"Den Privaten nicht das junge Publikum überlassen": MDR unterstützt trimedialen Jugendkanal

25.06.2012
 

RTL und ProSiebenSat.1 hingehört! Der MDR unterstützt einen trimedialen Jugendkanal. "Wir wollen den Privaten nicht das junge Publikum überlassen. Ein Jugendkanal könnte ein Weg sein, die Lücke zwischen Kinderkanal und unseren anderen Kanälen zu schließen", sagte MDR-Intendantin Karola Wille dem "Handelsblatt".

RTL und ProSiebenSat.1 hingehört! Der MDR unterstützt einen trimedialen Jugendkanal. "Wir wollen den Privaten nicht das junge Publikum überlassen. Ein Jugendkanal könnte ein Weg sein, die Lücke zwischen Kinderkanal und unseren anderen Kanälen zu schließen", sagte MDR-Intendantin Karola Wille dem "Handelsblatt" (Montagsausgabe). Der Jugendkanal soll vom SWR und BR medienpolitisch unterstützt werden.

Die Verjüngung sei die größte Herausforderung, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk derzeit habe. Vor allem in der Altersgruppe 13 bis 29 Jahre habe die ARD Nachholbedarf. Diese Zielgruppe soll der neue Sender bedienen, so Wille. Der von ihr geführte MDR ist laut "Handelsblatt" mit einem Durchschnittsalter von 61 Jahren der "jüngste" Kanal unter den Dritten. Auch der Durchschnittszuschauer des Ersten hat bereits die Sechzig überschritten.

"Dem MDR, aber auch der ARD droht ein Generationsabriss. Wir brauchen dringend mehr Innovation im Programm", sagte Wille. Die MDR-Chefin will, dass  der Jugendkanal der ARD trimedial agiert: als Fernsehsender, als Radiokanal und mit Präsenz im Internet. Nur so könne man die junge Zielgruppe erreichen.

Hintergrund des Vorstoßes von Wille sei die Umstellung der Rundfunkfinanzierung in Deutschland und eine drohende Entfremdung bei jungen Bürgern, heißt es im "Handelsblatt". Die Gerätegebühr wird ab 1. Januar 2013 durch eine Haushaltsgebühr ersetzt. "Junge Gebührenzahler dürfen sich nicht noch mehr vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk entfernen", fordert Wille. "Gerade angesichts der Einführung des neuen Beitragsmodells brauchen wir die Diskussion, wie wir Angebote für die ganze Gesellschaft machen können."

Die unionsgeführten Länder leisten Widerstand

Ob sich der Jugendkanal von den Intendanten politisch durchsetzen lässt, ist unklar. Vor allem die unionsgeführten Länder leisten Widerstand. So fordert Sachsen die sechs Digitalkanäle der Öffentlich-Rechtlichen komplett einzustellen. Quote (gering) und Kosten (hoch) würden nicht in Relation stehen. Auch Hannelore Kraft (SPD), Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, hatte sich in der vergangenen Woche für den Verzicht auf einzelne Digitalkanäle ausgesprochen.

Hintergrund: Wille-Vorgänger Udo Reiter hatte im vergangenen Jahr einem potenziellen ARD-Jugendableger keine großen Chancen eingeräumt. "Ein Jugendkanal wäre die Lösung", sagte Reiter, allerdings würde das Vorhaben auf medienpolitischen Gegenwind aus Richtung der Privatsender treffen. "Alles in allem eine tolle Möglichkeit". Es bleibe aber eine Illusion.

SWR-Intendant Peter Boudgoust setzt sich schon lange für einen Jugendsender ein, bei dem ARD und ZDF zusammenarbeiten (kress.de vom 10. Juni 2011). Zuletzt hat er die Verjüngung von EinsPlus vorangetrieben (kress.de vom 8. März 2012).

Ihre Kommentare
Kopf

Fabio Rehm

25.06.2012
!

Ja genau jetzt kommt der JUKA -der JUgendKAnal,


Thomas Ziesch

Thomas Ziesch

eventus GmbH
Geschäftsführer

25.06.2012
!

Die Jugend nicht völlig den privaten Veranstaltern zu überlassen ist ja fast schon eine gesellschaftliche Verantwortung der öffentlich-rechtlichen Anbieter. Wer Kinder hat weiß um den Segen eines KiKa. Was z.B. mit Fritz und Sputnik im Hörfunk erfolgreich funktioniert, sollte doch auch im TV gelingen: junge Zielgruppen erreichen, ohne einfach nur noch lauter, noch schriller, noch platter zu sein als viele Angebote privater Veranstalter.


Video Horst

25.06.2012
!

Na da ist die CDU immerhin konsequent. Die Jungend soll doof sein. Nachdem sie das gesamte Bildungssystem in Sachsen am langem Arm verhungern lässt, darf sich natürlich auch Niemand anderes um geistreiche Grundversorgung kümmern. Wo kämen wir denn hin, wenn alle dritten Programme auf einmal ihren Bildungsauftrag ernst nähmen? Am Ende entsteht noch eine informierte und kritische Gesellschaft. Und die armen Privaten würde bestimmt eine Woche später bankrott gehen. Das muss verhindert werden!


X

Kommentar als bedenklich melden

 
×

Bestätigung

Dieser Kommentar wurde erfolgreich gepetzt.

×

Oooooooooops

Beim Petzen trat ein Fehler auf. Versuchen Sie es bitte noch einmal.

Inhalt konnte nicht geladen werden.