Bertelsmann-Boss Rabe spricht Klartext: "Wir wollen Gruner + Jahr behalten"

14.09.2012
 

Bertelsmann-Boss Thomas Rabe hat sich in einem "FAZ"-Interview ausführlich zu heiklen Themen wie G+J-Zukunft, Börsengang und Buchholz-Abgang geäußert: Vorstand Bernd Buchholz habe die Bertelsmann-Brücke verlassen wegen der öffentlichen Darstellung seiner Person in einem Zeitschriftenartikel. Zur Zeitschriftentochter bekennt sich Rabe: "Wir wollen Gruner + Jahr behalten."

Bertelsmann-Boss Thomas Rabe hat sich in einem Interview mit der "FAZ" (Freitagsausgabe) erstmals ausführlich zu heiklen Themen wie Gruner+Jahr-Zukunft, Börsengang und Buchholz-Abgang geäußert: Vorstand Bernd Buchholz habe die Bertelsmann-Brücke verlassen wegen der öffentlichen Darstellung seiner Person in einem Zeitschriftenartikel. "Unüberbrückbare Differenzen hatten wir nicht", sagt Rabe. Buchholz sei eben auf diese Weise damit umgegangen. Dass die von Buchholz gewünschte und von Rabe abgeblasenen Übernahme eines britischen Marktforschungsunternehmen zu einem Vertrauensbruch geführt hätte, bestreitet Rabe. Bertelsmann habe sehr klare Kriterien für neue Geschäfte. "Nach intensiver Befassung im Rahmen einer üblichen Kaufpreisprüfung waren diese Kriterien bei diesem Investment nicht erfüllt."

Dann kommt Rabe auf die Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr zu sprechen, wo der bisherige Boss Bernd Buchholz durch ein Führungstrio ersetzt wurde: "Das Zeitschriftengeschäft steht vor großen Herausforderungen, und auf diese Kernaufgabe soll sich Gruner + Jahr künftig konzentrieren." Alle Mittel, die dafür erforderlich seien, würden die Gesellschafter auch zur Verfügung stellen. Rabe sagt, dass er vollstes Vertrauen habe, dass die neue Dreier-Spitze aus Julia Jäkel, Torsten-Jörn Klein und Achim Twardy Gruner + Jahr dort die richtigen Impulse geben würde.

Gruner + Jahr hat laut Rabe vor allem im Digitalgeschäft "noch eine gewisse Wegstrecke vor sich": "Wenn ich mir unsere Buch-, Fernseh- und Dienstleistungsgeschäfte vor Augen führe, kann ich den digitalen Transformationspfad und Geschäftsmodelle mit profitablen Erlösen sehr klar erkennen. Das ist im Zeitschriftengeschäft noch nicht der Fall", erklärt Rabe. Das sei aber kein spezifisches Problem von Gruner + Jahr, sondern ein Branchenphänomen. Vom neuen G+J-Vorstand erwartet Rabe, dass er sich diesen Aufgaben stelle. Auch ob die "FTD" in ein reines Online-Medium verwandelt werde, habe der G+J-Vorstand zu entscheiden.

Auf die Frage, warum Bertelsmann, das 74,9% an G+J hält, auch noch die restlichen 25,1% der Familie Jahr übernehmen möchte, antwortet Rabe: "Ein Minderheitsgesellschafter hat meist ein Auge darauf, dass das Geschäft eine gewisse Eigenständigkeit bewahrt. Die Frage ist allerdings, ob das für Gruner + Jahr in Zeiten der Medienkonvergenz noch der richtige Weg ist." Und weiter: "Eine engere Zusammenarbeit mit anderen Konzernteilen wie der RTL Group oder unserer Buchverlagsgruppe Random House wäre einfacher, wenn der Verlag zu 100% Bertelsmann gehörte." Die Motivation für eine mögliche Aufstockung der Anteile sei nicht, den Verlag zu verkaufen. "Wir wollen Gruner + Jahr behalten."

Für die Mitte der Woche bei einem Führungskräftetreffen vorgestellte Bertelsmann-Wachstums-Strategie würde zusätzliches Eigenkapital in Milliardenhöhe benötigt. Wo es herkommen soll? "Ein Börsengang - ob auf Ebene der Dachgesellschaft oder der Untergesellschaften - war stets nur eine von vielen Optionen, das haben wir von Anfang an so gesagt, und das hat auch nach wie vor Gültigkeit. Klar ist aber: Die Familie (Mohn) möchte Herr im eigenen Haus bleiben. Das ist ihr gutes Recht." Für Rabe ist entscheidend, dass Bertelsmann zusätzliches Eigenkapital bekommt: "Denn das ist zwingend notwendig für den Umbau des Konzerns. Hier herrscht im Kreis von Eigentümern, Aufsichtsrat und Vorstand Einigkeit." Eine mögliche Option sei zum Beispiel Aktien der börsennotierten RTL-Gruppe zu verkaufen.

Rabe verrät in dem Interview mit der "FAZ" auch, den Erotik-Bestseller "Fifty Shades of Grey" - der "bombastischer Erfolg" von Random House - gelesen zu haben: "Ich bin da frei von Berührungsängsten." Man habe "Fifty Shades" beim Management-Meeting präsentiert "als leuchtendes Beispiel dafür, dass Medienunternehmen im digitalen Zeitalter nicht nur mit starken Inhalten, sondern auch mit ihrer Marketingkraft eine große Rolle spielen."

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