Überraschung trotz wenig überraschender Zahlen: Bertelsmann öffnet sich für neue Investoren

 

Da Bertelsmann bereits im Februar vorläufige Zahlen veröffentlichte, konnte der Konzern niemanden damit überraschen, dass der Umsatz im Geschäftsjahr 2011 nur um 1,2% auf 15,3 Mrd Euro stieg (Vorjahr: 15,1 Mrd Euro) und der operative Gewinn (Operating Ebit) von 1,83 Mrd Euro im Vorjahr auf 1,75 Mrd Euro sank. Für Schlagzeilen dürfte CEO Thomas Rabe (Foto) dennoch sorgen. In den kommenden fünf bis zehn Jahren will er den Konzern im großen Stil umbauen.

Da Bertelsmann bereits im Februar vorläufige Zahlen veröffentlichte, konnte der Konzern niemanden damit überraschen, dass der Umsatz im Geschäftsjahr 2011 nur um 1,2% auf 15,3 Mrd Euro stieg (Vorjahr: 15,1 Mrd Euro) und der operative Gewinn (Operating Ebit) von 1,83 Mrd Euro im Vorjahr auf 1,75 Mrd Euro sank (kress.de vom 9. Februar 2012). Ebenfalls im Rahmen der Erwartungen liegt die Umsatzrendite, die 11,4% beträgt (Vorjahr: 12,1%). 

Thomas Rabe (Foto) bezeichnete 2011 als ein "solides Jahr". Eine Gewinn- und Erfolgsbeteiligung in Höhe vom 107 Mio Euro soll an die Mitarbeiter ausgeschüttet werden. Vom Konzernergebnis zeigte sich Rabe enttäuscht. Es sank aufgrund von Sondereinflüssen wie dem Verkauf des griechischen TV-Senders Alpha von 656 Mio Euro im Vorjahr auf nun 612 Mio Euro.

Wachstumsstärker, digitaler und internationaler

Für Schlagzeilen dürfte Rabe trotz wenig überraschender Zahlen sorgen. In den kommenden fünf bis zehn Jahren will er den Konzern im großen Stil umbauen. "Vorrangiges Ziel ist es, das Unternehmen wachstumsstärker, digitaler und internationaler aufzustellen", so Rabe. Dies wolle man über vier strategische Stoßrichtungen erreichen: "erstens über die weitere Konsolidierung und Stärkung unseres Portfolios, zweitens durch eine beschleunigte digitale Transformation unserer Kerngeschäfte, drittens die Bildung neuer Wachstumsplattformen und viertens die Expansion in neue geografische Wachstumsregionen." Als Beispiele für interessante Regionen nennt Rabe Indien, China und Brasilien. Als Beispiel für interessante Entwicklungen im Portfolio führt Rabe das Musikrechteunternehmen BMG an, das Bertelsmann gemeinsam mit der Beteiligungsgesellschaft KKR betreibt, und den Bildungsfonds, an dem ebenfalls weitere Geldgeber beteiligt sind (kress.de vom 17. Januar 2012). 

Aus der Bertelsmann AG soll zudem eine eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) werden, genauer gesagt eine SE & Co. KGaA. Ziel sei es, die Kontinuität des Unternehmens langfristig zu sichern. Für die Mitarbeiter und an den Eigentumsverhältnissen sowie der Struktur ändere sich nichts. Mit der neuen Konstruktion, so Rabe, könnte der Konzern leichter neues Eigenkapital aufnehmen, ohne den Einfluss der Familie Mohn und der Stiftung zu verwässern.

Beim Umbau setzt Rabe auf einen Dialog mit der Belegschaft. Wichtige Impulse soll das "Group Management Commitee" (GMC) liefern, das Rabe zum Jahreswechsel ins Leben rief (kress.de vom 5. Dezember 2011).

Gute Werbeeinnahmen - schwache Druckereien

Gut entwickelt haben sich werbegetriebene Geschäfte und der Absatz von E-Books, weniger gut einige Druckbetriebe sowie Replikations- und Direktmarketinggeschäfte. Die Werbebuchungen bei den Fernsehsendern waren hoch, die Buchsparte hatte Bestseller wie Walter Isaacsons Biografie "Steve Jobs" oder die Fantasy-Saga "A Song of Ice and Fire" von George R. R. Martin.

Bereits Anfang März veröffentlichte der TV-Konzern RTL Group Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr (kress.de vom 6. März 2012). Den Umsatz konnte die Bertelsmann-Tochter um 4,2% auf 5,8 Mrd Euro steigern, den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) um 0,2% auf 1,134 Mrd Euro (Vorjahr: 1,132 Mrd Euro) und den Nettogewinn um 13,9% auf 696 Mio Euro. Für das Umsatz-Plus sorgten laut Konzern höhere Umsätzen bei FremantleMedia und RTL Nederland.

Die Dienstleistungssparte Arvato steigerte im Berichtszeitraum den Umsatz um 2,5% auf 5,4 Mrd Euro (Vorjahr: 5,2 Mrd Euro); das Operating Ebit lag mit 341 Mio Euro um 1,7% unter dem Vorjahreswert von 347 Mio Euro. Vorübergehend ist Arvato auch zur Heimat des Druckunternehmens Prinovis geworden, an dem Axel Springer mit 25,1% beteiligt ist. Die Zahlen, auch die Vergleichswerte aus dem Vorjahr, hat Bertelsmann entsprechend angepasst.

Das bekam auch der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr (G+J) zu spüren. Prinovis wird rückwirkend für das Gesamtjahr bei Arvato gezeigt; die G+J-Zahlen einschließlich der Vorjahreswerte wurden entsprechend angepasst. Der Umsatz stieg um 1,2% auf 2,3 Mrd Euro (Vorjahr: 2,3 Mrd Euro). Das Operating Ebit erreichte 233 Mio Euro und lag damit um 10,4% unter dem Vorjahreswert von 260 Mio Euro. 

Auch bei Arvato wird Prinovis nicht heimisch: Bertelsmann-Chef Rabe will das Druckgeschäft weitestgehend in einer eigenen Sparte bündeln (kress.de vom 25. Januar 2012).

Der Buchverlag Random House erzielte einen Umsatz von 1,7 Mrd Euro - 4,3% weniger als 2010 (Vorjahr: 1,8 Mrd Euro). Der Gewinn stieg um 6,9% auf 185 Mio Euro (Vorjahr: 173 Mio Euro. Wechselkurse hätten den Umsatz belastet, so Bertelsmann.

Ausblick

Zu den Aussichten für das laufende Geschäftsjahr sagt Rabe: "Wenn sich das Wirtschaftswachstum in den für uns relevanten Märkten stabil bis leicht positiv entwickelt, rechnen wir für 2012 mit einem moderaten Umsatzanstieg, mit einem Operating Ebit auf weiterhin hohem Niveau, einer Umsatzrendite von mehr als 11% sowie mit einem höheren Konzernergebnis als 2011."

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