Erste Anlaufstelle im Web: Facebook löst Google ab

01.03.2012
 

Neue Kräfteverhältnisse im Web: Zwei von drei Usern in Deutschland steuern die Startseite ihres bevorzugten Sozialen Netzwerks mittlerweile häufiger an als die Google-Homepage. Dies geht aus einer PwC-Studie hervor. Dazu fungieren Soziale Netzwerke als "Stellwerk' für den Internet-Traffic: Gut jeder dritte Befragte navigiert von seinem Netzwerk zu anderen Webseiten.

Neue Kräfteverhältnisse im Web: Zwei von drei Usern in Deutschland steuern die Startseite ihres bevorzugten Sozialen Netzwerks mittlerweile häufiger an als die Google-Homepage. Dies geht aus einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) hervor. Dabei handele es sich bei dem bevorzugten Sozialen Netzwerk in den weitaus meisten Fällen um Facebook.

"Soziale Netzwerke fungieren mittlerweile häufig als 'Stellwerk' für den Internet-Traffic. Aus diesem Grund gewinnt die strategische Auseinandersetzung mit Social Media für Unternehmen, Medienhäuser und Werbetreibende immer mehr an Bedeutung", sagt Werner Ballhaus, Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei PwC. Gut jeder dritte Befragte (35%) navigiert von seinem Netzwerk zu anderen Webseiten. Beispielsweise stammen bereits bis zu 15% des Traffics von Zeitungswebseiten direkt oder indirekt von Facebook.

80% haben einen aktiven Facebook-Account

Vier von fünf Befragten haben der Studie zufolge einen aktiven Facebook-Account. StudiVZ, das deutsche Äquivalent, wird demgegenüber nur von 13% der User genutzt - im Jahr 2008 waren es noch 31%. Im Segment der weiteren Social-Media-Plattformen hat sich YouTube als Marktführer etabliert. Der Anteil der registrierten YouTube-Nutzer stieg zwischen 2008 und 2011 von 27 auf 37%, während MyVideo von 13% auf 5% zurückfiel. Bei den Professional Networks dominiert weiterhin Xing: Hier haben sich 15,4% der deutschen User registriert, bei Linkedin hingegen nur 2,2%.

Netzwerken ersetzt chatten und simsen

Soziale Netzwerke konkurrieren aber nicht nur mit Suchmaschinen, sondern fordern auch etablierte Kommunikationskanäle heraus. So gibt laut PwC jeder zweite User eines Sozialen Netzwerkes an, seltener SMS zu versenden. Auf Instant Messenger wie beispielsweise ICQ greifen 44% seltener zurück, und selbst E-Mail und Telefon werden von 41 bzw. 39% der Befragten teilweise ersetzt. Eine entscheidende Rolle spiele dabei die rasant wachsende Verbreitung von Smartphones, auf denen 'Apps' zur Nutzung der Sozialen Netzwerke installiert sind. Von den 16 bis 24 Jährigen nutzt bereits mehr als jeder zweite (55%) seine Lieblingsplattform mobil. Etwa ein Viertel dieser Gruppe greift sogar häufiger von unterwegs auf die Netzwerke zu als vom heimischen Computer.

"Wir erwarten, dass sich das Kommunikationsverhalten durch Soziale Netzwerke und neue Applikationen wie 'Whats App', kontinuierlich verändern und dadurch in zunehmendem Maße die Geschäftsmodelle der klassischen Telekommunikationsanbieter kannibalisieren wird. Auch die Nachfrage nach Smartphones wird dadurch weiterhin ansteigen", so Arno Wilfert, Telekommunikationsexperte und Partner bei PwC.

Empfehlungen anderer Nutzer sind wichtiger als Werbung

Die große Mehrheit der befragten Nutzer (69%) nimmt laut den Ergebnissen Werbung im Sozialen Netzwerk hin, wenn der Zugang für sie auf diese Weise kostenfrei bleibt. Der wahrgenommene Nutzen von Werbung ist demgegenüber eher gering. Gut jeder dritte Befragte (35%) ist durch Anzeigen und Spots auf Social-Media-Seiten oder im Netzwerk immerhin schon einmal auf neue Produkte bzw. Ideen aufmerksam geworden.

Wesentlich wichtiger als Werbung sind Empfehlungen anderer Nutzer in Sozialen Netzwerken: Fast 80 Prozent der Befragten vertrauen stärker auf Aussagen von Freunden oder Netzwerk-Kontakten als auf Werbeversprechen. Bemerkenswert ist, dass gut sieben von zehn Usern schon einmal eine bereits getroffene Kaufentscheidung auf Grund von Kommentaren und Bewertungen anderer Nutzer revidiert haben. Klar ablehnend stehen die Befragten der personalisierten Werbung gegenüber. Nur 17% finden diese Werbeform gut. 

Vom Fan zum Kunden

Die überwiegend ablehnende Haltung gegenüber Werbung wandelt sich hingegen, wenn die Kontaktaufnahme von den Usern selbst ausgeht. Über 50% der Befragten sind bereits "Fan" oder "Follower" mindestens eines Unternehmens oder einer Marke. Etwa jeder vierte "Fan" will in erster Linie im Netzwerk zeigen, dass er die Marke mag. Vor allem aber ist bei 41% der Befragten die Wahrscheinlichkeit für eine Empfehlung oder einen Kauf gestiegen, seit sie "Fan" der betreffenden Marke oder des Herstellers sind.

Für die Studie hat PwC 1.000 regelmäßige Nutzer Sozialer Netzwerke bzw. Medienplattformen in Deutschland befragt. Die Studie kann hier bestellt werden.

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