Bundesagentur für Arbeit: Größte Entlassungswelle in der Zeitungsbranche seit 1949

02.12.2012
 

Die deutsche Presse erlebe derzeit die größte Entlassungswelle seit Bestehen der Bundesrepublik, so die Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit. "Vorher sind mal einzelne Redaktionen insolvent gegangen. Aber das war nie die Größenordnung, die heute erreicht wird, wo wir mehrere Redaktionen haben, die viele Menschen freisetzen", sagte eine Sprecherin der Bundesagentur in Nürnberg auf dpa-Anfrage.

Die deutsche Presse erlebe derzeit die größte Entlassungswelle seit Bestehen der Bundesrepublik, so die Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit. "Vorher sind mal einzelne Redaktionen insolvent gegangen. Aber das war nie die Größenordnung, die heute erreicht wird, wo wir mehrere Redaktionen haben, die viele Menschen freisetzen", sagte eine Sprecherin der Bundesagentur in Nürnberg auf dpa-Anfrage.

Allein die Insolvenz der "Frankfurter Rundschau" bedroht fast 500 Arbeitsplätze. Bei den G+J Wirtschaftsmedien - die "Financial Times Deutschland" erscheint am kommenden Freitag zum letzten Mal - sind mehr als 300 Mitarbeiter betroffen. Beim Berliner Verlag könnten bis zu 86 Stellen wegfallen. 35 Mitarbeiter wurden bei der Nürnberger "Abendzeitung" arbeitslos. 

"Für viele schwierig wieder im Journalismus unterzukommen"

Es sei ein schwieriger Markt im Augenblick, wird die Sprecherin der Bundesagentur von dpa zitiert. Die Chancen, dass gerade die Kollegen aus dem Printbereich auch wieder im Printbereich unterkommen würden, seien nicht wahnsinnig gut. Es gebe Alternativen im Online-Bereich oder in der Unternehmenskommunikation. Es werde aber sicher für viele schwierig werden, wieder im Journalismus unterzukommen, erklärte die Sprecherin. "Man kann auch schauen, sich mit freiberuflicher Tätigkeit selbstständig zu machen, aber da braucht man sehr viel Durchhaltevermögen." Die Arbeitsagenturen setzten bei arbeitslosen Journalisten vor allem auf Eigeninitiative, die Agentur könne weniger vermittelnd als beratend tätig werden.

Uwe Vorkötter sieht die Insolvenz der "FR" - bei der er Chefredakteur war - und das Ende der "FTD" als Beleg dafür, dass die gesamte Zeitungsbranche vor existentiellen Fragen steht (kress.de vom Freitag, 30. November 2012). Die Krise, die seit Jahren beschworen werde, habe ihre ersten beiden prominenten Opfer gefordert. "Es werden nicht die letzten sein", so Vorkötter, der die Branche zudem vor weiteren Sparrunden ohne Konzepte für den digitalen Wettbewerb warnt: "Bleibt im Prinzip alles, wie es ist, und man spart einfach auf der Kostenseite den sinkenden Erlösen hinterher? Dann werden bald auch die Starken schwach."

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Kopf
Coskun (Josh) Tuna

Coskun Tuna

Seeding Alliance GmbH
Gesellschafter Geschäftsführer

03.12.2012
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Ich empfehle den Redakteuren sich das Internet, welches ihnen scheinbar den Job genommen hat, zunutze zu machen und sich damit eine eigene Zukunft aufzubauen. Die großen Medienhäuser und Verlage sind im Moment noch viel zu sehr damit beschäftigt, die unterschiedlichen Monetarisierungsmöglichkeiten ihrer Online-Auftritte und die sinkenden Käuferzahlen der Printmedien zu diskutieren. Dabei verlieren sie ihre Redakteure aus den Augen. Werdet professionelle Blogger!


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