Schwarzer Tag bei dapd: Von der Fecht kündigt 98 Mitarbeitern

 

Geschäftsführer Wolf von der Fecht hat am Mittwoch - wie erwartet - rund einem Drittel (98) der insgesamt 300 Mitarbeiter gekündigt, die bei den acht insolventen dapd-Gesellschaften beschäftigt sind. Die Kündigungswelle brach zunächst über die Bereiche Sport und Video herein, die faktisch komplett abgewickelt werden.

Geschäftsführer Wolf von der Fecht hat am Mittwoch - wie erwartet - rund einem Drittel (98) der insgesamt 300 Mitarbeiter gekündigt, die bei den acht insolventen dapd-Gesellschaften beschäftigt sind. Die Kündigungswelle brach zunächst über die Bereiche Sport und Video herein, die faktisch komplett abgewickelt werden.

Zwar behauptet von der Fecht in einer Pressemitteilung, alle Dienste würden fortgeführt, doch das dürfte Augenwischerei sein: Nach kress-Infos müssen im Sport- und im Videobereich alle Mitarbeiter gehen - bis auf jeweils einen. Im Sport ist das Chefreporter Detlef Vetten. Außerdem bleibt offenbar der Leiter Sonderprojekte Ulrich Kühne-Hellmessen an Bord - so twitterte der für gewöhnlich gut informierte AFP-Geschäftsführer Clemens Wortmann.

In der Mitteilung der mit der Kommunikation beauftragten PR-beratung Hering Schuppener heißt es, ein wesentlicher Teil der Einsparungen entfalle auf die "Verschlankung der Führungsebenen". Der neue Geschäftsleitungskreis werde sich künftig aus der zweiköpfigen Chefredaktion (Melanie Ahlemeier/Dirk von Borstel) und von der Fecht selbst zusammensetzen.

Namen gekündigter Führungskräfte sind in der Mitteilung nicht zu finden, nach kress-Infos gehören zum Kreis der Betroffenen: Sportchef Sebastian Holder, Ulrich Meyer (Mitglied der Chefredaktion/Leiter der Landesdienste), Joachim Peter (Textchef Politik, erst seit Januar dabei), Timon Saatmann (Mitglied der Chefredaktion) und Harald Schultz (Ressortleiter Wirtschaft). Achtung: Die Liste ist unvollständig.

Landesdienste werden zu "Clustern"

"Anpassungen" sind laut offizieller Mitteilung auch die Landesdienste unterworfen: Die derzeit 14 nach Bundesländern gegliederten Dienste sollen in drei "Cluster" zusammengefasst werden - "und sich in dieser Form noch mehr an der regionalen Präsenz der Kunden orientieren", so das Wording.

Wolf von der Fecht schreibt in der Mitteilung, dass die Maßnahmen das "Fundament für eine langfristige Stabilisierung der Nachrichtenagentur-Gruppe" und ein "notwendiger Schritt" seien, um vom 1. Dezember an wieder profitabel arbeiten zu können. Man habe alles daran gesetzt, "den Personalabbau so gering wie möglich zu halten".

Auch im Hinblick auf die Auslandsberichterstattung gibt sich der Geschäftsführer erneut zuversichtlich: Die Zusammenarbeit mit AP werde "unverändert fortgesetzt". In dieser Frage gibt es eine rechtliche Auseinandersetzung zwischen den beiden Agenturen. AP will ab Januar ihre Texte und Bilder mit Hilfe der dpa im deutschsprachigen Raum vertreiben lassen, von der Fecht will die Kündigung des Vertragsverhältnisses nicht akzeptieren.

Nach kress-Infos hat unterdessen nach der WAZ-Gruppe ein weiterer wichtiger Kunde die dapd-Dienste gekündigt: die Axel Springer AG. Beide Fälle sind aber offenbar unterschiedlich zu bewerten. Während die Essener der Agentur definitiv den Rücken kehren wollen, hat Springer vorsorglich für den Fall gekündigt, dass AP tatsächlich abspringt. Auf das Bildmaterial der US-Agentur möchte man bei Springer aber auf keinen Fall verzichten. Sollte dapd weiter den Daumen drauf haben, bliebe der Verlag also Kunde.

Nachtrag: Laut "agenturjournalismus.de" wird dapd auch den Standort Frankfurt schließen. Dort sitzen Teile der ehemaligen.AP-Auslandsredaktion.

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