VDZ mit der Entwicklung der Zeitschriften zufrieden: Noch nie gab’s so viele Publikumsmagazine wie 2012

 

Ungewohnt vergnügte Töne schlug Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes in Berlin an: "Die Relevanz der Zeitschriftenmarken ist größer denn je, nie wurde so viel Zeitschrifteninhalt gelesen, nie so viele Zeitschriften gegründet."

Ungewohnt vergnügte Töne schlug Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes in Berlin an: "Die Relevanz der Zeitschriftenmarken ist größer denn je, nie wurde so viel Zeitschrifteninhalt gelesen, nie so viele Zeitschriften gegründet."

Mit 1.511 Titeln hat der Markt der mindestens quartalsweise erscheinenden Publikumszeitschriften 2012 einen neuen Höchststand erreicht (siehe Grafik). Zwischen Januar und September konnten sich 72 neue Titel im Markt behaupten. Insgesamt sind 103 Titel in den ersten drei Quartalen dieses Jahres neu auf den Markt gekommen. 31 Magazine wurden eingestellt.

Darüber hinaus gingen 2012 bislang rund 230 Titel mit jährlicher oder unregelmäßiger Erscheinungsweise an den Start. Bevor sich Verlage auf dauerhafte Investitionen einlassen, testen sie neue Konzepte oft als One-Shot.

Umsatz der Zeitschriftenverlage steigt auf 7,10 Mrd Euro

Die deutschen Zeitschriftenverleger rechnen laut einer Umfrage des VDZ für 2012 mit einer Steigerung des Inlandsumsatzes um 1,4% auf 7,10 Mrd Euro. Im kommenden Jahr erwarten die Verleger eine nochmalige Steigerung um 1,5% auf 7,21 Mrd Euro (siehe Grafik).

Das Auslandsgeschäft wird in diesem Jahr der Umfrage zufolge 15,3% des Gesamtumsatzes der Zeitschriftenverlage betragen. Bis 2015 soll es auf 17,3% anwachsen. Auch das Digitalgeschäft wird einen kräftigen Spring machen. Aktuell rechnen die Verlage mit einem Anteil von 8,3% am Gesamtumsatz. 2015 sollen es bereits 13,8% sein.

Printauflage sinkt um rund 2,1%

Auch in Zukunft wird Print den Löwenanteil des Gesamtumsatzes ausmachen (aktuell 77%), wovon jeweils die Hälfte mit Anzeigen- und Vertriebserlösen erwirtschaftet wird. Im 3. Quartal wurden laut IVW im Durchschnitt je Ausgabe insgesamt 110,7 Mio Exemplare von Publikumszeitschriften verkauft. Das sind zwar durchschnittlich 1,3 Mio Hefte mehr als im Vorquartal. Doch im Vergleich zum 3. Quartal 2011 sank die durchschnittlich je Ausgabe verkaufte Auflage um rund 2,1%.

Die harte Auflage aus Abo und Einzelverkauf liegt laut VDZ auf "stabilem Niveau". Laut IVW wurden im 3. Quartal 2012 49,2 Mio Abos (inkl. E-Paper) zugestellt und 44,7 Mio Exemplare (inkl. Paper) am Kiosk verkauft.

Politik bleibt weiterhin gefordert

Trotz der positiven Entwicklung der Publikumszeitschriften forderte Stephan Scherzer die Politik auf, für faire Rahmenbedingungen zu sorgen, damit die freie Presse den Medienwandel weiter gestalten könne. Er zeigte sich zufrieden mit der vom Bundestag beschlossenen 8. Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) (kress.de vom 20. Oktober 2012).

Scherzer betonte, dass es sich dabei nicht um eine Regelung des Grosso-Systems an sich handle. Die Novelle erlaube es den Marktpartnern vielmehr freiwillige Branchenvereinbarungen zu treffen. Dadurch sei ein wichtiger Schritt getan, "um das seit Jahrzehnten bewährte Presse-Grosso-Vertriebssystem auch in Zukunft zu erhalten", so Scherzer. Er hoffe, dass sich auf dieser Grundlage "künftig wieder alle Verlage an einer gemeinsamen Gestaltung dieses wichtigen Vertriebskanals beteiligen".

Die Verhandlungen der Novelle zum EU-Datenschutzrechts betrachtet der VDZ hingegen mit Sorge. Die Novelle enthalte "ganz erhebliche und vielfach kaum absehbare Risiken und Gefahren für die redaktionelle Datenverarbeitung", so Scherzer. Das betreffe u.a. die Recherche über das Redaktionsarchiv und reiche bis hin zur Veröffentlichungen auf Smartphones-, Tablets- oder im Internet. Noch sei offen, ob EU-Kommission, EU-Ministerrat und das EU-Parlament "eine angemessene Balance zwischen Datenverarbeitung und Datenschutz" zustande bringen, sagte Scherzer.

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