Presserat mahnt Journalisten zur Sorgfalt: "Soziale Netzwerke sind kein Selbstbedienungsladen"

19.09.2012
 

Im laufenden Jahr 2012 haben zwei Veröffentlichungen Beschwerdewellen beim Deutschen Presserat ausgelöst: Das "Titanic"-Titelbild vom Juli, das den Papst mit befleckter Soutane zeigt und die Kolumne "Post von Wagner" zur Homo-Ehe in der "Bild", erschienen im August. Insgesamt reichten 250 Leser ihre Kritik ein.

Im laufenden Jahr 2012 haben zwei Veröffentlichungen Beschwerdewellen beim Deutschen Presserat ausgelöst: Das "Titanic"-Titelbild vom Juli, das den Papst mit befleckter Soutane zeigt und die Kolumne "Post von Wagner" zur Homo-Ehe in der "Bild", erschienen im August. Insgesamt reichten 250 Leser ihre Kritik ein. Beide Fälle werden auf der Tagesordnung der nächsten Beschwerdeausschuss-Sitzungen stehen, kündigte der Deutschen Presserat bei seiner Jahrespressekonferenz an.

Die Zahl der Beschwerden 2012 werde daher im Vergleich zum Vorjahr voraussichtlich leicht ansteigen. Schon 2011 war für den Presserat ein beschwerdereiches Jahr. 1.323 Leser wandten sich an die Freiwillige Selbstkontrolle der Presse, um sich über Beiträge in Zeitungen, Zeitschriften oder deren Online-Ablegern zu beschweren. Größter Aufreger war die Berichterstattung zum Tod des libyschen Diktators Gaddafi.  2010 - im Jahr des Loveparade-Unglücks - lag die Beschwerdezahl noch bei 1.661 Fällen - das ist Rekord.

"Nicht alles, was verfügbar ist, darf auch veröffentlicht werden"

Zunehmend ärgern sich Menschen über den Umgang der Medien mit sozialen Netzwerken: Der Deutsche Presserat erhalte immer häufiger Beschwerden, bei denen Leser die Verwendung von Fotos und Informationen aus sozialen Netzwerken wie FacebookXingstudiVZ kritisieren. Hierbei gehe es um grundlegende Fragen der Recherche und der Veröffentlichung von Informationen. "Grundsätzlich gehört die Recherche in sozialen Netzwerken zum legitimen journalistischen Handwerkszeug. Soziale Netzwerke sind jedoch kein Selbstbedienungsladen. Mit den Inhalten muss sorgsam umgegangen werden", sagt Presserats-Sprecherin Ursula Ernst.

Die ethischen Grenzen der Recherche würden in Ziffer 4 des Pressekodex klar umrissen. Grenzen existierten im nächsten Schritt auch für die Veröffentlichung von privaten Informationen aus sozialen Netzwerken. Ursula Ernst dazu: "Nicht alles, was verfügbar ist, darf auch ohne Einschränkung veröffentlicht werden. Denn die eigene Darstellung, z. B. in einem Facebook-Profil, bedeutet nicht zwingend eine 'Medienöffentlichkeit'. Journalisten müssen bei der Veröffentlichung sorgfältig abwägen, welches Interesse überwiegt: Das Recht der Öffentlichkeit auf Information oder das Recht einer Person auf den Schutz des Privatlebens."

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Kopf

KFR

19.09.2012
!

ganz einfach !
Stellen sie Ihre eigenständigen Veröffentlcihungen unter Copyright und Vorbehalt der Zustimmung zur Verwendung; ( Schadenersatz-forderungen gegen Google twitter, FB etc dürften zwischenzeitig in die Milliarden gehen ! ).


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