Urheberrechts-Debatte: 51 "Tatort"-Autoren kritisieren Parteien und Netzgemeinde

 

Nach der Wut-Rede von Sven Regener zum Thema Urheberrecht, lassen nun auch 51 "Tatort"-Autoren in einem offenen Brief an die Grünen, die Piraten, die Linken und die "Netzgemeinde" Dampf ab: Es geht u.a. um die "schlechte Lage der Urheber, ihre unangemessene Vergütung und die millionenfache illegale Nutzung von urheberrechtlich geschützten Inhalten".

Nach der Wut-Rede von Sven Regener zum Thema Urheberrecht, lassen nun auch 51 "Tatort"-Autoren in einem offenen Brief an die Grünen, die Piraten, die Linken und die "Netzgemeinde" Dampf ab: Es geht u.a. um die "schlechte Lage der Urheber, ihre unangemessene Vergütung und die millionenfache illegale Nutzung von urheberrechtlich geschützten Inhalten".

Die Autoren bemängeln u.a., dass Urheberrechte dem Recht auf freien Zugang zu Kunst und Kultur gegenübergestellt werden: "Die Menschenrechte garantieren in der Tat einen freien, aber doch keinen kostenfreien Zugang zu Kunst und Kultur." Diese politische Verkürzung von Grünen, Piraten, Linken und Netzgemeinde diene lediglich der Aufwertung der User-Interessen, deren Umsonstkultur so in den Rang eines Grundrechtes gehievt werden solle.

Außerdem werfen sie den Grünen vor, "von Google alimentierte Initiativen" vorzuschicken, um das "Grundrecht auf geistiges Eigentum" in Frage zu stellen. Urheberrechte seien aber "ultimativ verbrieft", dass diese zur Disposition stünden, sei eine "Lebenslüge der Netzgemeinde", heißt es in dem Brief.

Gegen eine "Modernisierung" der Schutzfristen

Die Autoren gehen auch auf die Schutzfristen ein: Mit denen können die Urheber bzw. ihre Nachfahren von dem eigenen Werk derzeit 70 Jahre post mortem profitieren. "Die Netzgemeinde fordert radikale Verkürzungen, kritisieren die Autoren. Die sogenannte "Modernisierung" reiche von "gar keine Schutzfrist" bis hin zu 20 Jahre post mortem.

Urheber würden durch kürzere Schutzfristen enteignet und "dramatisch schlechter" gestellt. Hinzu kommt, dass der Modernisierungs-Vorschlag die Interessen "vermeintlich unschuldigen User" nicht ändern würde. Denn deren illegale Downloads und  Streamings würden hauptsächlich aktuelle Filme, Musiken, Bücher, Fotos und Designs betreffen und nicht Werke, die bis zu 60 Jahre alt sind.

"Alle-haben-alle-wieder-lieb-Kompromiss"

Um Urheber und User besser zu stellen, brauche es einen, der diesen "Alle-haben-alle-wieder-lieb-Kompromiss" bezahlt, heißt es weiter. "Nein, nicht Google, YouTube und die anderen Internetserviceprovider, die sich dumm und dämlich daran verdienen, illegale Kontakte zu vermitteln, den kriminellen Modellen wie kino.to, megaupload, the Pirate Bay etc. überhaupt zum Erfolg zu verhelfen", sollen zahlen, wenn es nach der Netzgemeinde geht.

Der große Übeltäter für Parteien und Netzgemeinde sei nämlich die Verwertungsindustrie: "Sony, Universal, Bertelsmann und, ganz wichtig, natürlich die Gema und die anderen Verwertungsgesellschaften. Das sind in ihren Augen die Blutsauger, die sollen die Zeche zahlen."

Die Autoren schlagen also vor, wenn man die Lage der Urheber nachhaltig verbessern wolle, müssten alle politischen Kräfte den Urhebern bzw. ihren Verbänden helfen, das Urhebervertragsrecht zu verbessern und die Verhandlungspositionen der Urheber gegenüber den Verwertern zu stärken: "Mit Hilfe verbindlicher Regelungen zu den Gemeinsamen Vergütungsregeln (GVR) oder mit einem Verbandsklagerecht, oder, oder... "

"Netzpolitik.org" reagiert auf den Brief

"Netzpolitik.org" reagierte bereits auf das Schreiben der "Tatort"-Autoren. "Leider bringt das Pamphlet die Debatte keinen Millimeter voran, sondern ergeht sich wieder nur in Pauschalverunglimpfungen und Selbstwidersprüchen", heißt es auf der Seite. Zum Thema Schutzrecht stellt "Netzpolitik.org" folgende Überlegung auf: "Wenn Urheber durch eine Schutzfristen-Verkürzung 'enteignet' werden, wem wird dann etwas weggenommen, wenn die Schutzfristen verlängert werden? Dem gemeinsamen kulturellen Erbe (inhaltlich) und der Allgemeinheit (finanziell)." Zudem erhöhe sich durch eine Verlängerung die Zahl verwaister Werke, die zwar nicht mehr kommerziell verwertbar aber dennoch nicht nutzbar sind, weil die Rechteabklärung zu teuer oder unmöglich sei.

"Netzpolitik.org" weist auch darauf hin, dass es in der Urheberrechtsdebatte um viel mehr gehe, als illegale Downloads und Streaming. Es gehe v.a. um Bücher und Dokus, die in Archiven "verrotten", weil die Klärung der Rechte zu teuer sei.

Die ganze Antwort gibt's hier.

Auch der "Chaos Computer Club" meldet sich zu Wort

51 Hacker des "Chaos Computer Club" ("CCC") melden sich ebenfals zu Wort. Die stellen erst einmal klar, dass auch sie, also Programmierer, Hacker, Gestalter, Musiker, Autoren von Büchern und Artikeln, Urheber sind. Das tragische sei, das beide  Opfer des Verwertungssystems seien. "Ihr schuftet Euch seit Jahren für die Verwertungsindustrie ab und habt so viele Eurer Rechte weggegeben, daß weder Ihr noch Eure Nachfahren von der verlängerten Urheberrechtsschutzfrist etwas haben", schreibt der "CCC".

"Wir kämpfen eigentlich auf derselben Seite, aber Ihr merkt es nicht einmal." Denn beim "CCC" sei es ähnlich: Software werde inzwischen nicht mehr für Profit geschrieben, sondern frei ins Netz gestellt oder als Selbstvermarkter-Shareware, weil den Autoren klar sei, daß sie nie einen Cent sehen werden für ihr Werk. "Für Software gibt es keine Verwertungsgesellschaften, mangels historischen Präzedenzfalls." Aber Software-Autoren würden auch keine Gema für Software fordern.

"Was Ihr braucht ist eine den Namen verdienende, starke Gewerkschaft, kein Monster aus Verwertungsgesellschaften, die dann Youtube langjährig verklagen, weil sie kostenlos Werbung für Euch machen und Euch damit zukünftige Aufträge verschaffen", so der "CCC".

Die ganze Antwort gibt's hier.

Ihre Kommentare
Kopf

Jay

31.03.2012
!

Die Antworten von CCC und Netzpolitik helfen ebenfalls nicht weiter.


Frank

02.04.2012
!

Was soll man auch zu diesen Schwulst groß erzählen? Die Auoten wollen eine Debatte - und haben gute Gründe erhalten.


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