Bertelsmann-Halbjahreszahlen: Gruner + Jahr verzeichnet Gewinneinbruch

31.08.2012
 

Bertelsmann hat am Freitagvormittag seine Halbjahreszahlen bekannt gegeben. Bei der gerade viel diskutierten Zeitschriftentochter Gruner + Jahr ist das Ergebnis kräftig zusammengeschmolzen: das Operating EBIT betrug 85 Mio Euro, nach 124 Mio Euro im ersten Halbjahr 2011. Grund sei ein deutlicher Rückgang der Anzeigenmärkte. Den Umsatz konnte G+J stabil halten.

Bertelsmann hat am Freitagvormittag seine Halbjahreszahlen bekannt gegeben. Bei der gerade viel diskutierten Zeitschriftentochter Gruner + Jahr ist das Ergebnis zwischen Januar und Juni kräftig zusammengeschmolzen: das Operating EBIT betrug 85 Mio Euro, nach 124 Mio Euro im ersten Halbjahr 2011. Die Entwicklung sei im wesentlichen auf einen deutlichen Rückgang der Anzeigenmärkte für Publikumszeitschriften in Deutschland und anderen europäischen Ländern zurückzuführen, heißt es in Gütersloh. Darüber hinaus hätten sich unter anderem verstärkte Investitionen in die beschleunigte digitale Transformation der Inhalte- und Vermarktungsangebote sowie in das weltweit angelegte digitale Projekt "House of Content" ergebnismindernd ausgewirkt.

Den Umsatz konnte Gruner + Jahr, an dem Bertelsmann mit 74,9% beteiligt ist, stabil halten. Er betrug nach sechs Monaten 1,1 Mrd Euro (H1 2011: 1,1 Mrd. Euro). In Deutschland seien die Vertriebserlöse nahezu stabil geblieben, auch aufgrund von Launches neuer Titel und Line Extensions. In der Digitalvermarktung konnte G+J den Angaben zufolge insbesondere durch die fortgeführte Internationalisierung der EMS-Töchter Ligatus und Adyard einen Umsatzanstieg verzeichnen. Das internationale Geschäft entwickelte sich weiterhin uneinheitlich: Frankreich, Spanien und Österreich konnten das Umsatz- und Ergebnisniveau des Vorjahres aufgrund schwacher Anzeigenmärkte nicht halten. Dagegen verzeichneten die Geschäfte in den Niederlanden, China und Indien weiterhin deutliches Umsatzwachstum. Die Druckgeschäfte der US-Gesellschaft Brown Printing legten im Berichtszeitraum bei Umsatz und Ergebnis zu. Das Dresdner Druck- und Verlagshaus habe die sehr gute Performance des Vorjahres im Umsatz noch einmal übertroffen und das Ergebnis auf hohem Niveau stabil gehalten.  

Der Gewinneinbruch dürfte die Mitglieder der Hamburger Verlegerfamilie Jahr  bekräftigen, ihren 25,1%-Anteil an G+J möglichst schnell gegen Bertelsmann-Anteile zu tauschen (kress.de vom 23. August 2012). Dem Vernehmen nach soll es beim dem Deal nur noch darum gehen, wieviel die Jahrs vom Bertelsmann-Kuchen bekommen. Gruner+Jahr-Chef Bernd Buchholz hat am Mittwoch sein Vorstands-Mandat bei Bertelsmann abgegeben: Dies mache vor der Hintergrund der Halbjahreszahlen Sinn, schreibt Kai-Hinrich Renner im "Hamburger Abendblatt". Hätte Buchholz diesen Schritt erst nach deren Bekanntgabe vollzogen, wäre dies einem Schuldeingeständis nahe gekommen. 

Bertelsmann profitiert von Random-House-Erotik-Bestseller 

Trotz des unschönen Ergebnisses bei G+J hat der Medienkonzern Bertelsmann das erste Halbjahr mit einem Umsatz- und Gewinnplus abgeschlossen und seine Prognose für 2012 bekräftigt. Die Entwicklung im ersten Halbjahr verlief insgesamt positiv", sagte der neue Konzernchef Thomas Rabe. Der Umsatz kletterte um fünf Prozent auf 7,6 Mrd Euro. Operativ ging der Gewinn zwar leicht auf 731 Mio Euro (H1 2011: 739 Mio Euro) zurück, unter dem Strich verbesserte sich das Ergebnis jedoch um 31% auf 353 Mio Euro. Bertelsmann begründete dies unter anderem mit dem operativen Rekordergebnis der Buchtochter Random House. Das erhöhte sich deutlich auf 113 Mio Euro (H1 2011: 69 Mio Euro). Ein spektakulärer verlegerischer Erfolg gelang Random House mit der Rekorde brechenden Erotik-Trilogie "Fifty Shades" von E L James, von deren Titeln die englischsprachigen Verlage zwischen März und Juni weltweit mehr als 30 Mio Exemplare verkauften.

Der größte Gewinnbringer des Konzern, die RTL Group, erlebte ein weniger glückliches erstes Halbjahr. Das Operating Ebit sank von 545 Mio Euro auf 498 Mio Euro. Der Umsatz kletterte von 2,75 Mrd Euro auf 2,81 Mrd Euro. Die Umsätze seien vor allem bei der Mediengruppe RTL Deutschland sowie bei der  Produktionstochter Fremantle Media gewachsen. Der deutsche TV-Werbemarkt wies im Berichtszeitraum als einziger leichtes Wachstum aus. Die übrigen Werbemärkte, insbesondere in Süd- und Osteuropa, waren nach Bertelsmann-Angaben rückläufig. Auch beim operativen Ergebnis verzeichneten die deutschen RTL-Sender ein Plus (kress.de vom 23. August 2012). Die gesunkenen Werbeumsätze in den meisten anderen Ländern, Margendruck bei Fremantle Media und Portfolioeffekte führten jedoch zu einem insgesamt niedrigeren Operating EBIT.

"Für das Gesamtjahr rechnen wir unverändert mit einem moderaten Umsatzwachstum, einem weiterhin hohen Operating Ebit und einem im Vergleich zum Vorjahr höheren Konzernergebnis", erklärte Rabe.

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