Christoph Keese teilt aus: "Google hat einen Kampf gegen Kreativität entfacht"

26.03.2012
 

Christoph Keese, Konzerngeschäftsführer Public Affairs der Axel Springer AG, geht in seinem Blog hart mit der Lobbyarbeit von Google ins Gericht. Anhand einer Studie von Copyright Alliance entstehe das Bild eines Unternehmens, das vor Jahren mit großer Gründlichkeit und hohem Geldaufwand daran gegangen ist, Urheberrechte durch Einflussnahme auf Wissenschaft und Politik grundlegend zu schwächen oder sogar abzuschaffen, schreibt Keese.

Christoph Keese, Konzerngeschäftsführer Public Affairs der Axel Springer AG, geht in seinem Blog "der presseschauder" hart mit der Lobbyarbeit von Google ins Gericht. Anhand einer Studie von Copyright Alliance entstehe das Bild eines Unternehmens, das vor Jahren mit großer Gründlichkeit und hohem Geldaufwand daran gegangen ist, Urheberrechte durch Einflussnahme auf Wissenschaft und Politik grundlegend zu schwächen oder sogar abzuschaffen, schreibt Keese. Selten habe ein Unternehmen so aggressiv versucht, die Verhandlungsposition seiner Rostoff-Lieferanten durch Beeinflussung von Wissenschaft und Politik systematisch auszuhölen. "Das ist in etwa so, als würde die Lufthansa versuchen, Kerosin zum kostenlosen Allgemeingut erklären zu lassen - erst von der Wissenschaft, dann vom Bundestag", vergleicht Keese.

Google würde enorme Summen in seine Kampagne gegen das Urheberrecht stecken. Die Diskreditierung der Rechte von Autoren, Layoutern, Designern, Fotografen, Musikern, Malern, Zeichnern, Regisseuren, Schauspielern, Kameraleuten oder Beleuchtern sowie ihrer Verlage, Produzenten, Plattenfirmen, Studios und Sender gehe zu einem erheblichen Teil auf Googles Arbeit zurück. Keeses Fazit: "Google hat weltweit einen Kampf gegen Kreativität entfacht, genauer gesagt: Gegen das Lebenkönnen von Kreativität."

Als Reaktion auf Keeses Blogeintrag twitterte Kay Oberbeck, Head of PR Google Deutschland: "Die Thesen von Ch. Keese sind wahnwitzig." Nicht minder deftig fallen die Antworten unter dem Keese-Text aus. Thomas Knüwer, Gründungschefredakteur der deutschen "Wired", schreibt: "Lieber Herr Keese, entweder, Sie haben in Ihrem Hirn alles gelöscht, was sie in Ihrer Zeit bei der 'FTD' so erfahren haben – oder sie lügen hier. JEDER größere Konzern betreibt solch einen Lobbyismus und das in weitaus größerem Umfang als Google dies tut. Und dieser Lobbyismus dient allein der Förderung der eigenen Ziele. Verlage haben es da natürlich einfacher: Sie müssen einfach nur Artikel drucken."

Hintergrund: Ex-Google-Chef Eric Schmidt kritisierte jüngst den Beschluss der Regierungskoalition, ein Leistungsschutzrecht einzuführen, um Verlagen - wie Axel Springer - online zusätzliche Einkünfte zu sichern (kress.de vom 6. März 2012).

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