"House of Lies" im kress-Check: Die mit den Geldhaien schwimmen

 

Zugegeben, in Zeiten von Massenentlassungen auch in Medienhäusern benötigt man ein rustikales Humorverständnis, um der extrazynischen Schmarotzer-Serie "House of Lies" auf AXN viel abgewinnen zu können. Doch auf den Minimalkonsens, dass alle Unternehmensberater geld- und auch sonst -geile Schufte sind, einigt man sich zum Glück doch schnell.

Zugegeben, in Zeiten von Massenentlassungen auch in Medienhäusern benötigt man ein rustikales Humorverständnis, um der extrazynischen Schmarotzer-Serie "House of Lies" auf AXN viel abgewinnen zu können. Doch auf den Minimalkonsens, dass alle Unternehmensberater geld- und auch sonst -geile Schufte sind, einigt man sich zum Glück doch schnell.

Dass Berater immer dann ins Haus gerufen werden, wenn die Karre im Dreck steckt und das moralisch verkommene Top-Management nur ein seriös gekleidetes Sprachrohr für seine eigenen längst getroffenen Entscheidungen braucht, ist eine Binse. Martin Kinh, der selbst lange für Booz Allen Hamilton arbeitete, machte daraus einen zeitlos originellen Buch-Bericht mit dem schönen Titel "House of Lies: How Management Consultants Steal Your Watch and Then Tell You the Time" - und inspirierte die US-Erfolgsserie. Auf dem heimischen Markt erhält "House of Lies" derzeit eine zweite Staffel.

Nützliche Angeber-Phrasen für fade Meetings

Der Pay-Sender AXN aus dem Hause Sony Pictures Television zeigt den schonungslos klischeestrotzenden Kinsey-Report ab 29. November jeweils donnerstags um 21:10 Uhr in Doppelfolgen. Das Einschalten lohnt sich: Immerhin kann man hier viele nützliche Angeber-Phrasen und hemmungslos selbstzentrierte Business-Überlebensregeln aufschnappen, mit denen sich langweilige Meetings verkürzen und etwaige Gehaltsverhandlungen aufpeppen lassen.

Dreh- und Angelpunkt der Serie ist der selbstverliebte Anzug-Poser Marty Kaan (Don Cheadle), der tatsächlich ein wenig wie ein zeitgemäß angeberisches Update von "Mad Men"-Haudegen Don Draper (Jon Hamm) wirkt. Er führt ein schlagkräftiges Team der - leider - nur zweitbesten US-Unternehmensberatung: das nerdige Mathe-Genie Doug (Josh Lawson), Weiberheld Clyde (Ben Schwartz) und die taffe Frontfrau Jeannie (Kristen Bell). Schärfste Widersacher in der alltäglichen Nadelstreifen-Schlacht sind nicht die Firmen-Bosse. Die wickelt Marty dreist um den Finger. Am meisten fürchtet er sich von seiner Ex-Monica (Dawn Olivieri). Denn die ist schließlich noch durchtriebener als er.

Büro-Alltag - aufgelockert durch Strip-Club-Exzesse

Tatsächlich sieht man in den jeweils 30-minütigen Episoden die Consultants auch gelegentlich bei dem, was man von ihnen eigentlich erwartet - beim Ausbrüten aufgeblasener Power-Point-Präsentationen. Wenn ihnen gar nichts einfällt, empfehlen sie halt das übliche: "Feuern Sie ein paar Leute".

Die meiste Zeit (die natürlich den Auftraggebern berechnet wird) geht aber fürs Intrigieren, Saufen, Schlemmen, Flirten und wichtige Team-Building-Maßnahmen wie Kreditkartenhäuschenbauen oder selbstverständlich strikt geschäftliche Strip-Club-Besuche drauf. Wie das Beraterleben halt so spielt.

Ihre Kommentare
Kopf

Stefan Müller

29.11.2012
!

Schöne Serie, interessantes Thema, aber ich hab da meine Zweifel, dass das in Deutschland gut ankommt. Dazu werden die Berater in der Serie doch zu wenig dämonisiert und kommen höchstens ein bisschen schlitzohrig herüber.


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