Jetzt offiziell: Vorkötter geht, Fehrle steigt in Berlin auf

 

Der Verlag M. DuMont Schauberg (MDS) hat am Freitag die kress-Meldung bestätigt, wonach Uwe Vorkötter seinen Posten als Chefredakteur von "Berliner Zeitung" und "Frankfurter Rundschau" aufgibt. Alleinige Chefredakteurin in Berlin ist vom 1. Juli an Brigitte Fehrle (Foto).

Der Verlag M. DuMont Schauberg (MDS) hat am Freitag die kress-Meldung bestätigt, wonach Uwe Vorkötter seinen Posten als Chefredakteur von "Berliner Zeitung" und "Frankfurter Rundschau" aufgibt. Alleinige Chefredakteurin in Berlin ist vom 1. Juli an Brigitte Fehrle. Alleinige Kandidatin für den Job war sie allerdings nicht: Nach kress-Infos war auch "Spiegel"-Reporter Alexander Osang im fortgeschrittenen Gespräch für diese Position. Er war bis 1999 Chefreporter der "Berliner Zeitung" gewesen.

Vorkötter ist nicht ganz weg aus der MDS-Welt: Er soll in Zukunft den Vorstand beraten, und zwar insbesondere bei der "strategischen Entwicklung neuer Geschäftsmodelle für digitale Produkte". Eine Nachfolgeregelung für Frankfurt wollen die Gesellschafter der "FR" - neben MDS auch die DDVG - erst in Kürze bekanntgeben.

In einer MDS-Pressemitteilung wird der Wechsel in der Chefredaktion nicht explizit begründet. Er werde aber "genutzt, um nun 'Berliner Zeitung' und 'Frankfurter Rundschau' stärker auf ihre jeweiligen Märkte zu focussieren (sic!)". Der für Redaktion zuständige MDS-Vorstand Franz Sommerfeld informierte die Mitarbeiter des Berliner Verlags am Freitagmittag offiziell über den Wechsel an der Spitze der Chefredaktion und verkündete Ähnliches. Sommerfeld erklärte zudem eine Spekulation von "w&v" für falsch, wonach "Berliner Zeitung" und "Tagesspiegel" "zusammenrücken" sollten. Der wahre Kern dieser Meldung dürfte sein, dass die beiden Häuser die Zusammenarbeit bei ihren darbenden Veranstaltungsmagazinen "Tip" und "Zitty" intensivieren wollen.

"Berliner Zeitung", "Frankfurter Rundschau" und die DuMont-Redaktionsgemeinschaft werden derzeit von einem Chefredakteurs-Kollegium geleitet, dem außer Vorkötter auch Fehrle und Rouven Schellenberger angehören. Schellenberger soll laut MDS wie bisher als Chefredakteur die digitalen Projekte der beiden Zeitungen verantworten.

Verleger sauer über Döpfner-Interview

Die Initiative für den Wechsel an der Redaktionsspitze ging nach kress-Infos von MDS aus. Im Verlag heißt es, das Verhältnis zwischen Verleger und Aufsichtsratschef Alfred Neven DuMont und Vorkötter sei durch eine Begebenheit im November 2011 belastet worden: Damals führte der Chefredakteur ein Interview mit Springer-Boss Mathias Döpfner. Der Verleger versuchte offenbar, den Abdruck zu verhindern, weil er Döpfner die Berichterstattung von "Bild" & Co. über die Querelen mit seinem Sohn Konstantin Neven DuMont noch übel nahm. Der Vorgang liegt indes ein halbes Jahr zurück, so dass er allein die Trennung von Vorkötter nicht erklären dürfte. Eine andere Theorie besagt, dass MDS durch die Abschied vom gemeinsamen Chefredakteur Vorkötter, dem Architekten der redaktionellen Zusammenarbeit beider Blätter, Handlungsfreiheit im Umgang mit der notleidenden "FR" bekommen wolle.

In der MDS-Mitteilung ist von solchen Erwägungen nicht die Rede: Alfred Neven DuMont ist vielmehr voll des Lobes über seinen scheidenden Chefredakteur: "Ich danke Uwe Vorkötter für seine kreative und engagierte Arbeit in den vergangenen sechs Jahren und freue mich, dass wir auch künftig auf seine Erfahrung und seine Kompetenz bauen können." Vorkötter selbst beteuerte bei der Mitarbeiterversammlung in Berlin, er gebe die Chefredaktion in "freundschaftlichem Einvernehmen" auf.

"Neues schreckt uns nicht"

Der Redaktionsausschuss der "Berliner Zeitung" hat mittlerweile eine Stellungnahme zu den "angekündigten Umbrüchen" bei den beiden Zeitungen abgegeben. Tenor: "Neues schreckt uns nicht. Neues zu gestalten sind wir gewohnt." Für die angekündigte stärkere Regionalisierung in beiden Blättern könne es "stichhaltige Gründe geben, die wir als Redaktion aber noch nicht kennen". Die Redaktion begrüßt die Kooperationszusagen von Chefredaktion und Publizistischem Beirat und verspricht, ihren Beitrag für die Entwicklung aller Produkte zu leisten.

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