dapd-Insolvenzgeschäftsführer Wolf von der Fecht: "Besonderes Augenmerk verdienen Sport und Video"

 

Am Montagvormittag hat Wolf von der Fecht Grundzüge seines Restrukturierungskonzepts für die Nachrichtenagentur-Gruppe dapd vorgestellt, im Gespräch mit kress konkretisierte der Insolvenzgeschäftsführer jetzt seine Pläne. "Die Investorensuche hat für uns immer noch das entscheidende Gewicht", so von der Fecht.

Am Montagvormittag hat Wolf von der Fecht Grundzüge seines Restrukturierungskonzepts für die Nachrichtenagentur-Gruppe dapd vorgestellt  (kress.de vom 12. November 2012), im Gespräch mit kress konkretisierte der Insolvenzgeschäftsführer jetzt seine Pläne.

Für die Suche nach möglichen Investoren sei es aus zwei Gründen wichtig gewesen, eine "schwarze Null" darstellen zu können, so von der Fecht zu kress. "Zum einen besteht für die Gläubiger damit die Sicherheit, dass die von der Insolvenz betroffenen dapd-Gesellschaften künftig aus eigener Kraft voll kostendeckend arbeiten, auch wenn der Investorenprozess zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens noch nicht abgeschlossen ist." Zum anderen bedeute genau diese Sicherheit auch für den Investorenprozess eine Erleichterung.

Kunden und Investoren haben Vorbehalte gegen Alteigentümer

Dass die bisherigen Eigentümer Martin Vorderwülbecke und Peter Löw die Agentur nach der Sanierung behalten werden, bezeichnete von der Fecht als "eine Möglichkeit, die rein theoretisch besteht. Kunden, Mitarbeiter und Investoren, mit denen wir sprechen, hegen diesbezüglich allerdings Vorbehalte. Insofern ist fraglich, ob dies praktikabel wäre".

Wie es mit der angeschlagenen Agenturgruppe weitergeht, wenn kein Investor gefunden werden sollte, beschrieb von der Fecht so: "Im Augenblick gehe ich von diesem Szenario nicht aus. Die Tatsache, dass wir aus eigener Kraft die 'schwarze Null' erreichen können, wird es uns ermöglichen, mit der Eröffnung des Verfahrens am 1. Dezember fokussierter weiterzuarbeiten." Dem Vernehmen nach soll u.a. N24, der Sender des früheren "Spiegel"-Chefredakteurs Stefan Aust, an Teilen der dapd-Gesellschaften interessiert sein.

Sportdienst wird runtergefahren

Unabhängig davon, ob neue Investoren in das Nachrichtenagenturgeschäft einsteigen, müssen laut Restrukturierungsplan zunächst einmal rund 100 Mitarbeiter ihre Schreibtische räumen. Vor allem in der Führungsetage will von der Fecht aufräumen. Welche Ressorts konkret betroffen sind, wollte der Rechtsanwalt mit Hinweis auf das Betriebsverfassungsgesetz und die anstehenden Verhandlungen mit den Arbeitsnehmervertretern nicht sagen. Nur so viel: "Ein besonderes Augenmerk verdienen der Sportbereich und Video. Bei letzterem hängt die Entwicklung unter anderem von möglichen Investorenlösungen ab. Die Sportberichterstattung werden wir auf jeden Fall weiter anbieten, allerdings nicht mehr in dem Umfang wie bisher."

Michael Cremer verlässt dapd

Unterdessen ist ein weiterer Abschied aus dem dapd-Imperium bekannt geworden: Michael Cremer, 43, hat die Agentur bereits zum 31. Oktober in unbekannte Richtung verlassen. In einer spektakulären Abwerbeaktion hatte dapd-Eigentümer Vorderwülbecke ihn und zwei weitere leitende Mitarbeiter zu Beginn des Jahres vom rivalisierenden Sport-Informations-Dienst (SID) losgeeist (kress.de vom 12. Januar 2012), einer Tochter der französischen Agence France-Presse (AFP). Cremer war im Range eines Leiters Europaexpansion Angestellter der - nicht von der Insolvenz betroffenen - dapd media holding AG in Berlin (heute: HQTA AG). Aus der europäischen Expansion der Agenturgruppe wird nun nichts - Cremers Zeit bei dapd dauerte gerade vier Monate.

Stichwort "Europaexpansion": Die Sipa-Gruppe, der französische Ableger der deutschen Agenturgruppe, hat am Montagnachmittag via Twitter mitgeteilt, dass die deutschen Investoren Löw und Vorderwülbecke offenbar das Interesse an ihren dortigen Aktivitäten verloren hätten. Aber: Die Nachrichten vom Ableben der Sipa seien "verfrüht". Offenbar sucht das Sipa-Management nach Wegen, die Frankreich-Aktivitäten in eigener Regie fortzuführen.

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