"Audio Video Foto Bild" deckt auf: Bis zu 30% der Bewertungen in Online-Shops sind Fakes

 

Die Springer-Zeitschrift "Audio Video Foto Bild" hat einen Scoop gelandet: 20 bis 30% der in Online-Shops und Bewertungsportalen wie Dooyoo, Ciao, Holidaycheck oder Qype abgegebenen Produktbewertungen sind gefälscht. Das berichtet das Blatt in seiner aktuellen Ausgabe, die am 2. Mai erscheint.

Die Springer-Zeitschrift "Audio Video Foto Bild" hat einen Scoop gelandet: 20 bis 30% der in Online-Shops und Bewertungsportalen wie Dooyoo, Ciao, Holidaycheck oder Qype abgegebenen Produktbewertungen sind gefälscht. Das berichtet das Blatt in seiner aktuellen Ausgabe, die am 2. Mai erscheint.

Die als "Textservice" oder "Shop-Texte" deklarierten Dienstleistungen sind ab 190 Euro zu haben und können für unterschiedlichste Produktgruppen von Fernsehern über Mobiltelefone, HiFi-Anlagen, Versicherungen bis hin zu Restaurants, Hotels und Reisen gebucht werden. "Audio Video Foto Bild" hatte als Hersteller getarnt, zwei Agenturen beauftragt, Kundenbewertungen in beliebten Online-Shops zu verfassen. Keine der rund 100 Bewertungen seien als Fälschungen erkannt worden. Dabei gebe es einige Hinweise, die auf Fake-Bewertungen schließen lassen. Fälscher verwenden häufig Pseudonyme, geben in kurzer Zeit viele Bewertungen ab, halten sich entweder sehr kurz oder listen seitenweise Herstellerangaben auf. Zudem werden in der Fachpresse oder von Kunden genannte Mängel gezielt entkräftet und oftmals PR-Floskeln der Hersteller verwendet.

Die Tricks der Fälscher

Die Fälscher gehen laut "Audio Video Foto Bild" bei ihren Taten sehr geschickt vor: Sie greifen auf Datenbanken mit tausenden Benutzerkonten zu und geben pro Portal maximal eine Bewertung am Tag ab. Das macht es für Verbraucher und Shop-Betreiber schwer, Fälschungen als solche zu erkennen. Hinzu kommt, dass die Schutzmechanismen vieler Portale ungenügend sind. Zur Registrierung reicht meist eine gültige E-Mail-Adresse aus. Auch Hinweise wie "von Amazon bestätigter Kauf" helfen wenig, um seriöse Bewertungen von gefälschten zu unterscheiden. Agenturen bestellten Produkte, bewerteten sie und schickten sie innerhalb von zwei Wochen kostenlos zurück, so die Recherchen der Fachzeitschrift.

Auflagenverluste und Streiks bei "Audio Video Foto Bild"

Enthüllungsgeschichten wie diese sind für die Fachzeitschrift momentan besonders wichtig. Die verkaufte Auflage sank laut IVW im 1. Quartal 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 30,47% auf 102.592 Exemplare. Die Zahl der Abos ging im selben Zeitraum um 6,73% auf 18.170 Stück zurück. Der Springer-Konzern reagierte auf die schwache Auflagenentwicklung seiner Computerzeitschriften mit der Ankündigung, die Mitarbeiter der "Computer Bild"-Gruppe, zu der auch der Titel "Audio Video Foto Bild" gehört, in die tarifungebundene Tochtergesellschaft Computer Bild Digital GmbH zu überführen. Dagegen wehren sich die rund 90 betroffenen Mitarbeiter zurzeit mit offenen Briefen an den Springer-Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner und mit Warnstreiks (kress.de vom 14. April 2012).

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