dapd-Misere: Dunkle Wolken auch über Frankreich

 

Die Misere der Nachrichtenagentur dapd macht offenbar an Landesgrenzen nicht halt: Der französische Medienblogger Michel Puech legt in einem Bericht nahe, dass auch der französische Zweig der Agenturgruppe betroffen ist. Das deckt sich mit Informationen von kress aus Mitarbeiterkreisen.

Die Misere der Nachrichtenagentur dapd macht offenbar an Landesgrenzen nicht halt: Der französische Medienblogger Michel Puech legt in einem Bericht nahe, dass auch der französische Zweig der Agenturgruppe betroffen ist. Das deckt sich mit Informationen von kress aus Mitarbeiterkreisen.

Laut Puech hat Olivier Mégean, Präsident der französischen dapd-Tochter Sipa, für Montag, 16 Uhr, eine Mitteilung an die Belegschaft angekündigt. Bei einer Sitzung des Sipa-Verwaltungsrats in Paris am vergangenen Freitag soll zudem ein Gerichtsbeamter anwesend gewesen sein. Puech berichtet auch, dass zwei wichtige Manager die Fotoagentur Sipa Press verlassen hätten: Ulf Schmidt-Funke und Katharina Doerk. Beide halten auch Anteile an der Agentur und sind überdies Geschäftsführer von ddp images, Hamburg. Dieses Unternehmen ist Teil des dapd-Imperiums, gehört aber nicht zu den acht Firmen, die Anfang Oktober in die Insolvenz gegangen sind (kress.de vom 2. Oktober 2012).

Die dapd-Eigentümer Martin Vorderwülbecke und Peter Löw wollten eigentlich dem französischen Platzhirsch, der Agence France-Presse (AFP), ans Geweih, und zwar mittels des neuen Textdienstes Sipa News. "Es ist unser Plan, der AFP etwas wegzunehmen", sagte Vorderwülbecke im Juli im Interview mit dem kressreport (kress.de vom 20. Juli 2012). Die Voraussetzungen für ihre Expansion nach Frankreich hatten die beiden dapd-Eigentümer durch den Kauf der Bildagentur Sipa Press, der Web- und Mobile-Agentur Diora News und der französischen Niederlassung von Associated Press (AP) geschaffen. Nach deutschem Muster hat das Gespann Löw/Vorderwülbecke auch in Frankreich zahlreiche Journalisten und Manager zu sicher rübergelotst.

Nach der Insolvenz der deutschen dapd-Kerngesellschaften gab das französische Management zunächst die Parole aus, man sei in Frankreich davon nicht berührt. Das hat sich offensichtlich nicht bewahrheitet. Man hofft in Frankreich aber, dass es auch im Fall eines Rückzugs der deutschen Investoren weitergeht: Im dortigen dapd-Management gibt es dem Vernehmen nach Bestrebungen zu einem Management-Buy-out.

Vorderwülbecke spricht von "Schwachsinn"

Im Bericht von Medienblogger Puech gibt es einen weiteren interessanten Aspekt: En passant behauptet er, dass Vorderwülbecke nicht nur seine operativen Aufgaben bei dapd aufgegeben habe (kress.de vom 18. Oktober 2012), sondern auch seine Anteile an Kompagnon Peter Löw verkauft habe. Er hielt bislang ein Drittel an der dapd-Holding  (seit Kurzem HQTA AG), zwei Drittel liegen bei Löw. Grund für Vorderwülbeckes Ausstieg seien Differenzen zwischen den beiden gewesen, schreibt Puech. Auf Anfrage von kress dementierte Vorderwülbecke diese Behauptung am Samstag als "Schwachsinn".

Im Hinblick auf die acht deutschen von der Insolvenz betroffenen dapd-Unternehmen gibt es mittlerweile mehr Klarheit: Am Montag hat Insolvenz-Geschäftsführer Wolf von der Fecht seinen Sanierungsplan vorgelegt, wonach ein Drittel der 300 Mitarbeiter gehen soll (kress.de vom 12. November 2012). Von der Fecht will aber alle Dienste der dapd fortführen.

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