dapd-Boss Vorderwülbecke im Interview: "Die AFP muss sich aus Deutschland zurückziehen"

 

Zwei Monate vor dem Start eines Textdienstes in Frankreich nimmt Martin Vorderwülbecke (Foto), 51, Vorstandschef und Miteigentümer der dapd-Gruppe, den dortigen Platzhirsch, die Agence France Presse (AFP), ins Visier: "Es ist unser Plan, der AFP etwas wegzunehmen", sagte er im Interview mit dem kressreport.

Zwei Monate vor dem Start eines Textdienstes in Frankreich nimmt Martin Vorderwülbecke, 51, Vorstandschef und Miteigentümer der dapd-Gruppe, den dortigen Platzhirsch, die Agence France Presse (AFP), ins Visier: "Es ist unser Plan, der AFP etwas wegzunehmen", sagte er im Interview mit dem kressreport. AFP mache in Frankreich einen Umsatz von schätzungsweise 60 Mio Euro pro Jahr. Davon wolle dapd dem Konkurrenten schnell 10 Mio abnehmen.

Die dapd-Gruppe hat durch den Kauf der Bildagentur Sipa Press, der Web- und Mobile-Agentur Diora News und der französischen Niederlassung von Associated Press (AP) die Voraussetzung für die Expansion nach Frankreich geschaffen (kress.de vom 13. Juli 2012). Vorderwülbecke verspricht für September eine "Hauptstadtberichterstattung" aus Paris, "die von Anfang an die Ressorts Politik, Vermischtes, Kultur und Wirtschaft umfasst". Auch ein Sportangebot sei geplant, und aus dem Ausland wolle dapd auf Basis des AP-Weltdienstes berichten.

In Frankreich seien die Rahmenbedingungen für eine neue Vollagentur günstig, meint Vorderwülbecke: "Anders als in Deutschland gibt es dort im Agenturgeschäft keinen Wettbewerb. Wir haben in Frankreich einen Quasi-Monopolisten in Gestalt der AFP." Der neue Textdienst namens Sipa News soll zwischen 30 und 40% günstiger sein als das Angebot des großen Wettbewerbers. Zum Start will Vorderwülbecke 100 Journalisten beisammen haben.

Rund 40% der AFP-Einnahmen kommen vom französischen Staat: Er bezieht Abos der Agentur. Die dapd hat gegen diese Alimentierung ihres Wettbewerbers 2010 Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt (kress.de vom 24. März 2012). Der dapd-Boss geißelte im Interview mit dem kressreport die Unterstützung vom französischen Steuerzahler erneut als "rechtswidrig": "Wir möchten keine Subventionen, die freie Presse sollte sich davon fernhalten. Die AFP mischt sich in den deutschen Nachrichtenmarkt ein, indem sie ihren deutschsprachigen Dienst betreibt. Würde sich die AFP in Deutschland nicht so exponieren, dann hätten wir uns auch nicht über die Subventionierung der AFP aufgeregt."

"AFP versucht, die Pressefreiheit einzuschränken"

Vorderwülbecke forderte die Franzosen unverblümt dazu auf, ihre deutschen Aktivitäten aufzugeben: Die AFP Paris müsse bei der EU darlegen, wofür sie die Subventionen im Einzelnen brauche. "Die Finanzierung eines deutschen Dienstes wird wohl kaum dazu gehören", meint er. "Wenn die AFP in Frankreich überleben will, muss sie sich aus Deutschland zurückziehen." Die Franzosen sind hierzulande mit der AFP GmbH und dem Sport-Informations-Dienst (SID) aktiv.

Die AFP ist in einigen Fällen juristisch gegen Äußerungen aus dem dapd-Reich vorgegangen oder hat gedroht, das zu tun (kress.de vom 3. Februar 2012). Vorderwülbecke sieht darin einen Anschlag auf die freie Presse: "Es ist eine Tolldreistigkeit, wie diese französische Firma, die von einem ehemaligen Staatsbeamten geleitet wird (gemeint ist Präsident Emmanuel Hoog, die Red.), versucht, in Deutschland die Pressefreiheit einzuschränken und den Wettbewerb durch staatlich subventionierte Berichterstattung zu untergraben."

Das ganze Interview mit Martin Vorderwülbecke lesen Abonnenten im kressreport 15/2012.
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Ihre Kommentare
Kopf

Hartmut Klenke

doc.station Medienproduktion GmbH
Produzent

20.07.2012
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Herr Vorderwülbecke hat ne Vollmeise. Redet von Pressefreiheit und will seine Konkurrenten verbieten. Geht's noch....?


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