"Add a Friend" im kress-Check: Fernsehen im Laptop-Format

 

Es ist der charmanteste Langzeit-Werbeclip für ein soziales Netzwerk, das man fast schon wieder vergessen hätte: In der ersten fürs deutsche Pay-TV eigenproduzierten Serie "Add a Friend" (TNT Serie) hält Ken Duken über Google+ den Kontakt zum Rest der Welt aufrecht.

Es ist der charmanteste Langzeit-Werbeclip für ein soziales Netzwerk, das man fast schon wieder vergessen hätte: In der ersten fürs deutsche Pay-TV eigenproduzierten Serie "Add a Friend" (TNT Serie) hält Ken Duken über Google+ den Kontakt zum Rest der Welt aufrecht.

Ein schicker Mac als Fenster zur Außenwelt

Nach einem Autounfall, bei dem Fotograf Felix (Duken) von einem Fahrerflüchtigen am Zebrasteifen niedergemäht wurde, wacht der junge Mann im Krankenhaus wieder auf - und muss nach und nach das Geschehene rekonstruieren, aber auch sein zerrüttetes Privatleben kitten. Dabei hilft ihm ein Laptop-Mac, dem ihm sein Angeberfreund Tom (großartig schmierig: Friedrich Mücke), ein durchtriebener Investmentbanker, aufs Krankenlager geschickt hat.

Felix blickt also viel Zeit in eine Art Aquarium, in dem  sonderbare "Fische" wie seine sexuell frustrierte Mutter (Gisela Schneeberger), sein polternder Dad (Dieter Hollinderbäumer), aber natürlich auch eine alte Jugendliebe (Friederike Kempter) sowie ein mysteriöse Teenie-Verführerin (Emilia Schüle) ihre Kreise ziehen.

Bei Licht betrachtet lässt Comedy-Spezialist Tobi Baumann ("Der Wixxer", "Vollidiot", "Ladykracher") nicht viel mehr als sprechende Köpfe vor Computer-Monitoren filmen. Über Video-Chats wird in der "Dramedy"-Serie, die geschickt auch Bitterstoffe unter den Comedy-Brei rührt, geflirtet, geflunkert und ganz schon viel gelogen.

Fernsehen wie aus dem Schuhkarton, aber mitreißend

Es liegt an den pointierten Dialogen von Sebastian Wehlings und Christian Lyra, dass der Erzählstrom in den 25-minütigen Mini-Episoden nicht allzu schnell verflacht. Man sieht der Serie schnell gerne zu - und blendet ebenso rasch die spartanische Szenerie mit eigentlich nur zwei Studiomotiven aus. Außerdem bleibt man mit großartigen Darstellern - darunter auch Nebenfiguren wie "Tatort"-Brummbass Martin Brambach als zynischer Stationsarzt oder Ralph Herforth als fiese Möpp - quasi auf Augenhöhe. 

Wiedemann & Berg hat den Folgeauftrag bereits in der Tasche

Ein wenig dick trug Quirin Berg von der "Add a Friend"-Produktionsfirma Wiedemann & Berg Television allerdings schon auf, als er sich anlässlich der Münchner Vorabpremiere selbst auf die Schulter klopft. "Im Pay-TV hat man ganz andere Möglichkeiten, Neuland zu betreten", sagte er. "Man kann unkonventioneller an die Erzählsprache und die Umsetzung gehen, und das ist für uns natürlich eine spannende Herausforderung." Man kann natürlich auch sagen: "Add a Friend" kam mit beschneidenen Mitteln durchaus originell zurecht. Dem Sehvergnügen tut dies ohnehin keinen Abbruch. 

Auftraggeber Hannes Heyelmann, unter anderem auch Geschäftsführer von TNT Serie, sieht das offenbar längst so: Schon vor Ausstrahlung der ersten von zehn Episoden am Mittwoch, 19. September um 20.15 Uhr, gab er gleich mal eine zweite Staffel in Auftrag.

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