Papier und "digitale Transformation" kosten: G+J trotz Gewinnrückgang über "Vorkrisenniveau"

 

"Wir müssen uns vor niemandem verstecken", hat Bernd Buchholz (Foto), Vorstandsvorsitzender der Gruner + Jahr AG (G+J), während der Vorstellung der Bilanz 2011 am Donnerstag in Hamburg skandiert. Damit meinte er vor allem das digitale Inhalte-Geschäft des Verlagshauses. Seinen Umsatz steigerte der Konzern vor allem über den Ausbau seiner Digitalaktivitäten.

"Wir müssen uns vor niemandem verstecken", hat Bernd Buchholz (Foto), Vorstandsvorsitzender der Gruner + Jahr AG (G+J), während der Vorstellung der Bilanz 2011 am Donnerstag in Hamburg skandiert. Damit meinte er vor allem das digitale Inhalte-Geschäft des Verlagshauses. Seinen Umsatz steigerte der Konzern vor allem über den Ausbau seiner Digitalaktivitäten. Für das abgelaufene Geschäftsjahr liegt er bei 2,29 Mrd Euro. 1,2% höher als im Vorjahr.

Der Buchholz-Satz darf aber wohl auch als Seitenhieb auf den Münchner Konkurrenten Burda verstanden werden. Der hat sein am Montag präsentiertes Geschäftsergebnis vor allem vom journalistischen Kerngeschäft weit entfernten Digital-Aktivitäten wie dem Online-Shop für Tierfutter zooplus zu verdanken (kress.de vom 26. März 2012).

Buchholz betonte, dass eine Vielzahl der digitalen Angebote seines Hauses inzwischen ein positives Ergebnis einfahren würden. Ein besonders schmackhaftes Ergebnis präsentiere "chefkoch.de". Mit mehr als 11 Mio Unique Usern verfüge die Food-Community über eine größere Reichweite als "Spiegel Online". Die Vermarktungseinheit G+J EMS habe die Vermarktung digitaler Inhalte und Angebote 2011 um rund 34% und die mobiler Inhalte um 69% steigern können.

Mit Digitalem, Qualität und Effizienz zu einem "guten Jahr"

Buchholz beschrieb drei zentrale Aufgabenfelder, an denen G+J auch in Zukunft arbeiten müsse: am Ausbau der digitalen Aktivitäten hin zu einem "House of Content", an der fortlaufenden Verbesserung der inhaltlichen Qualität und an der weiteren Steigerung der Effizienz. An den in den vergangenen Jahren verschlankten Strukturen will Buchholz also festhalten, aber nicht zu Lasten der Mitarbeiter. In dem Zusammenhang ging er auch auf den Verkauf des Bilderdienstes Picture Press an die Nachrichtenagentur dapd ein (kress.de vom 22. März 2012). Für sechs Mitarbeiter, die Kernmannschaft, habe man eine zweijährige Beschäftigungsgarantie ausgehandelt. Nur für vier Mitarbeiter habe man noch keine Weiterbeschäftigung gefunden. 

Auch in diesem Jahr will G+J seine Mitarbeiter am Unternehmenserfolg teilhaben lassen. Dafür schüttet der Verlag mehr als 20 Mio Euro aus, die vor allem Angestellten in Deutschland, Frankreich und in den USA zugute kommen sollen.

Insgesamt habe G+J, so Buchholz, ein "gutes Jahr" gehabt, in dem man verstärkt in das Kerngeschäft, die Inhalte und Marken sowie in den Ausbau der Aktivitäten in Asien investiert habe. Mit letzterem meint Buchholz den Einstieg bei der indischen MaXposure Group, an der G+J im August mit 78,75% die Mehrheit erwarb, und die Mehrheitsübernahme der Networkplay Ltd, einem indischen Digitalvermarkter . "Wir glauben an hochwertige Inhalte und sehen die Bereitschaft der User, dafür zu bezahlen", fuhr Buchholz fort. Daher investiere er weiter in die digitale Transformation

Ziel erreicht: operativer Gewinn liegt über "Vorkrisenniveau"

G+J konnte im Geschäftsjahr 2011 den Umsatz zwar auf 2,29 Mrd Euro steigern (Vorjahr: 2,26 Mrd Euro), der operative Gewinn (Operating Ebit) sank aber um 10% auf 233 Mio Euro (Vorjahr 260 Mio Euro). G+J-Chef Buchholz betonte, dass auch die 233 Mio deutlich über "Vorkrisenniveau" lägen und man damit das selbstgesteckte Ziel erreicht habe. Der Rückgang sei erwartet worden und hänge mit höheren Papierpreisen, Kosten für die "digitale Transformation", neuen Titeln und einer schwachen Entwicklung der südeuropäischen Länder und des Druckgeschäfts zusammen.

Schon die Konzernmutter Bertelsmann, die einen Tag zuvor Zahlen vorlegte, wies darauf hin, dass im abgelaufenen Geschäftsjahr die Dienstleistungstochter Arvato und nicht mehr G+J die Zahlen des Druckunternehmens Prinovis bilanziert (kress.de vom 29. März 2012).

Die Umsatzrendite erreichte 10,2% nach 11,5% im Vorjahr. G+Js Jahresüberschuss beträgt, wie schon im Vorjahr, 160 Mio Euro. Deutschland, wo G+J 44% seines Umsatzes erwirtschaftet, hätte laut Unternehmen 2011 beim operativen Ergebnis den Vorjahreswert übertroffen und einen neuen Rekordwert erzielt. Sowohl die Anzeigen- als auch Vertriebserlöse hätten leicht zugelegt. Nur für den Zuwachs der Anzeigenerlöse nennt G+J einen konkreten Wert: +2,1%.

Im sogenannten Markengeschäft sanken die Anzeigenumsätze im Vergleich zum Vorjahr um 0,82% auf 725 Mio Euro (Vorjahr: 731 Mio Euro). Die Vertriebserlöse legten um 0,85% auf 711 Mio Euro zu (Vorjahr: 705 Mio Euro). Insgesamt setzte das Markengeschäft 1,80 Mrd Euro um (Vorjahr: 1,79 Mrd Euro), das operative Ergebnis vor Einmaleffekten beträgt 201 Mio Euro, die Umsatzrendite 11,2%.

Ausblick

Für 2012 rechnet G+J-Finanzvorstand Achim Twardy mit einer weitgehend stabilen Umsatz- und Ergebnisentwicklung. Aufgrund der Unsicherheit an den Finanzmärkten und den möglichen Konjunkturschwankungen mahnt er jedoch zur Vorsicht. Vorstandschef Bernd Buchholz skizzierte sechs grundsätzliche Herausforderungen, denen man sich künftig stellen müsse:

  • Die Konkurrenz durch digitale Content-Aggregatoren wie Google, Facebook und Flipboard wachse rasant
  • Die Personalisierung und Depaketierung von Inhalten werde wichtiger
  • Mobile Anwendungen setzten sich durch
  • Digitale, plattformübergreifende Konvergenz werde Realität
  • Social Media setzen die traditionelle Auslieferung von Inhalten außer Kraft
  • Die Demokratisierung der Inhalteerstellung schreite weiter voran

Auf diese Entwicklungen dürfe man nicht warten, sondern müsse sie mit neuen Geschäftsmodellen aufgreifen. Für das laufende Jahr kündigte Buchholz den Aufbau einer neuen Geschäftssäule an. Ob es dabei um das seit Jahren im Raum stehende Professional Publishing gehen wird (kress.de vom 1. April 2011), wollte Buchholz mit Hinweis auf den im Mutterkonzern Bertelsmann anstehenden Umstrukturierungsprozess nicht bestätigen.

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