Kroke prescht voran: Warum die "FR" in die Insolvenz geht

 

Die "Frankfurter Rundschau" ist pleite: Ihr Verlag, das Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main (DuV), hat am Dienstag das Insolvenzverfahren beantragt. Die beiden Hauptgesellschafter M. DuMont Schauberg (MDS) und die SPD-Medienholding ddvg begründen das mit "massiven Umsatzverlusten im Anzeigen- und Druckgeschäft in der ersten Hälfte des laufenden Jahres, die der Geschäftsführung keine Chance für ein Verlassen der Verlustzone gegeben haben".

Die "Frankfurter Rundschau" ist pleite: Ihr Verlag, das Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main (DuV), hat am Dienstag das Insolvenzverfahren beantragt. Die beiden Hauptgesellschafter M. DuMont Schauberg (MDS) und die SPD-Medienholding ddvg begründen das mit "massiven Umsatzverlusten im Anzeigen- und Druckgeschäft in der ersten Hälfte des laufenden Jahres, die der Geschäftsführung keine Chance für ein Verlassen der Verlustzone gegeben haben". Mitarbeiterbezüge sollen bis Ende Januar 2013 durch das Insolvenzgeld abgesichert sein. Als Insolvenzverwalter ist der Rechtsanwalt Frank Schmitt eingesetzt worden.

"Es ist in den vergangenen Jahren mit großem Einsatz sowohl der Geschäftsführung in Frankfurt als auch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelungen, ehrgeizige Kostenziele zu erreichen und dabei gleichzeitig die redaktionelle Qualität der Frankfurter Rundschau erheblich zu steigern", heißt es in einer offiziellen Stellungnahme von MDS und ddvg. "Wir müssen heute aber feststellen, dass all diese Anstrengungen angesichts der Umsatzeinbrüche im Anzeigen- und Druckmarkt der vergangenen Jahre und in der ersten Hälfte dieses Jahres nicht ausreichen, um die fortdauernden hohen Verluste zu beseitigen."

Kroke prescht voran

Nach kress-Infos wollten die beiden Hauptgesellschafter auf Wunsch der ddvg eigentlich erst Anfang Dezember die Entscheidung über das Schicksal der "FR" fällen. Doch Karlheinz Kroke, penibler Geschäftsführer in Frankfurt, wollte sich darauf nicht einlassen, weil er  den Vorwurf der Insolvenzverschleppung fürchtete. MDS und ddvg hatten sich geweigert, über eine bestehende "Patronatserklärung" hinaus Geld nach Frankfurt zu pumpen. Anfang des Jahres hatten sie 25 Mio Euro zur Verfügung gestellt, um die Existenz der Zeitung bis Ende 2015 zu sichern. Doch wegen eines Anzeigenverlustes um 15% zeichne sich schon jetzt ab, "dass die Mittel bereits im Laufe des kommenden Jahres verbraucht sein werden", so ein interner Fragen-und-Antworten-Katalog des Managements zur Insolvenz, der kress vorliegt: "Für die DuV war trotz Patronatserklärung keine positiven Fortführungsprognose für das Geschäftsjahr 2013 mehr möglich", heißt es dort weiter. So hätte man z.B. keine Abobeträge für 2013 einziehen können.

16 Mio Euro Verlust

Dem Papier zufolge hat allein MDS bislang 136 Mio Euro in den "FR"-Verlag investiert, der Verlust des Unternehmens werde 2012 dennoch 16 Mio Euro betragen. Beim DuV geht man davon aus, dass der Insolvenzverwalter die "FR" zunächst in der vorläufigen Insolvenzverwaltung fortführt und die Eröffnung des Insolvenzverfahrens zum 1. Februar 2013 beantragen wird. Die "FR" würde dann bis zum 1. Januar weiterproduziert. Ob es die Möglichkeit gebe, die Insolvenz abzuwenden, müsse der Insolvenzverwalter prüfen.

Berlin ist auch betroffen

Nicht nur bei der "FR", sondern auch bei der "Berliner Zeitung" wurden die Mitarbeiter heute nachmittag über die Insolvenz informiert. Beide Zeitungen gehören mehrheitlich zum MDS-Reich, ihre Redaktionen sind eng miteinander verbunden. So entstehen die Mantelseiten der "FR" in Berlin, und die DuMont Redaktionsgemeinschaft beliefert beide Titel mit Material für den Mantel. Eine Einstellung der "FR" hat somit auch Konsequenzen für die "Berliner Zeitung" und ihren Verlag. Welche genau das sind, will das Management laut dem internen Papier in 14 Tagen mitteilen. Der Berliner Verlag sei in einer "schwierigen wirtschaftlichen Lage", wenngleich "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier" ihren Platz im Berliner Markt behaupteten.

Die Gesellschafter haben nach kress-Infos zuletzt auch die Umstellung auf eine rein digitale Ausgabe als Alternative zur Einstellung prüfen lassen (kress.de vom 28. September 2012). In dem erwähnten internen Schreiben heißt es, eine Marktforschung habe jedoch ergeben, dass eine digitale Ausgabe "nicht lebensfähig" sei. Das Potenzial für neue Abonnenten sei gering und reiche in keinem Fall aus, um ein Geschäftsmodell für die "FR" zu entwickeln.

An der "FR" ist MDS mit 50% und einer Stimme und die ddvg mit 40% beteiligt. Den Rest der Anteile hält die Karl-Gerold-Stiftung. Beim DuV sind 389 Mitarbeiter beschäftigt, hinzu kommen 98 Mitarbeiter von Tochterfirmen.

Ihre Kommentare
Kopf

Sven-Onnen Fischer

13.11.2012
!

Quintessenz wird wieder sein:
Mitarbeiter gehen in eine Transfergesellschaft, die zu einem großen Teil finanziell von der Arbeitagentur getragen wird. Dies wiederum bedeutet, daß solange die FR ertragsreich war, die Gewinne von MDS privatisiert wurden und jetzt die zu tragenden Kosten/Verluste solidarisiert werden, d.h. von den Versicherungsbeiträgen der Zahler in die Arbeitslosenversicherung der Arbeitnehmer, oder handelt MDS jetzt sozial, und trägt die Kosten zu 100% aus dem Familienvermögen?!


Wolfgang Stock

13.11.2012
!

Der Niedergang der Frankfurter Rundschau ist auch hausgemacht. Insbesondere wegen des unklaren Profils, ob die FR nun Stadt-, Regional- oder Überregional-Zeitung sein sollte.
http://stockpress.de/2012/11/13/und-nun-frankfurter-rundschau/
Da blieb zwischen SZ und taz wenig Platz.


Wolfgang Ferencak

Wolfgang Ferencak

EMC Medienberatung / MS One Radiogroup / Starrocket Musik Management
Geschäftsführer

14.11.2012
!

Nun solange die Verleger genau wie die Entertainment Branche nur jammern und neue Protektionen einfordern, statt sich der, sicher gewaltigen, Herausforderung neuer Wege der Monetarisierung zu entwickeln stellen... Solange über das veränderte Nutzerverhalten lamentiert wird statt den Versuch zu unternehmen die digital natives zu verstehen... Solange Erbsenzähler mit BWL Background versuchen mit Instrumenten von vorgestern die digitale Zukunft zu gestalten... und last but not least solange ...


Wolfgang Ferencak

Wolfgang Ferencak

EMC Medienberatung / MS One Radiogroup / Starrocket Musik Management
Geschäftsführer

14.11.2012
!

und last but not least solange nicht die Erkenntniss in den Managementetagen reift, dass nur wer die Chancen nutzt, originäre unverwechselbare und nutzbringende Inhalte an den Kunden zu bringen und bereit ist dafür auch zu investieren und sich auf das Netz einzulassen, wie Springer das seit Jahren,mit wirtschaftlichem Erfolg, praktiziert, der wird das Schicksal der o.g. teilen.


AKS

14.11.2012
!

Face reality: Der Niedergang der FR wird nur einer von vielen sein, die uns in die Zukunft begleiten. Schon bald bleibt der Wald stehen (oder wird in Energie umgewandelt...) und alle Infos, die wir jetzt in gedruckter Form zu uns nehmen, wird sich der denkende Mensch elektronisch zu Gemüte führen. Diese Entwicklung können weder Manager noch Betriebswirte aufhalten. Und wir "Gestrigen" können uns dann freuen, noch die Erfahrung von Buch und Zeitung gemacht zu haben...


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