Uwe Vorkötter warnt die Branche: "'FTD' und 'FR' werden nicht die letzten sein"

30.11.2012
 

Uwe Vorkötter, der ehemalige Chefredakteur der "FR", warnt die Branche vor weiteren Sparrunden ohne offensive Konzepte für den digitalen Wettbewerb. "Bleibt im Prinzip alles, wie es ist, und man spart einfach auf der Kostenseite den sinkenden Erlösen hinterher? Dann werden bald auch die Starken schwach", schreibt Vorkötter in einem Gastbeitrag für das "medium magazin".

Uwe Vorkötter, der ehemalige Chefredakteur von "Frankfurter Rundschau" und "Berliner Zeitung", warnt die Branche vor weiteren Sparrunden ohne offensive Konzepte für den digitalen Wettbewerb. "Bleibt im Prinzip alles, wie es ist, und man spart einfach auf der Kostenseite den sinkenden Erlösen hinterher? Dann werden bald auch die Starken schwach", schreibt Vorkötter in einem Gastbeitrag für das "medium magazin" (Ausgabe 12/2012, ET: 3.12).

Die Insolvenz der "Frankfurter Rundschau" und das für den 7. Dezember angekündigte Ende der "Financial Times Deutschland" sieht er als Beleg dafür, dass die gesamte Zeitungsbranche vor existenziellen Fragen steht. "Ja, die Insolvenz des einen und das Aus für das andere Blatt sind Menetekel", notierte Vorkötter. "Die Krise, die seit Jahren beschworen wird, hat ihre ersten beiden prominenten Opfer gefordert. Es werden nicht die letzten sein."

Vorkötter hatte die "Frankfurter Rundschau" 2007 auf das Tabloid-Format umgestellt und anschließend in der Verlagsgruppe M. DuMont Schauberg eine Redaktionsgemeinschaft aufgebaut, die nach wie vor neben der "FR" und der "Berliner Zeitung" auch den "Kölner Stadtanzeiger" und die "Mitteldeutsche Zeitung" füttert. Im "medium magazin" bedauert Vorkötter nun: "Es hat alles nicht gereicht." Aus Verbundenheit rührt er dennoch für die Zeitung die Werbetrommel: Die "FR" habe eine hoch professionelle Redaktion, Autoren von Format, ihre Grundhaltung sei erkennbar, ihre Stimme wahrnehmbar, sie sei offener als früher, aber nicht beliebig.

An ihren besten Tagen zeige die FR zudem, "was es mit dem Tabloid-format auf sich hat, wie Inhalt und Optik zusammenwirken, dass Kreativität und Leidenschaft über die Routine der Tagesproduktion triumphieren können", hält Vorkötter fest und mahnt: "Nein, diese Zeitung ist nicht an ihrer Erneuerung gescheitert."

Vorkötters Abschied bei der "FR" und "Berliner Zeitung" wurde Ende Mai publik (kress.de vom 1. Juni 2012). Arndt Festerling löste ihn als "FR"-Chef ab. Vorlötter berät den Vorstand der "FR"-Mehrheitsgesellschafters MDS seitdem in digitalen Dingen (kress.de vom 27. Juni 2012). 

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