G+J Wirtschaftsmedien: Vorstand wird Mitarbeiter am Freitagvormittag informieren

22.11.2012
 

An diesem Freitag will G+J die Karten auf den Tisch legen. Betriebsräte und Mitarbeiter der Wirtschaftsmedien sollen dann endlich Klarheit über ihre Zukunft bekommen. Um 11 Uhr ist die Belegschaft zu einer Mitarbeiterversammlung eingeladen. Vorher soll der Betriebsrat über die Entscheidung des Vorstands informiert werden.

An diesem Freitag will G+J die Karten auf den Tisch legen. Betriebsräte und Mitarbeiter der Wirtschaftsmedien sollen dann endlich Klarheit über ihre Zukunft bekommen. Um 11 Uhr ist die Belegschaft zu einer Mitarbeiterversammlung eingeladen. Vorher soll der Betriebsrat über die Entscheidung des Vorstands informiert werden.

Im Vorfeld hatte der Gesamtbetriebsrat der G+J Wirtschaftmedien noch verurteil, dass G+J die Belegschaft des Medienunternehmens wochenlang im Ungewissen über die Zukunft des Betriebs gelassen hätte, während gleichzeitig unentwegt Medienberichte angeheizt würden (kress.de vom 21. November 2012). 

Die Belegschaft hatte am Mittwochabend aus der (in Sachen G+J gut informierten) "FAZ" erfahren, dass 320 der insgesamt 350 Arbeitsplätze bei den G+J Wirtschaftsmedien wegfallen sollen (kress.de vom 21. November 2012). Die "FTD" soll der "Frankfurter Allgemeinen zufolge letztmalig am 7. Dezember erscheinen. "Impulse" und "Börse Online" sollen verkauft werden; einzig und allein "Capital" würde im G+J-Reich verbleiben. Die "Capital"-Redaktion soll aber nach Berlin umziehen - der Titel könnte an den "stern" angedockt werden.

Gruner + Jahr bestätigte bislang nur, dass auf der Aufsichtsratssitzung an diesem Mittwoch beschlossen worden sei, dass der Vorstand "einen Verkauf, Teilschließung oder Schließung der G+J Wirtschaftsmedien" vornehmen dürfe. Es liefen letzte Gespräche.

Zuspruch für die "FTD" aus der Medienbranche

Derweil erhält die "FTD" viel Zuspruch aus der Branche. Der ehemalige Chefredakteur der Zeitung, Christoph Keese, sprach von einem großen Verlust für die deutsche Presselandschaft. Die "FTD" werde dem Land fehlen, schrieb Keese in einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt". "Vorlauter, angriffslustiger und meinungsfreudiger als andere" sei die "FTD", die Humor und Sprachwitz in den deutschen Wirtschaftjournalismus gebracht habe.

Gabor Steingart, Chefredakteur vom "Handelsblatt", notierte: "In einem Meer roter Zahlen geht auch die tapferste Redaktion der Welt baden - und in Hamburg ist man tapfer, ideenreich und fleißig bis zum heutigen Tage." Die Lage der Zeitungsbranche sei dramatisch, weltweit hätten die Verleger die Kraft des Internets unterschätzt. Den Entschluss, "die Waren Information und Analyse im Internet gratis feilzubieten", bezeichnete Steingart als "Jahrhundertirrtum". Im August sorgte Steingart mit einer Aktion für Aufsehen, als er "FTD"-Lesern ein kostenloses 100-Tage-Abo des "Handelsblatts" anbot.

Auch Springer-Boss Mathias Döpfner kommentierte in der "Welt", dass die "FTD" "eines der spannendsten Zeitungsprojekte der letzten zehn Jahre" gewesen sei. 

"Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo wollte kein Klagelied wegen der "bitteren Nachrichten" der letzten Tage anstimmen. Es gehe auch nicht um einzelne Titel. "Es gibt keine Branche in Deutschland, die sich so lustvoll und unheilvoll selbst beschädigt hat, wie es viele Verleger, Geschäftsführer und Journalisten der Printmedien getan haben. Sie begleiteten die Einführung ihrer Onlineangebote so manisch, als hätten sie permanent gekokst", so di Lorenzo in einem Kommentar.

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