"Yps"-Neustart im kress-Check: Vom verspielten Sympathiebonus

 

Mindestens 48 Stunden musste man einst wartend auf das Wasserglas starren, bis man endlich was von den mysteriösen Urzeitkrebsen erahnen konnte. Die Vorfreude, dass sich wirklich Spannendes abspielen könnte, war eigentlich das Schönste am "Yps"-Erlebnis. Eigentlich ist das beim Heft-Neustart (Verlag: Egmont Ehapa) nicht anders.

Mindestens 48 Stunden musste man einst wartend auf das Wasserglas starren, bis man endlich was von den mysteriösen Urzeitkrebsen erahnen konnte. Die Vorfreude, dass sich wirklich Spannendes abspielen könnte, war eigentlich das Schönste am "Yps"-Erlebnis. Eigentlich ist das beim Heft-Neustart (Verlag: Egmont Ehapa) nicht anders.

Aktuell über 66.000 Facebook-Fans können sich nicht täuschen: Ohne "Yps" und die genialen Gimmicks vom Falt-Fernglas, über den berühmten Solar-Zeppelin bis hin zum Schießkugelschreiber, wäre die Jugend in den Siebziger- und Achtziger-Jahren tatsächlich so trostlos gewesen, wie die Vororte und Fußgängerzonen heute noch aussehen.

Nicht nur die Kindheit von Chefredakteur Christian Kallenberg, einst bei "FHM", hat das Kult-Magazin nachhaltig geprägt. Viele der einstigen "Yps"-Leser, die heute zwischen 30 und 45 Jahren alt sind und damit Zielgruppe der Wiederbelebung, dürften ähnlich denken. Eigentlich müsste man sie vor der Zeitreise auf 100 Seiten warnen: Das Schönste an der Nostalgie ist doch ihre Wohligkeit. Nur dass die eben schnell verfliegt, wenn sie konkret wird. 

Mit anderen Worten: "Yps" von heute zeigt zwar viele Leser von gestern (mit teilweise recht putzigen Fotos), lässt das Karo-Känguru wieder anhoppeln und druckt sogar Originalcomics-Strecken mit "Yinni und Yan" und "Hombre" wieder ab. Dennoch weiß das Magazin einfach nicht, was es will und mit wem es spricht. 

Kult um die Urzeitkrebse zu Tode geritten

Allein die Erinnerungs-Sentimentalität zu beschwören, hinterlässt schnell ein schales Gefühl. Besonders dreist überstrapaziert Kallenberg den Kult um die legendären Urzeitkrebse, die in Bröselform natürlich wieder auf dem Titel kleben. Fast jede zweite bis dritte Seite kommt nicht ohne eine Referenz an die blassen Wassergestalten aus. Irgendwann erfährt man sogar, dass Peinlich-Comedian Maddin Schneider welche hatte. Und dass er unter der Dusche Operettenschlager singt. So what?

Das Hauptproblem ist, dass "Yps" zwar mit den Stilelementen von gestern spielt - inklusive der berühmten Kleinanzeigen, die heute zu Facebook führen sollen -, aber keine überzeugende Idee fürs Heute entwickelt. Als Verlegenheitslösung gibt es zwar eine Doppelseite mit "Neuen Gimmicks", auf der der Leserschaft, von der man hoffen darf, dass sie heutzutage ein wenig solventer ist, auch die "unkaputtbare" Rollei-Bullet-HD-Kamera oder eine Bambus-PC-Tastatur präsentiert wird. 

Spagat zwischen Alt und Neu schmerzt

Dass sich die Käufer tatsächlich von der "Mode"-Strecke mit Yps, Kaspar, Patsch und Willy inspirieren lassen werden, darf stark bezweifelt werden. 5,90 Euro sind ein doch recht stolzer Preis für konzeptionelle Dürftigkeit. Vielleicht hätte man ein wenig länger und auf echt pfiffige Ideen warten sollen.

Wenn "Yps" wirklich etwas sagen möchte, dann darf Abenteurer-Dino Rüdiger Nehberg sprechen. Oder Michael "Albatros" Groß, Poster-Held so macher Jugendzimmer, kommt im Interview zu Wort. Gewartet hat man darauf eigentlich nicht.

Hier geht's zum "Yps"-TV-Spot (Agentur: Phillipp und Keuntje).

Ihre Kommentare
Kopf

dingPong

10.10.2012
!

Ich bin kein Yps-Fan und auch kein Yps-Mitarbeiter, ABER die Frage sei erlaubt:

WAS hätte ein Rupert Sommer denn anders gemacht? Ich lese oben nur einen belanglosen Verriss ohne sinnvolle und konstruktive Kritik. Wenn Sie ehrlich sind, dann hätte Yps doch machen können, was es wollte - Sie hätten es doch verrissen. Entweder hätte man zu wenig gewagt oder zu viel. Entweder wäre das Heft zu teuer oder zu billig gewesen. Entweder wäre zu viel Nostalgie oder zu viel Neues dabei gewesen.


Rupert Sommer

11.10.2012
!

@dingPong: Kritik bedeutet doch, dass man seinen Gegenstand ohne Sentimentalität ernst nimmt. Tatsächlich bin ich, anders als Sie, "Yps"-Fans und deswegen entsprechend anspruchsvoll. Natürlich ist Ausgewogenheit ein journalistisches Desiderat - nicht aber für eine kritische Meinungsäußerung. Und ich bin der Meinung, dass der "Yps"-Neustart enttäuscht. Ob ich es hätte besser machen können, kann nicht ernsthaft Teil meiner Einschätzung sein. Das ist nicht mein Beruf oder Aufgabe.


Gast48167

11.10.2012
!

@ Rupert Sommer:

Teil einer jeden guten Blattkritik sind aber auch konstruktive Verbesserungsvorschläge oder zumindest das Darlegen von alternativen Herangehensweisen and die zuvor kritisierten Punkte. So bleibt es ein destruktiver Veriss.


max P3

11.10.2012
!

ist die kritik am kritiker, dass er nicht konstruktiv kritisiert, eigentlich konstruktiv?


Christian Kallenberg

Christian Kallenberg

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Owner

11.10.2012
!

Möchte Herrn Sommer hier mal etwas in Schutz nehmen: Seine Kritik halte ich für völlig legitim. Uns war klar, dass wir einen Teil gerade der alten YPS-Fans mit dem neuen Heft verprellen würden. Alte YPS-Leser finden die neue Version entweder richtig gut oder richtig mies. Dazwischen gibt es wenig, das Thema emotionalisiert einfach zu stark. Unser Meinung nach gab es konzeptuell allerdings keine sinnvolle Alternative für die Neuauflage. Und Herr Sommer, noch mal nur für Sie: URZEITKREBSE!


Mega-Piranha

12.10.2012
!

Zunächst einmal: Das Heft ist ausverkauft. Also Glückwunsch! Wenn Herr Sommer schon zum Rundumschlag ausholt, sollte er zuvor mal einen Blick in die dämlichen Frauenzeitschriften in der Kiosk-Auslage werfen. Da ist Yps geradezu intelektuell gestrickt...
Geben wir solchen Projekten doch mal eine Chance. Es gibt viel zu wenig mutige Neuerscheinungen. Der ganze Land-Liebe/Lust/Haus-Boom zum Beispiel ist vielleicht viel eher einen Veriss wert.


Manuela Krämer

Manuela Krämer

Federkunst
selbstständig

12.10.2012
!

Wenn es "das Yps-Heft" damals am Kiosk nicht gegeben hätte, wäre ich vielleicht nie Lucky-Luke-Fan geworden und meine "Kürmelschublade" hätte es auch nie gegeben. (Info für Nicht-Rheinländer: Kürmel = Krempel, Kruscht, Allesmögliche. In den 70er/80er Jahren vor allem Yps-Gimmicks & Apothekentierchen, heute meist Mackes "Happy Meal"-Zugaben)

:-)

Ist Umpa-pah eigentlich wieder mit dabei??


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