Döpfners Appell in Sachen Paid Content: "Große Chance, wenn viele Verlage mitziehen"

14.11.2012
 

In der Debatte um die Einführung von Bezahlinhalten im Internet bezieht die Axel Springer AG eindeutig Stellung. Vorstandschef Mathias Döpfner, 49, sagt in der an diesem Freitag erscheinenden Ausgabe des "manager magazins": "Paid Content - hier entscheidet sich das Schicksal der Verlage. Es muss einfach funktionieren!" Entscheidend sei die Frage:

In der Debatte um die Einführung von Bezahlinhalten im Internet bezieht die Axel Springer AG eindeutig Stellung. Vorstandschef Mathias Döpfner, 49, sagt der an diesem Freitag erscheinenden Ausgabe des "manager magazins": "Paid Content - hier entscheidet sich das Schicksal der Verlage. Es muss einfach funktionieren!" Entscheidend sei die Frage: "Wie viele andere Verlage ziehen (neben Springer) mit. Wenn es viele sind, dann haben wir ein große Chance. Wenn wir aber die einzigen bleiben, und die anderen feixen sich einen - selbst wenn sie sich damit schlichtweg ihr eigenes Grab aushöben -, dann wird es natürlich schwierig."

Axel Springer stellt zum Jahreswechsel die "Welt" und Mitte nächsten Jahres die "Bild" auf Bezahlinhalte um - nicht nur mobil, sondern auch auf der Website (kress.de vom 13. September 2012). "Welt Online" wird ein Bezahlmodell einführen, dass sich in groben Zügen an jenem der "New York Times" orientiert und die Anzahl kostenloser Abrufe pro Rechner begrenzt (Metered Model). Darüber hinaus arbeite man "mit voller Kraft" an der Umstellung von "Bild.de", so Zeitungsvorstand Jan Bayer im "manager magazin". Guter Journalismus müsse etwas kosten, nur mit Anzeigen lasse er sich nicht finanzieren, wird "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann zitiert. 

Springer selbst ist im Internetgeschäft das erfolgreichste Medienunternehmen des Landes, vor allem mit Rubrikenportalen im In- und Ausland wie Immonet, Totaljobs, Seloger oder Stepstone. Die Online-Einnahmen werden 2012 über eine Milliarde Euro betragen: "35 Prozent unseres Umsatzes und 36 Prozent unseres Ebitda stammen aus dem Digitalgeschäft", sagt Döpfner. "Das ist mehr als bei allen publizistischen Unternehmen weltweit."

Seine Schlüsse gezogen hat Döpfner laut dem "mm"-Bericht aus dem Fehlinvestment bei dem gescheiterten privaten Post-Rivalen Pin Group. Dieser "Misserfolg" habe ihn "gelehrt, dass der Schuster bei seinen Leisten bleiben sollte: Bei uns gibt es keinen E-Commerce, keine Social Communities, keine Geschäftsmodelle, die wir nicht beherrschen". Döpfner sieht die guten Zahlen im Digitalgeschäft aber auch kritisch: "Das Wachstum unserer Digitalgeschäfte ist im Wesentlichen nur durch Zukäufe erreicht worden. Wirkliche Neuerungen, das muss man ganz nüchtern feststellen, hatten wir bisher nicht zu bieten."

Dies war einer der Gründe, weshalb er im September sowohl "Bild"-Chef Kai Diekmann als auch Marketingleiter Peter Würtenberger, 46 und Martin Sinner, 44, den Gründer von Springers Preisvergleichsfirma Idealo, ins Silicon Valley geschickt habe. Sie sollen dort Kontakte knüpfen, Netzwerke aufbauen und Ideen sammeln: "Wir haben den Mut gehabt", sagt Döpfner, "unsere Besten ins Silicon Valley zu schicken: unseren besten IT-Mann, unseren besten Vermarkter, unseren besten Kreativen."

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