Zweite Wiederbelebung des Satire-Klassikers: Wolfram Weimer bringt "Pardon" zurück an den Kiosk

 

Wolfram Weimer, ehemaliger "Welt"-, "Cicero"-, und "Focus"-Chefredakteur und bislang nicht vorrangig als Humorist in Erscheinung getreten, belebt die Satirezeitschrift "Pardon" wieder. "Irgendwann zwischen 11.11. und Nikolaus", so der Verleger, erscheint zunächst eine Jubiläumsausgabe zum 50. Geburtstag des Titels. Künftig könnte er wieder regelmäßig herauskommen.

Wolfram Weimer, ehemaliger "Welt"-, "Cicero"-, und "Focus"-Chefredakteur und bislang nicht vorrangig als Humorist in Erscheinung getreten, belebt die Satirezeitschrift "Pardon" wieder. "Irgendwann zwischen 11.11. und Nikolaus", so der Verleger, erscheint zunächst eine Jubiläumsausgabe zum 50. Geburtstag des Titels. Künftig könnte er wieder regelmäßig herauskommen.

"Ich hatte die Idee dafür schon vor zwei Jahren und bin immer am Ball geblieben", sagt Weimer. Vom Gründungsverleger Hans A. Nikel, der mittlerweile 82-jährig in der Nähe von Frankfurt lebt, sicherte er sich daher die Namensrechte an dem traditionsreichen Titel, der zu seinen Hochzeiten mit einer Auflage von bis zu 320.000 Exemplaren den Muff der Adenauer-Ära konterkarierte und hochkarätige Autoren wie Günter Grass, Hans Magnus Enzensberger und Erich Kästner (als Verfasser des ersten Vorworts) anzog.

"Nikel träumte schon ewig davon, dass jemand die alte Marke wiederbelebt", berichtet Weimer. Dass der Satiriker Bernd Zeller aus Jena genau dies zwischen 2004 und 2007 versuchte und nach vielbeachtetem Start kläglich scheiterte, bremst Weimers Tatendrang nicht. Erneut setzt er auf ein Autoren-Konzept und berichtet von erfolgreichen Gesprächen mit der deutschen Comedy- und Kabarett-Zunft. Harald Schmidt soll dem Vernehmen nach wieder mit an Bord sein. "Wir versammeln die besten Satiriker und zeigen, was die Szene hergibt", verspricht Weimer.

Peter Böhling und Daniel Häuser heuern als Chefredakteure an

Für das "Pardon"-Comeback, das zunächst in einer einmaligen Testausgabe erscheinen soll (Copypreis: rund 5 Euro, Anzeigenpreis: bis 7000 Euro pro Seite), setzt Weimer auch auf die guten Branchenkontakte zweier Münchner: Die beiden "Clap"-Gründer Peter Böhling und Daniel Häuser sind die Köpfe der "Pardon"-Redaktion. "Sie sind die perfekten Chefredakteure für das Vorhaben", lobt Weimer.

Drucken möchte der Magazin-Nostalgiker eine Auflage von 70.000 Exemplaren, ist aber guter Hoffnung,  auch die 100.000er-Flughöhe zu erreichen. Bei entsprechendem Erfolg, könnte "Pardon" wieder häufiger am Kiosk liegen. "Ich habe den Mut, dass daraus ein regelmäßig erscheinendes Heft wird", so Weimer. Den Vertrieb übernimmt die Gruner + Jahr-Tochter DPV. Um Anzeigen kümmert sich Katja von Wedel.

"Pardon" erscheint am ehemaligen "Simplicissimus"-Sommersitz

Kurios ist der Redaktionsort des Titels: Weimer hat dafür das Team des Olaf-Gulbransson-Museums in Tegernsee gewinnen können. Im ehemaligen Wohnhaus des Karikaturisten wurden einst auch Redaktionssitzungen des Satireblatts "Simplicissimus" abgehalten. Offenbar ein inspirierender Ort.

Allerdings setzen Häuser und Böhling weniger auf Nostalgie, sondern stehen für einen neuen Satire-Ton. "Wir versammeln die jüngere Intelligenz", gibt ihr neuer Arbeitgeber Weimer als Devise aus. "Satiriker und Comedians sind sehr erfolgreich im Fernsehen und als Bestseller-Autoren, nur im Magazinbereich gibt's davon kein Abbild", sagt er. Den Krawall-Konkurrenten, der zuletzt mit dem Papst-Titelbild Furore machte, fürchtet er nicht. ",Titanic' steht für die 70er Jahre", so Weimer. "Die nächste Generation von Komikern und Zeichner spricht ein ganz andere Sprache."

Wie viel Humor hat Wolfram Weimer?

Spannend bleibt die Frage, wie viel Humor Weimer selbst aufbringt. Zuletzt hatte der als wertkonservativ geltende Autor die Politschrift "Heimspiel - Eine alternativlose Realsatire" als Buch herausgebracht. Zudem schreibt er Kolumnen für die "ADAC Motorwelt", die nun nicht als Leitmedium der Spaßgesellschaft gilt. Bei "Pardon" möchte Weimer sich journalistisch eher im Hintergrund halten. "Kann sein", sagte er auf die Frage, ob er selbst schreiben werden. "Wenn dann eher etwas Kleineres."

Ihre Kommentare
Kopf
Thomas Bauer

Thomas Bauer

TOM-Verlag
Verlagsleiter

25.07.2012
!

Als Focus-Chefredakteur hat er doch Realsatire pur (kennen) gelernt.


Ralf E. Hansen

Ralf E. Hansen

Medienconsulter
Consulter Medien & Entertainment

25.07.2012
!

das stimmt Herr Bauer. Vielleicht übernehmen Sie den Bereich "socialmedia" ?


Kurt Wail

25.07.2012
!

"Erneut setzt er auf ein Autoren-Konzept und berichtet von erfolgreichen Gesprächen mit der deutschen Comedy- und Kabarett-Zunft."
Na wenn ich da an den gebotenen Comedy-Stumpfsinn im Fernsehen denke, lasse ich schön die Finger von dem Blatt.

Auch gut: "...,Titanic' steht für die 70er Jahre", so Weimer. "Die nächste Generation von Komikern und Zeichner spricht eine ganz andere Sprache." Ach so! Und was macht dann Harald Schmidt "...mit an Bord."?


Achim

25.07.2012
!

Harald Schmidt hat seine beste Zeit lange hinter sich gelassen. Lustig, das mag er vielleicht mal gewesen sein, das weiß man nie bei einem, der für seine Gags in seiner Show Autoren brauchte.


Kurt Tucholsky

27.07.2012
!

Ein ehemaliger "Welt"-, "Cicero"-, und "Focus"-Chefredakteur will ein Satire-Magazin herausbringen, unterstellt Dieter Nuhr "anspruchsvollen Witz" und hat u. a. die Kulturbetriebsnudel Hellmuth Karasek als Autoren gewonnen.

Das ist doch bestimmt wieder ein Scherz von Martin Sonneborn, oder?


Roswitha Schäfer

30.07.2012
!

Na, auf jeden Fall wird Herr Weimer wohl überall genügend "Abfindung" kassiert haben, um sich das "Experiment" leisten zu können. Wenn ich den Namen "Nuhr" höre, renne ich schon davon. Und Karasek - ? Ach so, die junge, frische Intelligenz! Ist doch schon alles Real-Satire...was brauchts da noch'n PARDON...reloaded..Trotzdem, man darf gespannt sein. Sicher wieder lauter "junge"..haha...Männer...dabei..


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