"Prekäre Lage" beim "Handelsblatt": "FTD" schießt zurück

30.08.2012
 

Die "FTD" hat am Mittwoch das ungewöhnliche Angebot von "Handelsblatt"-Chefredakteur Gabor Steingart an die "FTD"-Leser zwar nicht kommentiert, schießt aber jetzt mit Hilfe einer anderen Meldung zurück. Der Medienmanager Michael Grabner hatte in einem Interview mit der Fachzeitschrift "Der Wirtschaftsjournalist" gesagt, dass die Zeitung "Handelsblatt" alleine rote Zahlen schreibe.

Die "Financial Times Deutschland" (Gruner + Jahr Wirtschaftsmedien) hat am Mittwoch das ungewöhnliche Angebot von "Handelsblatt"-Chefredakteur Gabor Steingart an die "FTD"-Leser zwar nicht kommentiert, schießt aber jetzt mit Hilfe einer anderen Meldung zurück. Der Medienmanager Michael Grabner hatte in einem Interview mit der Fachzeitschrift "Der Wirtschaftsjournalist" gesagt, dass die Zeitung "Handelsblatt" alleine rote Zahlen schreibe. Grabner gilt als enger Vertrauter des "Handelsblatt"-Verlegers Dieter von Holtzbrinck.

Die "FTD" nimmt diese Vorlage dankend auf und legt nun ihrerseits den Finger in die Wunde: "bislang hatte die Handelsblatt-Führung die prekäre Lage stets verneint", "ob die wirtschaftliche Lage und Grabners öffentliches Eingeständnis Folgen für die Redaktion und damit die journalistische Qualität haben ist unklar". Zudem hat die "FTD" im Impressum von "Handelsblatt Online" nachgezählt, dass dort nur 23 Journalisten tätig seien - Schlussfolgerung: die angekündigte Online-Offensvie verlaufe offensichtlich nicht wie geplant. Am Ende wird noch Steingart abgewatscht: Offenbar zwinge die angespannte wirtschaftliche Lage den Verlag bereits zu ungewöhnlichen Mitteln: Um seiner Vertriebstruppe zur Seite zu springen, hätte der Chefredakteur des "Handelsblatt" am Mittwoch eine Massen-E-Mail mit einem persönlichen Angebot verschickt.

Rund tausend haben Steingarts Angebot angenommen

Steingart hatte in seinem "Handelsblatt Morning Briefing"-Newsletter ebenfalls das Wort "prekär" im Zusammenhang mit dem Rivalen genannt: "Ich will sie nicht zum Wechseln ermuntern, auch um die prekäre Lage unseres Wettbewerbers nicht zu verschärfen." An diesem Donnerstag schreibt Steingart in seiner Morgen-Mail nun, rund tausend hätten bei dem Angebot - "100 Tage kostenlos das "Handelsblatt" - beherzt zugegriffen. 

Zurück zum Interview mit Michael Grabner: Er erklärte im Gespräch mit "Wirtschaftsjournalist"-Chefredakteur Markus Wiegand auch, dass sein Haus kein Interesse an der "Financial Times Deutschland" habe. Zwei Titel in einem überschaubaren Marktsegment zu führen, davon halte er überhaupt nichts. Auch lehnt Grabner es ab, die "FTD" zu kaufen und einzustellen: Das sei nun wirklich kein Konzept. Grabner kritisiert auch die Zusammenlegung von unterschiedlichen Redaktionen zu einer großen Einheit: "Ich bin sicher, dass Gruner + Jahr sehr genau überlegen wird, wie sie die Wirtschaftspresse künftig steuern werden, und auch, ob das Zusammenlegen der Redaktion wirklich ein Erfolg ist. Ich hätte das nicht gemacht. Als Wirtschaftsmedium sind Sie kein Autohersteller, der einfach mehrere Marken auf ein Chassis baut. Medienmarken müssen ein kreatives Eigenleben führen. Das spürt auch der Nutzer."

Ihre Kommentare
Kopf

Social Punk

30.08.2012
!

Wir sind heute auch noch auf ein Facebook-Posting der FTD gestoßen, dass uns zu einem Blog-Eintrag veranlasst hat. In dem Posting fragt die FTD ganz offen, ob Deutschland tatsächlich mehr als eine Wirtschaftszeitung bräuchte... Nachzulesen unter: http://tinyurl.com/c4jklxd


Social Punk

30.08.2012
!

Der von uns zum Anlass genommene Facebook-Eintrag der FTD wurde von den Machen inzwischen offenbar "verborgen".

In der Zwischenzeit haben wir uns beide - Handelsblatt und FTD (Print, Online + Facebook) - im Detail angeschaut und den Vergleich in einigen Diagrammen aufbereitet: http://tinyurl.com/9gjn55c


Social Punk

30.08.2012
!

Der Schlagabtausch geht in die nächste Runde: http://tinyurl.com/d8reo9q

Das Handelsblatt dementiert, in die roten Zahlen gerutscht zu sein. Und schreibt auf Facebook, als Handelsblatt-Journalisten halte man sich an die Wahrheit.


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