"New Scientist" im kress-Check: Bekömmlich, aber halbgar servierte Wissenshappen

 

Keine Frage, die Messlatte liegt hoch. Sich an einer Lizenzausgabe des auch in Deutschland bei Freunden der wissenschaftlichen Forschung beliebten britischen Magazins "New Scientist" zu versuchen, birgt einige Risiken.

Keine Frage, die Messlatte liegt hoch. Sich an einer Lizenzausgabe des auch in Deutschland bei Freunden der wissenschaftlichen Forschung beliebten britischen Magazins "New Scientist" zu versuchen, birgt einige Risiken.

Was an der deutschen Erstausgabe des "New Scientist" überzeugt (Druckauflage: 55.000 Exemplare; gehört über die New Scientist Deutschland GmbH zum Spiegel-Verlag), ist zweifellos ihre bunte Themenmischung. Die Palette reicht vom Einsatz von Robotern in der Landwirtschaft, über Online-Unterricht für Kinder und einem Streitgespräch mit Heiner Geißler (CDU) zum heiklen Feld der Politikberatung bis hin zu einem persönlich gefärbten Stück zur Datenschutzdebatte und die Titelgeschichte zu Erinnerung und Gedächtnis.

Zusammengewürfelte Bildsprache

Technikfans wie Eltern werden hier ihr Thema entdecken, über das sie in das 68 Seiten starke Heft leicht einsteigen können – sofern sie nicht von der etwas biederen Aufmachung davon abgehalten werden. Schnörkellos ist das Layout, zusammengewürfelt die Bildsprache. Kein Wunder, folgen Chefredakteur Lothar Kuhn und sein rund 15-köpfiges Team konsequent dem Weg vom Thema zum Bild. Und da passen verwischte Schwarz-Weiß-Fotografien zu Erinnerungen, niedliche Animationen zu Agrarrobotern und zur Datenschutzdebatte eine an Dalí erinnernde Illustration eines Menschen mit Laptop-Kopf, der versucht, eine Datenkrake mit Maschinenkorpus im Zaum zu halten. 

Nicht aus einem Guss

Auch an anderer Stelle wirkt das Heft nicht so, als wäre es aus einem Guss geschaffen – als würde es unter dem Korsett der Lizenzvorgaben leiden. Texte aus dem Mutterheft, die mit Studienergebnissen aus dem angloamerikanischen Raum getränkt sind, werden mehr oder weniger elegant um Informationen aus Deutschland angereichert. Das wirkt gewollt, halbgar, sogar ein wenig gehetzt. Der "New Scientist" muss jede Woche liefern. Mit bunten Grafiken sollte die deutsche Redaktion allerdings nicht zu oft versuchen, die mangelnde Zeit für tiefgreifende Recherchen zu kompensieren.

Beim Stichwort mangelnde Zeit sei auf Heiner Geißler hingewiesen, der in der Eile ganz vergessen hat, seine schmucke Thermojacke vor der Debatte mit Gert G. Wagner, dem Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, abzulegen. Aber das nur am Rande.

Fazit

Die erste deutsche Ausgabe des "New Scientist" ist ein ordentlich gemachtes Heft mit lesenswerten Beiträgen, das seine 2 Euro wert ist. Allerdings müssen Kuhn und seine Mannschaft bei Bildsprache und Tonalität – der britische Humor des Originals ist unnachahmlich – noch mächtig nachlegen, wenn dies auch nach der Einführungsphase noch gelten soll. Dann wird das Heft nämlich stolze 4,50 Euro kosten.

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