Julia Jäkel in der "ProQuote"-Ausgabe der "taz": "Ich bin froh, dass ich hier ohne Quote sitze"

17.11.2012
 

"Hosen runter von den Chefsesseln Röcke hoch!" Mit dieser Schlagzeile macht an diesem Samstag die  "taz" auf. Die Initiative ProQuote hat für die Sonderausgabe eine 40-seitige "Quotentaz: Frauen in den Medien" produziert. Darin findet sich u.a. ein Interview mit Julia Jäkel. Das G+J-Vorstandsmitglied ist froh, es ohne Quote geschafft zu haben.

"Hosen runter von den Chefsesseln Röcke hoch!" Mit dieser Schlagzeile macht an diesem Samstag die Wochenendausgabe der "taz" auf. Die Damen von ProQuote haben dafür eine 40-seitige "Quotentaz: Frauen in den Medien" produziert (kress.de vom 12. November 2012), die die provokante Frage stellt: Wo leben wir eigentlich, wenn 98% der Chefredakteure der deutschen Tageszeitung Männer sind.

In einer öffentlichen Redaktionskonferenz in der Rudi-Dutschke-Straße diskutierten an diesem Freitag 50 Frauen, unter anderen die Journalistinnen Anne Will und Dunja Hayali sowie die Politikerin Doris Schröder-Köpf und die Künstlerin Krista Sager. Und sie kamen zu einem Beschluss: "Nicht die Ästhetik, sondern der Inhalt zählt. Die Vulva wandert nach innen, und der Erpresserbrief darf auf den Titel."

Mit der Grafik "Nährstoffanalyse" auf einer Doppelseite veranschaulichen die Macherinnen der "taz"-Sonderausgabe, dass die Männer den "leckeren Kuchen der medialen Macht" am liebsten unter sich aufteilen. Dies bereite "auf Dauer üble Magenschmerzen". Ein Streitgespräch mit Chefredakteuren sei nicht zustande gekommen, bedauert die ProQuote-Redaktion: "Mit Chefredakteuren über Frauenquoten reden zu wollen ist, als wolle man sie zu Erektionsproblemen fragen. Flucht, Schweigen und am liebsten: Vorwärtsverteidigung." 

ProQuote führte unter anderem auch Interviews mit Familienministerin Kristina SchröderSPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück und Verlagsmanagerin Julia Jäkel.

Jäkel: Vorbild für andere Frauen zu sein, ist nicht mein Ziel

Gleich zu Beginn des Gesprächs stellt die neue Frau im Vorstand von Gruner + Jahr klar, dass sie danach beurteilt werden möchte, wie sie ihr Unternehmen voranbringe, und nicht danach, ob sie eine Frau oder ein Mann sei. Ihr Ziel sei es nicht, ein Vorbild für andere Frauen zu sein. Jäkel: "Ich verantworte einen Bereich mit großer unternehmerischer Bedeutung - da werden sie nicht hingesetzt, weil Sie eine Frau sind. Aber es ist ein Sahnehäubchen, dass heute ein Unternehmen mit einer Frau im Vorstand zeigen kann, dass es ein modernes Haus ist." Sie sei auch froh, dass sie ohne Quote in diese Position gekommen sei. "Es fühlt sich gut an, dass man es nur aufgrund seiner Qualifikation und Leistung geschafft hat."

Manche Unternehmen würden sich mit der Beförderung von Frauen noch schwer tun, außerdem sei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nach wie vor ein massives infrastrukturelles Problem. "Und, da müssen wir Frauen auch ehrlich sein, es gibt eine ganze Menge Frauen, die sich das einfach nicht antun wollen. Was ich zurzeit mache, ist anstrengend. Sogar ziemlich anstrengend", so Jäkel, gerade 41 geworden, in der "taz".

"Deutschland ist vorsintflutlich"

Seit der Geburt ihrer Zwillinge arbeite sie eher noch mehr: "Ich stehe extrem früh auf, gegen 5.30 Uhr, damit ich noch drei Stunden mit den Kindern habe. Wenn ich keine Abendtermine habe , dann gehe ich am frühen Abend nach Hause, um die Kinder ins Bett bringen zu können." Danach sei sie aber wieder im Alarmzustand, telefoniere und emaile viel. "Das sind die Vorteile unserer digitalen Welt."

Jäkel und ihr Mann, Ulrich Wickert, könnten sich zudem die Hilfe einer "hervorragenden Kinderfrau" leisten, das könnten viele andere nicht. "Deutschland ist da vorsintflutlich. Und nun wird stattdessen das Betreuungsgeld eingeführt. Das ist gaga."

In ihrer neuen Position erfahre sie bei vielen Frauen im Verlag eine "große Solidarität. Sie schreiben mir: Dass du hier bist, ist super für uns. Das habe ich vor drei, vier Jahren so nicht erlebt."

"Hackt's?"

Und dann räumt Jäkel noch mit einem Vorurteil auf: "Nur weil ich eine Frau bin, stehe ich für Frauenthemen? Hallo, Leute, ich habe Geschichte und Politik studiert, meine Steckenpferd waren internationale Beziehungen und Außenpolitik. Hackt's?" Und sie umtreibt noch eine andere Sache: Wie Frauen über Frauen wie sie denken würden: "Vernachlässigt die nicht ihre Kinder? Wie soll das denn gehen, diese Karriere und Familie?" Jäkel betont: Wenn mir jemand sein Lebensmodell diktieren will, kann ich nur sagen: Armleuchter! Ich respektiere ja auch Frauen, die zu Hause bleiben wollen."

Ihre Kommentare
Kopf

Sabine Arnolds

17.11.2012
!

Wer erklärt Frau Jäkel bitte mal, dass Frauen auch mit Quote nur aufgrund ihrer Qualifikation und Leistung Führungspositionen besetzen werden?


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