VDZ-Chef Scherzer sieht deutschen Markt im Vorteil: "Große Dynamik mit Paid Content und Bezahl-Apps"

 

Stephan Scherzer (Foto), 47, der im Januar Wolfgang Fürstner als Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) ablöste, glaubt, dass Deutsche eher bereit sind, für Inhalte zu bezahlen als Amerikaner. Im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") sagte er,

Stephan Scherzer (Foto), 47, der im Januar Wolfgang Fürstner als Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) ablöste, glaubt, dass Deutsche eher bereit sind, für Inhalte zu bezahlen als Amerikaner. Im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") sagte er, "dass in Deutschland eine komplett andere Sozialisierung für das Bezahlen von Inhalten bei den Usern existiert und die stabilsten Marken sowohl Anzeigen- als auch Leser-Umsätze aufweisen." In den USA hänge die Branche zu 80% vom Werbemarkt ab.

Scherzer kennt beide Länder sowie Print und Online. Er verbrachte seine berufliche Laufbahn beim IT-Verlag IDG, u.a. als Chefredakteur der "Macwelt", dann als Mitglied der Konzerngeschäftsleitung von IDG Deutschland und Group Publisher der IDG Magazine und zuletzt in San Francisco als Executive Vice President und General Manager. In den USA war er auch für die Online- und Mobile-Strategie von IDG zuständig.

"Fast zu lange gewartet"

"Fast zu lange" hätten deutsche Verlage mit der Einführung von Paid Content, Metered Models (Bezahlschranke nach Abruf einer bestimmten Zahl von Artikeln) oder kostenpflichtigen Apps gewartet. Aber seit 2010 erlebe man eine "große Dynamik".

Von den Print-Kollegen fordert er Lernbereitschaft: "Man muss die digitale Mechanik verstehen", sagt Scherzer der "SZ". Das bedeute vor allem mehr Agilität. Vorbild sei das britische Wirtschaftsmagazin "Economist", das Leser auf digitalen und gedruckten Kanälen bediene.

Journalismus schließt E-Commerce nicht aus

Zudem sieht Scherzer Chancen im E-Commerce. Journalismus schließe E-Commerce nicht aus, wenn er zum Format passe und für den Leser transparent sei, so Scherzer. Einen Online-Shop sieht er beispielsweise als Option für den Auflagenüberflieger "LandLust".

Das Verlage wegen der noch wenig stabilen Digital-Umsätze vor Investitionen in Technik und Redaktionen zurückschreckten, sieht Scherzer als Problem. Denn auch im Print hätte es bei ambitionierten Magazinen manchmal Jahre gedauert, bis diese sich rechneten.

Ihre Kommentare
Kopf

Dieter Cohnen

19.07.2012
!

Wir praktizieren Paid Content seit 1995 - erfolgreich. Warum? Weil wir dafür bestmöglichen Service (der wird besonders begrüsst), exklusiven Inhalt, Verantwortungsbewußtsein gegenüber den LeserInnen UND vor allem KEINE Werbefinanzierung mögen. Und das unseren Kunden auch so erklären. Und "für ohne Werbung" ist man gern bereit zu zahlen. Seit nunmehr 17 Jahren ;-)


Thomas Bauer

Thomas Bauer

TOM-Verlag
Verlagsleiter

19.07.2012
!

Allgemein zugängliche Informationen offen, exklusive, weiterführende Inhalte für Abonnenten nur nach dem Einloggen (oder bei anderen Modellen per view zahlenden Kunden). Sollte aus der Sicht eines wirtschaftlich, im Sinne seiner zahlenden Kunden handelnden, Verlags eigentlich selbstverständlich sein.
Dass das jahrelang von der Mehrheit der Anbieter anders gehandhabt wurde, das hat schon viele Jobs gekostet und macht es nur schwerer, zumindest für Qualität jetzt den nötigen Beitrag zu verlangen.


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