Datenschützer Weichert sieht Mega-Börsengang kritisch: "Facebook hat ein riesiges Problem"

18.05.2012
 

Es ist der größte Börsengang eines Internet-Unternehmens. Facebook hat seine Aktien zu 38 Dollar an die Investoren verkauft - und dabei die selbst ausgegebene Preisspanne voll ausgereizt. Damit ist Facebook 104 Mrd Dollar schwer. Doch der gigantische Börsengang birgt ein Risiko, das viele ignorierten, sagt Datenschützer Thilo Weichert in der "FAZ" (Freitagsausgabe).

Es ist der größte Börsengang eines Internet-Unternehmens. Facebook hat seine Aktien zu 38 Dollar an die Investoren verkauft - und dabei die selbst ausgegebene Preisspanne von 34 bis 38 Dollar voll ausgereizt (kress.de vom 15. Mai 2012). Damit ist Facebook 104 Mrd Dollar schwer. Doch der gigantische Börsengang birgt ein Risiko, das viele ignorierten, sagt Datenschützer Thilo Weichert in der "FAZ" (Freitagsausgabe).

"Wer als Aktionär spekuliert, muss damit rechnen, dass, wenn sich der Datenschutz in Deutschland und Europa mit seinen Belangen durchsetzt, das Geschäftsmodell von Facebook in sich zusammenbricht", so Weichert. Es sei zwar möglich, dass Facebook den Forderungen  der Datenschützer nachkomme, aber das sei vollkommen offen.

"Wir finden immer mehr Zuspruch - in der Politik und in ganz Europa, weniger bei der Regierung Obama in den Vereinigten Staaten." Die EU-Kommission habe inzwischen den Entwurf für eine europäische Datenschutzverordnung vorgelegt, erklärt Weichert weiter. "Mit der hätten wir ein Instrument, um Facebook datenschutzrechtlich an die Kandare zu nehmen". Facebook müsse sich - zumindest mittelfristig - bewegen, andernfalls würden sie auf dem europäischen Markt "ein riesiges Problem" haben.

"FAZ"-Redakteur Michael Hanfeld fragt Weichert in dem Interview auch, welche Sanktionierungsmöglichkeiten es überhaupt gäbe, schließlich habe sich Facebook bislang nie bewegt. Weicherts weist drauf hin, dass in Schleswig-Holstein drei Gerichtsverfahren laufen würden, "die hoffentlich bald terminiert werden". Wenn das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz diese Prozesse gewinne - und davon ist Weichert überzeugt -, werde das "zumindest in Deutschland einen Flächenbrand auslösen". "Wir werden mit dem Verfahren wohl durch alle Instanzen gehen und irgendwann beim Bundesverwaltungsgericht landen", kündigt der Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig Holstein an. Das werde die Diskussion über Facebook und die Praxis von Facebook verändern.

Hintergrund: Jüngst gab es auch weitere Zweifel, ob die Facebook-Milliarden-Wette aufgeht. General Motors will nach Medienberichten vorerst keine Anzeigen mehr auf Facebook schalten, weil die Nutzer diese kaum anklicken würden (kress.de vom 16. Mai 2012). Darüber hinaus wird Facebook immer mehr mobil genutzt, wo sich Anzeigen bislang rar machen und dementsprechend die Werbeeinnahmen ausbleiben. Facebook machte im vergangenen Jahr 3,7 Mrd Dollar Umsatz und eine Mrd Gewinn - im Vergleich mit anderen Börsengiganten ist das eher wenig.

Ihre Kommentare
Kopf

Leslie

18.05.2012
!

Die Warnungen der Datenschützer kann ich nicht mehr für voll nehmen. Da lachen doch manche Firmen und machen weiter wie vorher. Ausserdem sind diese immer einen Schritt weiter voraus. Die Datenschützer hinken hinterher.


Andreas Rolle

18.05.2012
!

Inwieweit der Datenschutz sich zum Stolperstein des Shareholder-Values entwickeln kann ist in Zeiten, in denen sich Fans mannigfaltig in großer Transparenz und Offenheit im Web unkritisch offenbaren fraglich. Wenn wir schon den Seher machen, dann mit Blick darauf, dass das Fanvertrauen quartalsweise zu Gunsten des Shareholders gestresst wird. Die Zeitpunkt der Un-Erträglichkeit korrelliert stark mit dem mittelfristigen Börsenkurs.


Theodor Fruendt

18.05.2012
!

Facebook ist 4-fach überbewertet, eine Blase und wird schnell ganz andere Probleme haben als die Datenschutzregulierungen der EU. Die "Investoren", die heute die Aktie kaufen um sie morgen mit 20 % Gewinn zu verkaufen, verdienen am besten. Das ist wie bei der Telekom und Facebook ist nicht Google, dessen Aktien seit deren Einführung um den 6-fachen Wert gestiegen sind weil Google wirklichen Service bietet währen Facebook nur Tratsch bietet.


Cyberworker

27.05.2012
!

M.E. sind das nur Schattenkämpfe... Der Datenschutz wird nur vorgeschoben, denn der Staat ist ebenso interessiert an den Daten seiner Bürger wie Facebook an denen seiner Nutzer. Und da können sich Staat und Facebook (oder Google) bestens unterstützen: Der Staat hat nicht die Mittel und nicht das Know-how, sich die Daten so anzueignen wie das Facebook, Google & Co tun. Das ist m.E. eine ideale Symbiose. Da wird nur ein Datenschützer vorgeschoben, um denen, die das alles kritisch sehen, etwas Futter zu geben und sie zu beruhigen. In Wirklichkeit läuft das Spiel ganz anders...


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