"Passt ja auch nicht ins Bild!": ARD wirft "Spiegel" einseitige Berichterstattung vor

12.12.2012
 

Volker Herres (Programmdirektor des Ersten) und Wolfgang Schmitz (Vorsitzender der ARD-Hörfunk-Kommission) wehren sich gegen einen aktuellen "Spiegel"-Artikel zum ARD-Programm. Sie werfen dem Nachrichtenmagazin "einseitige Berichterstattung" vor. 

Volker Herres (Programmdirektor des Ersten) und Wolfgang Schmitz (Vorsitzender der ARD-Hörfunk-Kommission) wehren sich gegen einen aktuellen "Spiegel"-Artikel zum ARD-Programm. Sie werfen dem Nachrichtenmagazin "einseitige Berichterstattung" vor. 

Wider besseren Wissens würden die Autoren des "Spiegel" in ihrem Artikel "Aus der Schaum" behaupten, das Programm von ARD und ZDF würde stetig an Bedeutung verlieren. Es würde kein spannendes Programm gemacht werden, so Herres, der fragt: "Woran bemisst sich diese Einschätzung? Ist für den 'Spiegel' etwa Quotenverlust gleich Qualitätsverlust?" Keine Erwähnung habe im "Spiegel" gefunden, wie erfolgreich Das Erste in diesem Jahr etwa mit anspruchsvollen Literaturverfilmungen beim Publikum gewesen sei. Als Beispiele nennt Herres "Die Heimkehr" (nach Hermann Hesse) oder "Der Turm" (nach Uwe Tellkamp). Auch "Tatort" und der "FilmMittwoch im Ersten" würden wöchentlich die Qualität, Kreativität und Innovationsfreude der Fernsehfilmredaktionen der ARD zeigen und das Publikum schaue begeistert zu.

Herres verweist darauf, dass die ARD mit der Themenwoche "Leben mit dem Tod" Akzente gesetzt und eine breite Diskussion über das Sterben initiiert habe. Das Erste werde vor allem wegen seiner hohen Informationskompetenz geschätzt – das würden repräsentative Befragungen immer wieder bestätigen. Nach Meinung des Publikums habe die ARD die besten Nachrichten-Sendungen und die besten politischen Talkshows. Laut Herres findet all das im aktuellen "Spiegel" keine Beachtung - weil es ja auch nicht ins Bild passen würde. 

Schmitz: "Spiegel" blendet den Erfolg der ARD-Radioprogramme aus

Wolfgang Schmitz, Vorsitzender der ARD-Hörfunk-Kommission und WDR-Hörfunkdirektor, findet bedauerlich, dass der "Spiegel" die "erfolgreichen Radioprogramme der ARD ausgespart hätte. Mehr als die Hälfte aller Deutschen ab 10 Jahren würden jeden Tag eine der ARD-Wellen einschalten. Und sie bekämen dort jede Menge Qualität geboten: "AuslandskorrespondentInnen berichten regelmäßig aus allen Erdteilen – genau so, wie die MitarbeiterInnen in vielen regionalen Studios und Büros dafür sorgen, dass kein relevantes Ereignis in der Nachbarschaft unserer Hörer verloren geht. Ihre Reportagen, Features und Interviews laufen nicht nur in den Info-Wellen, sondern auch in den Programmen für junge und jüngere Hörerinnen und Hörer", stellt Schmitz klar.

Mehrere hundert Hörspiel-Produktionen entstünden in jedem Jahr in den Landesrundfunkanstalten und beim Deutschlandfunk. Die Sendungen mit akustischer Kunst, Literatur und Neuer Musik seien wichtige Lebensgrundlage für den musikalisch-künstlerischen Nachwuchs, ebenso wie die zahlreichen Kompositionsaufträge. "Die meisten Musikfestivals wären ohne die Beteiligung des ARD-Radios und von Deutschlandradio nicht überlebensfähig", so Schmitz.  

Das alles lasse sich die ARD etwas kosten. Schmitz nennt als Beispiel den WDR: "Mehr als die Hälfte des Programmetats steht den beiden Wellen WDR3 und WDR5 zur Verfügung, die sich der Kultur beziehungsweise der Hintergrund-Information aus Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft verschrieben haben."

Der Spiegel-Artikel "Aus der Schaum" (Ausgabe 50, Seite 160) beginnt mit den Worten: "ARD und ZDF verlieren seit Jahren Zuschauer. Ihr finanzielles Polster bleibt jedoch üppig, weil sie ab 2013 auch von denen kassieren, die weder Radio noch TV besitzen. Helfen wird es nicht. Eine Reise durch ein System, das Ideen verhindert."

Ihre Kommentare
Kopf

Peter F. Meyer

12.12.2012
!

Schönreden hilft nichts, wenn Problembereiche einfach ausgespart werden. Einerseits werden Millionen für "namhafte" Moderatoren verschleudert und andererseits haben beispielsweise Dokumentarfilme ein monatliches Brutto-Einkommen um 1.500 €. So verlieren die ÖR auf lange Sicht nicht nur Zuschauer (wie z.B. bei der Tagesschau) sondern auch an Produzenten. Die Krise der Printmedien ist auch durch diese Arroganz entstanden und es ist abzusehen, dass der TV-Bereich auch in diesen Strudel gerät.


Paulsen

12.12.2012
!

Tatsächlich hat der Ursprungsauftrag der ÖR ausgedient. Während besonders die ARD ihr Programm immer noch mehr dozieren als kommunizieren und das Zuschauervolk gern mit dem erhobenen Zeigefinger in Grass-Manier belehren, laufen ihnen immer mehr Zuschauer weg. Die Filmproduktionen sind lahm und fahren stets die Betroffenheitsschiene mit der pädagogischen Moralkeule. Kein Wunder, dass die Menschen sich lieber von den Privaten verblöden lassen. Der ÖR ist ein Zwangs-Geldverbrennungsapparat.


Werner Müller, VA.MM Agentur

12.12.2012
!

Ich gebe zu, daß ich den "Spiegel" nicht gelesen habe. Meinungsbildung betreibe ich noch selbst.
Es gibt sicher Ansatz zur Kritik bei ARD und ZDF. Aber ist denn die Verdummung,
die von Teilen der Privaten bis hin zu den "Gewinnfragen" bei Sportübertragungen betrieben wird, die Alternative?
Es gibt bei ARD, den oft unterschätzten "Dritten" und bei Arte hervorragende Dokumentationen und wirklich gute Fernsehfilme. Ohne die spannungstötenden Werbepausen und Einblendungen (Beispiel "Tore der Welt").


Theodor Fruendt

12.12.2012
!

Es ist die Geschichte mit dem Glashaus und dem Steine werfen, jeder weiss das der Spiegel tendenziös ist. Beispiel: Der Spiegel hat mit dem Fallout von Bradley Manings via Wikileaks ein Vermögen gemacht und heute ist Mannings dem Magazin ein lauer, ambivalenter Beitrag wert. Das mag vielleicht daran liegen das der Qualität der privaten Sendeanstalten intern der Vorzug gegeben wird. Wäre die Qualität von Spiegel TV besser würden dort nicht 40 Kollegen entlassen sondern eingestellt.


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