Netzwerk Recherche spürt Skandalfolgen: Minus von mehr als 157.000 Euro eingefahren

 

Die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche (nr) hat das Geschäftsjahr 2011 mit einem Minus von rund 157.400 Euro abgeschlossen. Das gab der Vorstand um Oliver Schröm (Foto) am Freitagabend auf der Mitgliederversammlung in Hamburg bekannt. Die Auswirkungen der Krise um unberechtigte Zuschüsse von der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) und seinen ehemaligen 1. Vorsitzenden Thomas Leif trafen das Netzwerk im vergangenen Jahr hart.

Die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche (nr) hat das Geschäftsjahr 2011 mit einem Minus von rund 157.400 Euro abgeschlossen. Das gab der Vorstand am Freitagabend auf der Mitgliederversammlung in Hamburg bekannt, die im Rahmen der nr-Jahreskonferenz 2012 stattfand. Die Auswirkungen der Krise um unberechtigte Zuschüsse von der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) und seinen ehemaligen 1. Vorsitzenden Thomas Leif (kress.de vom 3. Juli 2011) trafen das Netzwerk im vergangenen Jahr hart.

Fast alle Spender, Sponsoren und Anzeigenkunden haben sich von dem Netzwerk distanziert, was dazu führte, dass sich die projektbezogenen Einnahmen des Vereins fast halbierten. Zu dem schlechten Ergebnis haben ebenfalls hohe Kosten für Prüfer und Anwälte beigetragen. Für die Entwirrung der Finanzen und die Aufklärung der Vorwürfe musste das nr mehr als 45.000 Euro hinblättern. Hinzu kommen die Zinsen in Höhe von rund 9.500 Euro auf die mehr als 75.000 Euro starke unberechtigt einbehaltene Förderung durch die BPB in den Jahren 2007 bis 2010. 2010 hatte nr noch mit einem Plus von knapp 97.000 Euro abgeschlossen.

Trotz des Verlusts besaß der Verein zum 31.12.2011 ein großteils gebundenes Vermögen von etwas mehr als 350.000 Euro. Was den Vorstand optimistisch in die Zukunft blicken lässt: Eine Zahlungsunfähigkeit sei nicht zu befürchten. Nun gehe es darum, erneut Unterstützer zu gewinnen. Der erste Vorsitzende, Oliver Schröm (Foto), stellte in Aussicht, dass sogar die BPB den Verein wieder unterstützen werde. 

Kein Zivilprozess gegen Thomas Leif

Von zivilrechtlichen Schritten gegen Thomas Leif will der Vorstand absehen. Das hatte ein Mitglied während der Versammlung gefordert. Kassenwart David Schraven begründete diese Entscheidung damit, dass der Vorstand keine "Gräben gegenüber jemandem aufreißen will, der den Verein aufgebaut hat". Vielleicht fürchtet der nr-Vorstand aber auch, dass die Diskussionen um das Netzwerk durch eine solche Verhandlung erneut aufflammen könnten. Passend zum Beginn der Jahrestagung hatte "V.i.S.d.P." einen Beitrag veröffentlicht, in dem davon die Rede ist, dass nicht nur Thomas Leif, sondern auch andere Vorstandsmitglieder von den unberechtigten Abrechnungen gewusst hätten. Anstatt "rückwärtsgewandte Dinge anzugehen" will sich Oliver Schröm lieber der Zukunft und dem Aufbau des Netzwerks widmen, wie er auch im kress-Interview betonte (kress.de vom 31. Mai 2012).

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