"Lesen können ist was anderes, als im Internet zu sein"

Die Printkrise geht auch nicht an der Politik vorbei. Angela Merkel hat in ihrer wöchentlichen Videobotschaft die Relevanz des gedruckten Wortes betont. "Ich halte die Printmedien für sehr wichtig. Lesen können ist noch einmal etwas anderes, als im Internet zu sein", sagte sie im Interview mit einer Kommunikationsstudentin.

Die Regierung werde entsprechende Projekte fördern, um die Lesefähigkeit und Akzeptanz der Printmedien in den nächsten Jahren weiterzuentwickeln. Sie äußerte den Wunsch, dass "die uns allen bekannte Zeitung, die Printmedien, die Zeitschriften, eine gute Zukunft haben". Zugleich betonte sie die Pressefreiheit als hohes Gut. "Journalisten haben nicht die Aufgabe, mir immer zu gefallen oder nur dann zu kommen, wenn ich auf sie warte", sagte sie. Jeder habe seine Interessen. Es sei wichtig, dass es die Medien gebe, denn ohne sie "würden viele Menschen von dem, was wir tun, nichts erfahren".

Die gedruckte Zeitung als Nischenprodukt

Auch das Internet biete vielfältige Chancen, so Merkel weiter, auch wenn es eine "Flut an Möglichkeiten" gebe. "Revolutionen können stattfinden durch das Internet", so Merkel. Insbesondere halte sie Blogs für wichtig. Ihr wöchentlicher Podcast hingegen wird von den Nutzern eher als semi-wichtig eingestuft - zumindest lässt sich das an den Abrufzahlen ablesen, die der "Spiegel" beim Bundespresseamt in Erfahrung gebracht hat. Demnach wird die Videobotschaft auf unterschiedlichen Wegen rund 23.000 Mal angeschaut, Tendenz steigend. Die aktuelle Folge, die am Samstag veröffentlicht wurde, wurde via YouTube bis jetzt rund 320 Mal angeklickt.

Derweil äußerten sich auch andere Politiker anlässlich der Nachricht, dass die "FTD" eingestellt wird (kress.de vom 23. November 2012). Bundespräsident Joachim Gauck sagte gegenüber dapd auf dem Bundespresseball in Berlin, Zeitungen werde es immer geben, man wisse derzeit nur nicht, wie viele. Es stünden Veränderungen in der Medienlandschaft an. Auch Vizekanzler Philipp Rösler gab ein Statement ab: "Die Zeitungslandschaft ändert sich, die Lesegewohnheiten ändern sich. Darauf müssen sich die Verlage einstellen." Innenminister Hans-Peter Friedrich betonte, dass neue Formen der Kommunikation entstünden und alte wegfielen. Krisen wie die aktuelle gebe es auch in anderen Branchen. Thomas Oppermann sagte, dass man sehen müsse, wie hochwertiger Printjournalismus erhalten werden könne. Er prognostizierte, dass die gedruckte Zeitung in 20 bis 30 Jahren ein Nischenprodukt sei.

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