten wolle, sondern es zusammen mit zeitgemäßen Angeboten längst als unverzichtbare Zukunftssicherung begriffen hätte." Diese Aufklärung sei vor allem bei einer Generation nötig, "in der viele ohne jedes Unrechtsbewusstsein für 'digitalen Diebstahl' aus Schule und Elternhaus in die große Welt des Internets entlassen worden seien".

Und dann wenden sich die Öffentlich-Rechtlichen, Gema & Co. noch einmal direkt an die "sogenannte Netzgemeinde": Diese habe sich der Diskussion, die die Deutsche Content Allianz bereits bei ihrer Gründung öffentlich angeboten hatte, bisher weitgehend entzogen. Dazu lasse sie konstruktive Beiträge zum Schutz des geistigen Eigentums vermissen.

Die Reaktion der "Netzgemeinde" ließ - wie oben bereits beschrieben - nicht lange auf sich warten. Auch Markus Beckedahl, Gründer und Chefredakteur von netzpolitik.org, zeigte sich enttäuscht, "dass sich die Repräsentanten des von uns mitfinanzierten Öffentlich-Rechtlichen Systems mit dieser Pressemitteilung gegen die Proteste stellen und sich damit von den Verbänden der Rechteindustrie istrumentalisieren lassen". Und Stefan Niggemeier, u.a. "Spiegel"-Autor, wird in seinem Blog noch deutlicher: Die Presseerklärung ist mit all ihrem Sprachmüll und ihrer Gedankenlosigkeit ein Dokument der Hilflosigkeit. Aber ich fürchte, so niedlich es wirkt, wie ungelenk da die Branchengrößen mit Förmchen werfen, so hart ist in Wahrheit der Druck, den sie hinter den Kulissen auf die Politik ausüben."

Ihre Kommentare
Kopf

Peter F. Meyer

19.02.2012
!

Legt endlich ACTA ad acta! Der Weg ist ein Irrweg und führt nur unnötig zur Kriminalisierung. Die Folge wird sein, dass die Staatsgewalten wesentlich höhere Kosten zu tragen haben, die kaum von den erwischten Leechern oder Uplodern wieder reingeholt werden können. Macht es doch so wie bei CD/DVD-Laufwerken und Kopierern: Eine kleine zusätzliche Abgabe ALLER Nutzer des Internets und die Verteilung über die Verwertungsgesellschaften an die Film- und Musikschaffenden. Keine Kriminalisierung!


Doc1971

19.02.2012
!

"...lasse...konstruktive Beiträge zum Schutz des geistigen Eigentums vermissen."...

Konstruktive Vorschläge wie bspw. die Kulturflatrate gibt es längst. Insb. ein Vorschlag des CCC eine sog. "Kulturwertmark" (Arbeitstitel) mit spez. Eigenschaften einzuführen, stellt eine gut durchdachte Lösung dar. Ein solches System brächte Vorteile für Kulturschaffende als auch Internet-Nutzer mit sich, und es kommt - Überraschung - ganz ohne Repressalien aus. Empfehlung: Beim CCC zum Thema einlesen!


heike

19.02.2012
!

urheberrechtliche sachen schützen.ok. muß sein. aber ACTA geht zuweit.Für was gibt es einen "volksentscheid" wenn er nie benutzt wird


F. Dellb.

19.02.2012
!

Diese Herren hätten sich erstmal überlegen sollen, das es vielleicht sinniger gewesen wäre, die ganzen Verhandlungen zu ACTA in voller Öffentlichkeit zu führen. Dann wäre vielleicht von allen Seiten akzeptiertes Konstrukt herausgekommen, nicht dieses, von der Lobby geschriebenes, Wunschprogramm.


Uwe Machhein

20.02.2012
!

"Diese Aufklärung sei vor allem bei einer Generation nötig, in der viele ohne jedes Unrechtsbewusstsein für 'digitalen Diebstahl' aus Schule und Elternhaus in die große Welt des Internets entlassen worden seien." - Soso, Schule und Elternhaus haben also versagt und potenzielle Straftäter herangezüchtet.
Muss man sich so etwas von Leuten anhören, die sich von Zwangsabgaben (GEZ, GEMA) alimentieren lassen?


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