Bilder von Löw und Balljungen waren aufgezeichnet: UEFA führt 27 Mio deutsche TV-Zuschauer in die Irre

15.06.2012
 

Das Video, in dem Jogi Löw in der 22. Minute des Spiels Deutschland gegen Niederlande einen Balljungen foppt, wurde auch in der kress-"Spotschau" tausendfach geklickt. Im Fernsehen entstand der Eindruck eines verspielten, gelösten Bundestrainers, trotz der großen Brisanz der EM-Begegnung.

Das Video, in dem Jogi Löw in der 22. Minute des Spiels Deutschland gegen Niederlande einen Balljungen foppt, wurde auch in der kress-"Spotschau" tausendfach geklickt. Im Fernsehen entstand der Eindruck eines verspielten, gelösten Bundestrainers, trotz der großen Brisanz der EM-Begegnung. Wie "stern.de" berichtet, fand die Szene aber gar nicht während des Spiels statt, die UEFA führte also mehr als 27 Mio deutsche TV-Zuschauer in die Irre.

Die UEFA, die das TV-Signal für alle Sender herstellt, bestätigte gegenüber "stern.de", dass es sich bei den Aufnahmen um aufgezeichnete Bilder handelt, die vor dem Spiel entstanden sind. Die Szene habe circa 15 bis 20 Minuten vor dem Spiel stattgefunden. "Offensichtlich wurde es von der TV Produktion erst während des Spiels gezeigt", so das UEFA-Statement.

Auch beim ZDF führte der UEFA-"Fehler" für Verwirrung. Als ZDF-Reporter Michael Steinbrecher nach dem Spiel Herrn Löw auf die Szene ansprach, lachte dieser und sagte, dass sei irgendwie vor dem Spiel passiert. Steinbrecher korrigierte: "Nee, nee, da stand es 0:0." Das ZDF sagt nun auf "stern.de"-Anfrage: "Die Bilder kommen von einer Produktionsfirma, die im Auftrag der UEFA arbeitet. Wir haben da keinen Einfluss drauf."

Ob die UEFA diese Bilder in die Live-Übertragung eingebaut hat, um gute Stimmung zu demonstrieren - unklar. Ein Plakat gegen Menschenrechtsverletzungen im Gastgeberland Ukraine, dass zwei Grünen-Abgeordneten während des Deutschland-Spiels präsentierten, blieb den TV-Zuschauern jedenfalls verborgen. Nur ZDF-Kommentator Bela Rethy brachte es zur Sprache.

Ihre Kommentare
Kopf

Leslie

15.06.2012
!

Ich würde sagen – man kann nichts mehr glauben. Der Zuschauer wird bewusst getäuscht. Vielleicht war die Direktübertragung ein gute animierten Computerspiel – das wird sicher auch mal kommen.


Boris A. Glatthaar

Boris A. Glatthaar

angestellt und selbstständig
Chefredakteur und Journalist

15.06.2012
!

Es ist skandalös, dass hier die Öffentlichkeit mit angeblichen Live-Bildern in die Irre geführt wird - das darf nicht nur als ein kleines Versehen betrachtet werden, sondern muss einen Aufschrei der Empörung zur Folge haben, weil so etwas nichts, aber auch gar nichts mit vernünftigem Journalismus zu tun hat. Im Gegenteil: Hier wird unter dem Mantel der seriösen Berichterstattung Material gesendet, das manipulativ auf das Publikum einwirken kann. So etwas darf es bei Qualitätsmedien nicht geben!


Hanno Reitschmidt

Hanno Reitschmidt

HANNO REITSCHMIDT || Agentur für veritable Kommunikation
Inhaber, Werbeexperte, Ideengeber

15.06.2012
!

Ja, Herr Glatthaar, so sehe ich es auch. Da geht doch jegliche Glaubwürdigkeit verloren und man wird jetzt wohl noch genauer hinschauen müssen.
Sehr positiv und auch passend ist der Hinweis auf das "nicht zeigen" des Plakats zum Thema Menschenrechtsverletzungen im Gastgeberland.


Martin F.

15.06.2012
!

Wow. You guys really need to chill out.


megatools

15.06.2012
!

Wenn die USA oder Deutschland in den Krieg ziehen, übergeben sie den Medien vorgefertigte Nachrichten-Filmkonserven und die schauen wir uns dann in der Tagesschau o.ä. an. Oder glaubt noch jemand, neben den Panzern robbe ein ARD-Reporter samt Kamera durch den Schlamm? Das macht die Einblendung einer Konserve während der EM-Liveberichterstattung zwar nicht besser, aber weniger erschütternd. Das Chillen allerdings, werter M.F., erledigen doch bitte Sie für uns mit. Wir passen derweil auf ..


Boris A. Glatthaar

Boris A. Glatthaar

angestellt und selbstständig
Chefredakteur und Journalist

19.06.2012
!

Sehr geehrter Martin F.,

dem hier

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/die-em-im-fernsehen-die-regie-spielt-falsch-11787080.html

ist nichts mehr hinzuzufügen.

Beste Grüße sendet:
B. Glatthaar


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