Der Bertelsmann-Boss im "mm"-Interview: Rabe beklagt Managementversäumnisse bei G+J

13.12.2012
 

Bertelsmann-Boss Thomas Rabe, 47, hat sich im Interview mit dem "manager magazin" über die gescheiterte Komplettübernahme von G+J geäußert. "Indiskretionen" hätten den Abschluss der Transaktion erschwert. Zum anderen seien die Verhandlungen mit der Familie Jahr fehlgeschlagen, weil es "zurzeit ausgesprochen schwierig, ein Verlagshaus zu bewerten, bei dem man nicht weiß, ob sein Ergebnisrückgang temporär oder von Dauer ist".

Bertelsmann-Boss Thomas Rabe, 47, hat sich im Interview mit dem "manager magazin" über die gescheiterte Komplettübernahme von Gruner + Jahr ("stern", "Geo") geäußert. Die Vorabveröffentlichung der Gespräche und die Indiskretionen hätten den Abschluss der Transaktion erschwert". "Solche Indiskretionen stellen einen Bruch von Vereinbarungen und von Vertrauen dar", so Rabe. Zum anderen seien die Verhandlungen mit der ausstiegswilligen Familie Jahr fehlgeschlagen, weil es "zurzeit ausgesprochen schwierig, ein Verlagshaus zu bewerten, bei dem man nicht weiß, ob sein Ergebnisrückgang temporär oder von Dauer ist".

Als Gründe für die "wirtschaftlich schwierige Lage des Hamburger Verlagshauses" benennt Rabe auch Managementversäumnisse: "Vielleicht war es ein Fehler, dass wir zu lange in den Ausbau traditioneller Printgeschäfte und zu wenig in den digitalen Umbau investiert haben. Vielleicht haben wir auch das Portfoliomanagement nicht intensiv genug betrieben." G+J werde keinen Sitz mehr im Bertelsmann-Konzernvorstand haben: "Wir halten es nicht für zwingend, dass jede Division im Vorstand vertreten ist", so Rabe gegenüber "manager magazin"-Autor Klaus Boldt.

Für Bertelsmann rechnet Rabe in diesem Jahr mit einer Umsatzmarge von über 10%. Der Umsatz entwickele sich recht gut, aber man könne sich von der wirtschaftlichen Entwicklung, vor allem in der Euro-Zone, "leider nicht abkoppeln".  Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage vor allem in Südeuropa müssten möglicherweise Wertberichtigungen vorgenommen werden. Ob Bertelsmann wie geplant den Vorjahresüberschuss (612 Millionen Euro) erreiche, sei ungewiss.

Rabe lässt im "mm" keinen Zweifel daran, "dass wir eine Eigenkapitalzufuhr in Milliardenhöhe von außen brauchen, um unsere Ziele zu erreichen. Wenn wir dies nicht auf der Ebene der Obergesellschaft tun, dann werden wir es auf der Ebene der Unternehmensbereiche oder Geschäfte tun". Anders, so Rabe weiter, sei der "Konzernumbau in den Dimensionen, die wir alle für richtig halten, nicht möglich".

Eine Änderung steht offenbar in der Musikrechtesparte von Bertelsmann an. Der Finanzinvestor KKR, der 51% an BMG Rights Management kontrolliert, könnte seinen Anteil verkaufen: "Sollte KKR ausscheiden wollen", so Rabe, "dann werden wir wohl die Mehrheit an BMG anstreben, gegebenenfalls mit anderen Partnern."

Ihre Kommentare
Kopf
Weitere Beiträge zu diesem Thema
Inhalt konnte nicht geladen werden.