ARD über den Jauch-Herausforderer: "Raabs Talkshow-Konzept ist abwegig"

10.09.2012
 

Die ARD schüttelt den Kopf über den von Stefan Raab geplanten Politik-Talk auf ProSieben: "Das Konzept Mehrheitsmeinungen mit Geldprämien zu belohnen, halten wir für abwegig", sagte ARD-Chefredakteur Thomas Baumann der dapd.

Die ARD schüttelt den Kopf über den von Stefan Raab geplanten Politik-Talk auf ProSieben: "Das Konzept Mehrheitsmeinungen mit Geldprämien zu belohnen, halten wir für abwegig", sagte ARD-Chefredakteur Thomas Baumann der dapd. "Es besteht die Gefahr, dass Diskutanten einer vermuteten Mehrheitsmeinung hinterherhecheln."

Raabs Talkshow startet am Sonntagabend, 11. November nach dem ProSieben-Spielfilm. Damit tritt Raab gegen die Talkrunde von Günther Jauch im Ersten an. Dazu Baumann: "Auch wenn Herr Raab nur einmal monatlich anzutreten beabsichtigt, wir nehmen die Herausforderung an." Bei Gesprächssendungen im Ersten gelte weiter: Es zählten nur persönliche Standpunkte und die Kraft der vorgetragenen Argumente. Dazu bilde sich das Publikum seine Meinung. "Das ist unsere 'Währung'."

"Günther Jauch" ist bislang die erfolgreichste politische Talkshow bei den Zuschauern in der Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen: 0,92 Mio schalten in der Zielgruppe durchschnittlich ein - ein Marktanteil von 7,2%. "Herr Jauch hat in unseren Zielgruppen einen recht überschaubaren Marktanteil. Wir wollen ihn da natürlich schlagen", kündigte Stefan Raab in einem Interview mit dem "Spiegel" an. Man dürfe politische Gesprächsrunden nicht den öffentlich-rechtlichen Sendern überlassen.

Bei Raabs neuer Show sollen fünf Gäste - drei Berufspolitiker, ein Promi und ein Normalbürger - im Laufe von eineinhalb Stunden über insgesamt vier gesellschaftlich relevante Themen debattieren. Gastgeber ist Raab, ProSiebenSat.1-Nachrichtenchef Peter Limbourg analysiert das Geschehen nach jedem Thema. Zugleich dürfen die Zuschauer anrufen und werten, wer ihnen am besten gefallen hat. "Ob die nach Sympathie abstimmen oder nach der Stichhaltigkeit der Argumente, ist uns egal", sagt Raab.

Wer von den fünf Talkgästen nach dem zweiten Thema die wenigsten Stimmen hat, soll "rausfliegen". Beim letzten Thema seien dann noch drei übrig. Raab erklärt: "Sollte am Ende einer die absolute Mehrheit der Zuschauerstimmen auf sich vereinen, kriegt er 100.000 Euro Gewinn - oder nennen wir's besser Ehrensold." Deshalb heiße auch die ganze Show "Absolute Mehrheit" - Untertitel "Meinung muss sich wieder lohnen."

Raab: "Das Publikum ist nicht doof"

Dass - wie von ARD-Chefredakteur Thomas Baumann befürchtet - nicht das beste Argument gewinnt, sondern die frechste Inszenierung, bezweifelt Raab. Das Publikum sei nicht doof. "Das hat ein gesundes Empfinden für Leistung, Meinung und Echtheit von Menschen, wenn Sie so wollen."

Ihre Kommentare
Kopf

AKS

10.09.2012
!

Da kann die ARD den Kopf schütteln, solange sie will: Wenn die "Meinungs-Gewinner" der Show ihren "Ehrensold" - und zumindest die Berufspolitiker sollten dieses tun! - dann hinterher in den Dienst der guten Sache stellen und als Spende umverteilen, schreibt Raab vermutlich mal wieder deutsche TV-Geschichte... Und kaum ein Politiker kann es sich entgehen lassen, auf so direkte Weise mal etwas für sein Wahlvolk zu tun!


Sebastian Züger

10.09.2012
!

Logisch, dass Herr Baumann dieses Konzept "abwegig" findet. "Schlag den Raab" hatte allenfalls im Randgruppensender Pro7 eine Chance, das Konzept wäre in der Innovationsflut der ARD schlichtweg untergegangen. Freuen wir uns also weiter auf Showrevolutionen im Ersten und seinen Regionalprogramm. Ganz bestimmt ist noch irgendwo Platz für eine weitere Talk- oder Chartshow.


TST

10.09.2012
!

Da scheint der ARD-Chefredakteur Thomas Baumann aber die Wesenszüge der meisten Politiker noch nicht eingehender reflektiert zu haben. Oder was glaubt er, was diese bei den üblichen Talk-Shows anderes machen als der "vermuteten Mehrheitsmeinung hinterherzuhecheln"!? Der Sieger bei Stefan Raab sollte daher hinterher von den großen Parteien wenigstens einen Jahres-Vertrag angeboten bekommen, so wie bei anderen Casting-Shows auch.


Oskar Siebert

10.09.2012
!

DANKE Stefan, endlich kommt auch das Volk zum Wort. DANKE
Erzengel „Gabriel“ rettet die Rentner?
So kann man die Frage stellen, wenn um die Diskussion zwischen der Frau „Arbeitsministerin“ Von der Leyen und dem SPD – Chef Sigmar Gabriel geht.
Über den steigenden Altersarmut und die soziale Ausbeutung der Rentner diskutieren gerade die, die sich über ihre Altersvorsorge keine Sorgen machen müssen. Vor dem Altersarmut bewahrt uns nicht der Erzengel Gabriel, sondern eine solidarische Rentenpolitik


Leslie

10.09.2012
!

Den Satz finde ich gut: "Es besteht die Gefahr, dass Diskutanten einer vermuteten Mehrheitsmeinung hinterherhecheln." Was machen die Politiker denn jetzt in den Shows? Fängt damit an, dass sie sofort lächeln, wenn sie merken, die Kamera ist nah auf dem Gesicht. Deshalb hat die ARD keine vernünftige Show in dieser Richtung, weil alles gleich abgeblockt wird. "Meckern kann man nach der ersten Show" sag ich immer. Aber wie ich Raab kenne, wird das ein Erfolg.


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