Klambt-Neustart "Flair" im kress-Check: Großen Tönen folgen große Taten

 

Große Töne zu spucken, gilt als branchenüblich. Den Ankündigungen auch tatsächlich große Taten folgen zu lassen, meist weniger. "Das Heft wird wirklich einschlagen", gab Chefredakteur und "Flair"-Entwickler Klaus Dahm vor Erscheinen gegenüber kress selbstbewusst zu Protokoll. Die den Anzeigenkunden garantierte 100.000 Hefte vom Start weg auch tatsächlich zu verkaufen, sei für ihn selbstverständlich. Jetzt liegt der Neustart am Kiosk.

Große Töne zu spucken, gilt als branchenüblich. Den Ankündigungen auch tatsächlich große Taten folgen zu lassen, meist weniger. "Das Heft wird wirklich einschlagen", gab Chefredakteur und "Flair"-Entwickler Klaus Dahm vor Erscheinen gegenüber kress selbstbewusst zu Protokoll. Die den Anzeigenkunden garantierte 100.000 Hefte vom Start weg auch tatsächlich zu verkaufen, sei für ihn selbstverständlich. Jetzt liegt der Neustart am Kiosk.

Zum Verkaufen gehört nicht nur in der Medienbranche immer das Trommeln, sondern auch die Dreistigkeit, kühn zu behaupten, man hätte tatsächlich etwas ganz Neues geschaffen, auf das der Markt (in diesem Fall die hoffentlich etwas betuchteren Leserinnen) tatsächlich warten würden. Klaus Dahm hat es mit der Faustformel probiert, einfach mal die eingefahrenen Segmente Mode- und Einrichtungs-Stilfibel zu kombinieren. Die Formel "Eins und Eins ergibt mehr als Zwei" geht tatsächlich auf - vor allem weil "Flair" mutig genug ist, doch deutlich mehr zu sein als ein Konzept vom Reißbrett.

Frontalangriff auf Spitzentitel der "Elle"-, "Madame"- und "Vogue"-Liga

Wie bei edlem guten Rindfleisch gilt auch für die Neuentwicklung, die zwar den eingeführten Mondadori-Lizenznamen tragen muss, von dessen abgeliebelten, muffigem "Flair"-Klang man sich aber etwa nicht abschrecken sollte: Je länger es hängt, desto besser. Immerhin hatte der Editorial Director vom Klambt-Schwestertitel "Grazia" sein "Flair"-Konzept schon erfolglos Gruner + Jahr, Burda und der MVG angeboten. Jetzt scheint die Zeit gereift, erfolgreich Platzhirsche wie "Elle", "Elle Decoration", "Madame", den jungen, thematisch nicht ganz unähnlichen G+J-Spross "Couch" oder sogar "AD" und die "Vogue" anzugreifen.

Was an "Flair" gefällt, ist offensichtlich: Es ist ein mit Liebe zum Detail durchkomponiertes 230-Seiten-Stück, das wenigstens in der Startausgabe kein Papier schindet. Gegliedert in die naheliegenden Frauen-Ressorts "Fashion", "Home", "Beauty", "Culture Clube" und die weniger zwangsläufigen "360°" und "Zeitgeist" bietet das Magazin all das, was ein Portrait mal wieder völlig zurecht der grandiosen Schauspielerin Rachel Weisz andichtet: Auch das Heft trägt - sinngemäß - Züge eines hochgradig begehrlichen "Sexsymbols" für denkende Menschen.

Texte, die nicht nur intelligent sein wollen, sondern sich auch gut lesen

Das liegt nicht ausschließlich an den tollen Fotos, die Modestrecken ebenso gekonnt aufleben lassen wie die Interieurs von den üblichen unerreichbaren Traumvillen auf Mallorca, im Meatpacking District oder auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán. Tatsächlich leistet sich "Flair" den nicht immer branchenüblichen Luxus, auch Texte einzustreuen, die es nicht nur behaupten, sondern die auch tatsächlich intelligent geschrieben sind.

So distanziert sich die "Wir Alphamädchen"-Co-Autorin Meredith Haaf vergleichsweise mutig von ihren alten, allzu steilen Feminismus-Riot-Thesen. Stephen Marche legt eine Facebook-Analyse vor, die sich zurecht "Essay" nennen darf und die auch in allgemein anspruchsvollen Blättern gut Platz gefunden hätte. Selbst Robert Pfallers philosophischen Pfaden über den hedonistischen Mut zum Glücklichsein kann man folgen, ohne plump über High Heels zu stolpern.

Alles in allem: "Flair" hat deutlich mehr Flair als das etwas abgegriffene Modewort von gestern vermuten lassen würde. Und ein Heft, das man beim ersten Mal gerne und durchaus etwas länger durchliest, hat schon mal vieles richtig gemacht.

Ihre Kommentare
Kopf
Weitere Beiträge zu diesem Thema
Inhalt konnte nicht geladen werden.