Diekmanns Dienstreise ins Silicon Valley: "Wissen nicht genau, was auf uns zukommt"

18.06.2012
 

Kai Diekmann lässt sich bei seinem geplanten Aufenthalt im Silicon Valley überraschen: "Das ist ein Researchprojekt mit einem völlig ergebnisoffenen Ausgang, so der "Bild"-Chefredakteur im Interview mit dapd. Die DNA der "Bild" hält er für unglaublich robust und Zeitungen grundsätzlich "noch zu günstig".

Kai Diekmann lässt sich bei seinem geplanten Aufenthalt im Silicon Valley überraschen: "Das ist ein Researchprojekt mit einem völlig ergebnisoffenen Ausgang, so der "Bild"-Chefredakteur im Interview mit dapd. Er und seine Mitstreiter Peter Würtenberger und Martin Sinner wüssten noch nicht genau, was auf sie zukomme.

Neun von zehn erfolgreichen digitalen Geschäftsmodellen kämen aus Palo Alto, weil es dort eine erstklassiges Netzwerk von begnadeten Entwicklern, Erfindern und natürlich notwendigen Geldgebern gebe, sagt Diekmann. "Daran wollen wir teilhaben und etwas lernen."

"Zunächst einmal geht es darum, die digitale Welt nicht als Bedrohung, sondern als Chance zu verstehen. Facebook zum Beispiel kann für uns eine gute Bühne sein, um unsere Inhalte zu präsentieren, um insbesondere junge Leute zu erreichen. Das gilt genauso für Twitter und Google." Allerdings müssten faire Geschäftsmodelle existieren.

Axel Springer habe die digitale Transformation bislang vergleichsweise gut umgesetzt, jetzt wolle man eine weiter Stufe zünden: "Deshalb erfüllen wir diesen sehr aufregenden Auftrag nicht mit Unternehmensberatern, sondern machen es selbst und werden dafür mindestens ein halbes Jahr in Amerika sein", erklärt Diekmann gegenüber dapd. 

DNA der "Bild" ist "unglaublich robust"

Diekmann ist seit 2001 Chefredakteur der "Bild"-Zeitung. Am 24. Juni feiert die Zeitung ihren 60. Geburtstag. "'Bild' ist in ihrer DNA unglaublich robust", sagt Diekmann. Er sei sich sicher, dass es die "Bild"-Zeitung auch in ihrer gedruckten Form noch jahrzehntelang geben werde. Allerdings: Reines Auflagenwachstum sei für Zeitungen und Zeitschriften kaum noch zu erzielen, Preissteigerungen kosteten zusätzlich Auflage. Diekmann fügt hinzu, dass er im Übrigen der Auffassung sei, dass Zeitungen "grundsätzlich noch zu günstig sind, für das, was sie bieten". Die Medien sollten selbstbewusst zu dem Wert ihrer Inhalte stehen und müssten alle Anstrengungen darauf richten, digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. "Unsere Strategie lautet: Noch lange mit der Zeitung auf Papier wirtschaftlich erfolgreich sein und digital noch schneller wachsen."

"Wir wollen nicht die beliebteste Zeitung im Lande sein"

Dass Hans-Leyendecker von der "Süddeutschen Zeitung" den Henri-Nannen-Preis nicht haben wollte, weil parallel die "Bild" ausgezeichnet, hat Diekmann "überhaupt nicht geärgert". Journalismus sei kein Beliebtheitswettbewerb und "wir wollen nicht die beliebteste Zeitung im Lande sein. Wir wollen die unbequemste und aufregendste Zeitung sein. Darum müssen wir polarisieren und provozieren".

Diekmann räumt in den Interview auch mit einer Legende auf: Er habe noch nie in seinem Leben Haargel benutzt. Warum er die Haare jetzt kurz trägt? "Ich hatte nach 27 Jahren keine Lust mehr auf lange Haare. Darum habe ich sie abschneiden lassen. Das letzte Mal waren sie bei der Bundeswehr so kurz."

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