Chefredakteursrunde auf dem Publishers' Summit: Consulting als Geschäftsmodell und das Zeitalter der Katze

 

Die Chefredakteursrunde auf dem Publishers' Summit sollte Antworten liefern, welche Inhalte auf welchen Plattformen funktionieren und in welchem Bereich Potenzial für neue Geschäftsfelder ausgemacht werden kann. Während Roland Tichy, Chefredakteur der "Wirtschaftswoche", das Zeitalter der Katze vor angebrochen erklärte, in dem es darum gehe, den Leser durch kürzerer Formen anzusprechen,

Die Chefredakteursrunde auf dem Publishers' Summit sollte Antworten liefern, welche Inhalte auf welchen Plattformen funktionieren und in welchem Bereich der redaktionellen Arbeit Potenzial für neue Geschäftsfelder ausgemacht werden kann. Dafür hatte der VDZ Roland Tichy, Chefredakteur der "Wirtschaftswoche", Mathias Müller von Blumencron, Digitalchef und Chefredakteur beim "Spiegel", Oliver Jahn, Chefredakteur "Architectural Digest" und Alexander Görlach, Chefredakteur des Debattenportals "TheEuropean", aufs Podium gebeten. 

Der VDZ wünschte sich durch die bunte Mischung aus Vertretern der Online- und Print-Welt eine intensive Debatte. Oliver Jahn betonte, dass er das Bespielen der digitalen Kanäle für die Marke AD eher als Pflicht denn als Kür betrachte. Das Printprodukt stünde im Fokus, alles andere laufe nebenbei. Das sei auch so von den Lesern gewünscht. "Wir sind davon getrieben, einen hochwertigen Titel zu machen", betonte er die Arbeit der Redaktion.

Consulting als neues Geschäftsmodell

Bei all dem Lob auf das Printprodukt hatte er noch eine Idee für ein neues Geschäftsmodell dabei, was allerdings weniger mit Journalismus zu tun hat. Als Idee neuer Monetarisierungsquellen brachte er an, dass man die Expertise, die eine Redaktion über Jahre aufgebaut habe, künftig als Beratungsleistung anbieten könne. "Consulting kann für Verlage ein neues Wachstumsfeld werden", prognostizierte Jahn.

Nur schade, dass keiner der Anwesenden darauf einstieg, um die Vor- und Nachteile eines solchen Modells zu diskutieren. Von Blumecron wiederholte im Wesentlichen das, was er auch schon auf den Medientagen München verlautet hatte: Das Smartphone sei ein wertvolles Gerät, weil es Informationen und Unterhaltung biete. Allerdings gäbe es hier das Problem, dass der mobile Traffic bisher nicht monetarisiert werde. Im "Spiegel" werde "heftig diskutiert" und "an allen Fronten gekämpft", um neue Geschäftsfelder zu finden. Eine Paywall sei seiner Meinung nach keine Lösung und werde auch nicht die alten Zeiten zurückbringen: "Werbung wird nach wie vor wesentlicher Bestandteil unseres Modells sein", so von Blumencron.

Google als Partner

Angesichts der Diskussionen um ein Leistungsschutzrecht für Verlage sandte er sogleich eine Botschaft an die Anwesenden: Ihm graue es ihm vor einer "Gema für Texte", was sogleich aus dem Publikum gekontert wurde. Das Leistungsschutzrecht sei als Verfügungsrecht zu verstehen, dass es ermögliche, den Verlagen zu entscheiden, wie mit den Inhalten im Netz gehandelt werde. Es sei als Verfügungsrecht zu begreifen, das nicht befürchtet werden müsse.

Görlach pflichtete von Blumencron bei: "Dank Google verdienen wir so viel Geld mit unseren Online-Inhalten. Wir sollten uns nicht in Lager teilen, sondern Partner werden." Man habe nicht gelernt mit Dienstleistern und Apps Kooperationen einzugehen, dabei biete eine Zusammenarbeit Chancen. Görlach mahnte ob der Diskussion um ein Leistungsschutzrecht, nicht die Grundfertigkeiten des Internets zu verlieren.

Die Zeit des anonymen Journalismus ist vorbei

Tichy hingegen nutzte das Scheinwerferlicht, um auf andere Veränderungen hinzuweisen: Das Zeitalter des Hundes, der immer käme, wenn man ihn rufe, sei vorbei. Nun sei das Zeitalter der Katze angebrochen, um dessen Aufmerksamkeit man kämpfen müsse. Übertragen auf den Journalismus heiße das, dass man die Leser mit kürzeren Formen auf seine Inhalte hinweisen müsse. "Die Grundhaltung heißt: Achte deinen Leser statt ihn zu Belehren."

Der Journalismus habe sich mit den neuen Medien verändert und sei kommunikativer und diskursiver geworden. Parallel dazu sei er aber auch kontrollierbarer durch die Leserschaft. "Wir müssen über den Qualitätsbegriff nachdenken: Dadurch, dass die Informationsmöglichkeiten der Leser besser sind, steigen die Herausforderungen für den Journalismus." Zudem sollten sich Redakteure ihre eigene Community aufbauen und mit den Lesern interagieren. "Die Zeit der namenlosen Journalisten ist vorbei." Und die der diesjährigen Chefredakteursrunde auch, die mehr Fragen offen ließ als dass sie Antworten bot.

 

 

 

 

 

 

 

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