Erster Auftritt nach Rücktritt als dapd-Vorstand: Vorderwülbecke fordert "Google-Steuer"

 

Am Dienstag sprach dapd-Gesellschafter Martin Vorderwülbecke in Hamburg zum Thema "Neue Regeln für eine neue Welt: Freiheit vs. Urheberschutz im Netz". Es war der erste öffentliche Auftritt nach seinem Rücktritt als Vorstand der Nachrichtenagentur. Vorderwülbecke kritisierte, dass sich Google an den Leistungen von Journalisten bereichere und forderte eine Umverteilung der Erlöse.

Am Dienstag sprach dapd-Gesellschafter Martin Vorderwülbecke auf einem von der Hamburgischen Notarkammer organisierten Podium zum Thema "Neue Regeln für eine neue Welt: Freiheit vs. Urheberschutz im Netz". Es war der erste öffentliche Auftritt nach seinem Rücktritt als Vorstand der Nachrichtenagentur in der vergangenen Woche (kress.de vom 18. Oktober 2012).

Vorderwülbecke kritisierte auf dem Podium, das neben ihm Arndt Haller, Leiter der Rechtsabteilung Google Nordeuropa, und die ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries bestritten, dass sich Google an den Leistungen von Journalisten bereichere. Veränderte Mediennutzungsgewohnheiten müssten auch mit einer Veränderung der Erlösströme einhergehen, so der dapd-Investor. Urheber, sprich Journalisten, müssten auch im Netz geschützt und für ihre Werke bezahlt werden.

Vorderwülbeckes Angriff ging direkt in Richtung des Suchmaschinenkonzerns. Google News liste bei Live-Events wie einem Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft in der Regel nur Material von Agenturjournalisten auf, die jedoch nicht an den Google-Erlösen beteiligt würden. Das sei ungerecht und müsse geändert werden, so Vorderwülbecke. Eine Lösung dafür sei, dass die Verlage und Nachrichtenagenturen an den Erlösen des Suchmaschinenriesen durch eine Abgabe, also eine Art "Google-Steuer", beteiligt werden.

Trotz Insolvenz neuer Kundenabschluss

Angesprochen auf die derzeitige Situation bei der dapd, sagte Vorderwülbecke, dass es bislang keine Kündigungen seitens der Kunden gegeben habe. Im Gegenteil: Man habe sogar seit der Anmeldung des Insolvenzverfahrens Anfang Oktober einen neuen Kunden gewinnen können. Der dapd-Gesellschafter betonte nochmals, dass die Koexistenz von zwei Vollagenturen, also dapd und dpa, anscheinend nicht in Deutschland erwünscht sei (kress.de vom 4. Oktober 2012). Die dpa werde vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk bevorzugt, dagegen habe die dapd keine Chance, so Vorderwülbecke. Den Vorstandsposten habe er aus persönlichen Gründen abgegeben, stünde aber den Verantwortlichen weiter als Ratgeber zur Verfügung.

Ihre Kommentare
Kopf

boing

25.10.2012
!

Der Herr war scheinbar noch nie auf Google-News, denn dort gibt es keine Anzeigen, also auch keine Erlöse, die man teilen könnte. Verleger können selbst bestimmen, ob ihre Inhalte in Google-News erscheinen, hier nachzulesen:
http://support.google.com/news/publisher/bin/answer.py?hl=de&answer=68331&topic=2492117&ctx=topic

Der Wert einer einzelnen Nachricht ist im Internet Null, das lässt sich mathematisch ableiten. Wer also Nachrichten anbietet, die andere auch anbieten, hat keine Einnahmen.


snoopsmaus

25.10.2012
!

@boing Stimme Dir absolut zu - man kann selbst mit einem winzigen Fitzel Code bestimmen, ob nur Überschrift, Überschrift und Snippet (also Vorschau) angezeigt werden soll oder ob es gar nicht in Google News auftauchen soll.

Wenn Google clever ist, was sie in Belgien schon bewiesen haben, dann werden sie einfach alle Seiten der Zeitungen aus dem index nehmen und dann werden wir mal den Trafficeinbruch beobachten.


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