Google-Manager Stefan Hentschel auf der kress Konferenz: "Mobile gehört wie das künstliche Hüftgelenk zum Körper"

 

"Mobile gehört wie das künstliche Hüftgelenk zum Körper." Mit diesem auf den ersten Blick gewagten Vergleich verdeutlichte Stefan Hentschel am Donnerstag auf der kress Konferenz in Hamburg die Bedeutung von Mobile für Google. Daher kann Hentschel, dessen Position bei Google Deutschland Industry Leader Technology & Mobile Advertising lautet, nicht verstehen, wieso nur 15% der Unternehmen hierzulande eine Webseite haben, die an mobile Endgeräte angepasst ist.

"Mobile gehört wie das künstliche Hüftgelenk zum Körper." Mit diesem auf den ersten Blick gewagten Vergleich verdeutlichte Stefan Hentschel am Donnerstag auf der kress Konferenz in Hamburg die Bedeutung von Mobile für Google. Daher kann Hentschel, dessen Position bei Google Deutschland Industry Leader Technology & Mobile Advertising lautet, nicht verstehen, wieso nur 15% der Unternehmen hierzulande eine Webseite haben, die an mobile Endgeräte angepasst ist.

Wie wichtig Menschen ihr Mobilgerät mittlerweile ist, illustriert Hentschel mit einem Bild, das entstand, kurz nachdem Sandy über die US-Ostküste fegte. An mit Fahrrad und Dynamo betriebenen Ladestationen konnten vom Stromausfall Betroffene ihre Geräte wieder aufladen.

20% der Suchanfragen in Deutschland kämen bereits von mobilen Endgeräten. Die Verbreitung von Smartphones in Deutschland liegt bei 29% - wenig im internationalen Vergleich. Daher orientiere sich Google in Europa auch an Großbritannien, wo die Marktdurchdringung bei über 50% liegt.  

Unternehmen müssen flexibel sein

Die Deutschen zögerten. Oft habe er in Gesprächen mit Unternehmen zu hören bekommen, dass man erst abwarte, was die Konkurrenz mache. Ein Denken, das Hentschel und Google zuwider ist. Google habe Angst, ein normales Unternehmen zu werden, mit Strukturen, Regularien und Politik. "Unternehmen tendieren dazu, die Strukturen zu verstärken." Damit wollten sie stabiler werden. Doch nicht Stabilität sei die Kernkompetenz eines Unternehmens, sondern Flexibilität.

In diesem Zusammenhang nennt Hentschel auch den Filmhersteller Kodak, der vom Wandel zum digitalen Film überrollt wurde. Die Nutzer wären Unternehmen oft voraus. Vor allem in Deutschland hätten Unternehmen Probleme, auf Entwicklungen zu reagieren. In den Führungsetagen orientiere man sich nach wie vor an den Baby-Boomer-Jahren, denn damit wären die Bosse aufgewachsen.

Pull- statt Push-Werbung

Geld winke auch Mobile - potenziell zumindest: So rechnet Hentschel vor, dass die mobil getätigten Werbeausgaben in keinem Verhältnis zur Nutzungsdauer stünden. Mobile sei mit dem Faktor 72 untermonetarisiert. Hentschel ist jedoch davon überzeugt, dass in mobilen Nutzungssituationen Push-Werbung nicht funktionieren wird. Pull-Werbung, also Anzeigen, die Kunden präsentiert werden, wenn diese nach etwas suchen, wäre erfolgsversprechender. Werbung, die vom Nutzer nicht als solche wahrgenommen werde, gehöre auf mobilen Endgeräten die Zukunft.

Seine Stärken ausspielen könne Mobile mit SoLoMo, verkürzt für Social, Local, Mobile. Regionale Medien würden unnötig, Promotions könnten komplett über mobile Kampagnen geschehen. Als Zukunftsthemen nennt Hentschel die Sprachsuche - die Google schon hatte, bevor Apple mit Siri viel Aufmerksamkeit bekam, wie er betont - , die personalisierte Suche und die für kommendes Jahr angekündigte Augmented-Reality-Brille Google Glass. Näher dran am Kunden als mit einer Werbung in Google Glass werde man nicht sein können, ist sich Hentschel sicher.

Doch bevor deutsche Unternehmen keine funktionierende Mobile-Seiten hätten, müsse man nicht über QR-Codes und Augmented Reality sprechen. "Weniger reden, mehr machen", schloss Hentschel seinen Vortrag.

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