"Girls" im kress-Check: Gallig gut und ganz ohne Glamour

 

Die überdrehte Partywelt von Carrie, Samantha und Co. ist nur ein fernes Glitzern auf der anderen Seite des Flusses: Im Brooklyn der vier HBO-"Girls", die alle auch in einem etwas ernüchternden Woody-Allen-Film mitspielen könnten, ist die City fern und der Sex eher schlecht.

Die überdrehte Partywelt von Carrie, Samantha und Co. ist nur ein fernes Glitzern auf der anderen Seite des Flusses: Im Brooklyn der vier HBO-"Girls", die alle auch in einem etwas ernüchternden Woody-Allen-Film mitspielen könnten, ist die City fern und der Sex eher schlecht. 

Statt Libertinage und amouröser sowie karriereorientierter Verwirklichung, wie man sie aus der HBO-Erfolgsserie "Sex and the City" kennt, steht für die vier "Girls" rund um Hauptdarstellerin, Produzentin, Drehbuchautorin und Regisseurin Lena Dunham die alltägliche Selbstbehauptung auf der Agenda. Es geht schlicht nicht mehr  darum, den besten Lover in die Kiste zu ziehen, sondern sich überhaupt ein "Leben" und damit vor allem erst einmal die Miete leisten zu können.

Umso größer der Schockmoment zu Beginn der neuen Serie, die der Turner-Pay-Sender Glitz ab sofort in deutscher Erstausstrahlung zeigt: Die nur auf den ersten Blick liebenswerten Hinterwäldler-Eltern aus Michigan sind extra angereist, um der 24-jährigen Hannah (Dunham) ihr Anliegen unmissverständlich zu verklickern: "No More Money, Honey", lautet ab sofort die Devise. Weil sie ihr hart Erspartes künftig doch lieber in die Gartenverschönerung oder gelegentliche Kurzreisen stecken wollen, drehen sie ihrer Tochter kurzerhand den Geldhahn zu.

Die Generation Babyboomer setzt die Generation Praktikum schlicht vor die Tür: Ihre naiven Träume, als Schriftstellerin (in Carrie-Manier) eines Tages doch noch die große Stadt für sich zu erobern, kann Hannah sich erst einmal in den Ausschnitt stecken. Jetzt geht es darum, zwischen unbezahltem Kaffee-Kochen-Job in einem New Yorker Verlag und ihrem in vielerlei Hinsicht unbefriedigenden Privatleben doch noch so ein bisschen was wie Würde zu bewahren.

Ihre eigenwillige Freundinnen-Clique, darunter das naive Landei Shoshanna (Zosia Mamet), die so sehr bedauert, noch Jungfrau zu sein, Hannahs perfektionistisch-verklemmte Mitbewohnerin Marnie (Allisson Williams) und die flippige Lebenskünstlerin Jessa (Jemima Kirke), ist nur bedingt eine Hilfe dabei.

Im zehn jeweils halbbstündigen Episoden variiert "Girls" damit sehr zeitgenössisch das "Sex and the City"-Grundmuster, rührt einige Bitterstoffe unter, schreckt vor Peinlichkeiten nicht zurück, aber rettet sich mit fast noch besseren, weil deutlich boshafterem Humor vor dem Abgleiten ins Melodramatische. Selten hat es so viel Spaß gemacht, so unglamouröse Mitmenschen so sehr zappeln, stolpern und stottern zu sehen.

Den Emmy für die "Beste Comedyserie" hat "Girls" zwar aktuell verpasst, verdient hätte sie ihn gehabt. Die zweite Staffel wird in den USA bereits produziert.

"Girls", zu empfangen bei Glitz, wird ab 17. Oktober jeweils mittwochs um 21:10 Uhr ausgestrahlt.

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