Post aus Essen: WAZ-Gruppe will dapd den Laufpass geben

 

Schlechte Nachrichten für die insolvente Nachrichtenagentur dapd und ihre Mitarbeiter: Die WAZ-Gruppe hat nach kress-Infos Kündigungsschreiben gen Berlin geschickt. Die Essener wollen alternativ nun offenbar wieder die Dienste der dpa in Anspruch nehmen.

Schlechte Nachrichten für die insolvente Nachrichtenagentur dapd und ihre Mitarbeiter: Die WAZ-Gruppe hat nach kress-Infos Kündigungsschreiben gen Berlin geschickt. Die Essener wollen alternativ nun offenbar wieder die Dienste der dpa in Anspruch nehmen.

Die Kommunikationsberatung Heringer Schuppener Consulting, für die Pressearbeit der insolventen dapd-Gesellschaften zuständig, teilte auf Anfrage von kress mit, die WAZ-Gruppe habe die Agentur über ihre Absicht informiert, "sich von den bestehenden Verträgen mit der dapd lösen zu wollen". Man sei aber in konstruktiven Gesprächen. "Wir gehen davon aus, dass alle bestehenden Verträge über die vereinbarte Laufzeit hinweg erfüllt werden und wir die vertrauensvolle Zusammenarbeit wie vereinbart bis Ende 2013 fortsetzen", so die offizielle Stellungnahme.

Wohl in Reaktion auf die kress-Anfrage hat Insolvenz-Geschäftsführer Wolf von der Fecht mittlerweile auch die dapd-Mitarbeiter über die Post aus Essen informiert. In dem internen Schreiben, das kress vorliegt, ist von einem "Kündigungswunsch" der WAZ-Gruppe die Rede. Er und sein Team setzten weiter alles daran, "gemeinsam mit Ihnen einen möglichst großen Teil Ihres Unternehmens und Ihrer Arbeitsplätze für die Zukunft erhalten zu können", schreibt von der Fecht dem Mitarbeitern.

Die WAZ-Gruppe trägt nur einen geringen Anteil zu den dapd-Umsätzen bei (die Rede ist von 4%), ist aber einer der prestigeträchtigsten Kunden der Agentur: Die Essener hatten der dpa im Jahr 2009 den Laufpass gegeben (kress.de vom 29. Oktober 2008), deren forschem Rivalen die Hand gereicht und einen Rahmenvertrag mit ihm geschlossen. Der Verzicht auf die Dienste des Marktführers war Teil eines größeren Sparvorhabens: So trennte sich die Gruppe damals von zahlreichen Zeitungsredakteuren in NRW und richtete einen zentralen Content-Desk für ihre dortigen Blätter ein. Bei dapd schmückte man sich seitdem gerne mit dem prominenten dpa-abtrünnigen Kunden.

Durch die Insolvenz der dapd ist für die WAZ-Gruppe nun aber offenbar eine neue Lage entstanden. Insgesamt acht Gesellschaften aus dem dapd-Reich, darunter die dapd nachrichtenagentur GmbH und die dapd nachrichten GmbH, hatten Anfang Oktober das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt (kress.de vom 2. Oktober 2012). Der Insolvenz-Geschäftsführer von der Fecht arbeitet seitdem mit ungewissem Ausgang an einem "Fortführungskonzept". Er hat dafür bis Ende November Zeit. Leichter wird seine Arbeit durch die Abkehr der WAZ-Gruppe nicht.

Ein anderer wichtige Verlagskunde bleibt der dapd vorerst erhalten: Bei der Mediengruppe Madsack, seit September Großabnehmer der Dienste der Agentur, will man die Entwicklung der dapd in Ruhe beobachten, heißt es in Hannover.

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