SWR-Intendant Boudgoust zum geplanten Jugendkanal: "Es gibt keinen Grund, auf Nachrichten zu verzichten"

27.12.2012
 

SWR-Intendant Peter Boudgoust hat klare Vorstellungen, was den geplanten Jugendkanal von ARD und ZDF betrifft. Inhaltlich schwebt ihm ein Vollprogramm vor: "Es wäre ein enormer Geburtsfehler, einen solchen Kanal ohne Nachrichten zu starten. Information gehört zu unserem Kernauftrag", sagte Boudgoust gegenüber dem "journalist".

SWR-Intendant Peter Boudgoust hat klare Vorstellungen, was den geplanten Jugendkanal von ARD und ZDF betrifft. Inhaltlich schwebt Boudgoust ein Vollprogramm vor: "Es wäre ein enormer Geburtsfehler, einen solchen Kanal ohne Nachrichten zu starten. Information gehört zu unserem Kernauftrag", sagte Boudgoust gegenüber dem Medienmagazin "journalist". Es gebe keinen Grund, warum man ausgerechnet bei den jungen Zuschauern darauf verzichten sollte. Dabei soll der Jugendkanal "keine reine Abspielstation sein, sondern ein vernünftiger Mix aus Sendungen, die bereits existieren, und solchen, die wir neu produzieren".

Den 50-Prozent-Anteil an Eigenproduktionen, die das junge SWR-Digitalprogramm Einsplus derzeit hat, würde Boudgoust gerne beibehalten. "Wir müssen ja selbst ein Gefühl dafür bekommen, wie Sendungen für die junge Zielgruppe funktionieren, welche Themen und Produktionsweisen dafür relevant sind." Bedenken seitens des ZDF, dass sich der Sender allein aus dem Budget von ZDFkultur und Einsplus nicht finanzieren lasse, weist Boudgoust zurück. "Wir müssen mit dem auskommen, was wir haben. Unsere Erfahrungen zeigen aber: Wir können schon jetzt mit geringen Mitteln einen Kanal sehr ordentlich bespielen."

Hintergrund: Die ARD-Intendanten unterstützen seit Ende November ganz offiziell die Gründung eines gemeinsamen Jugendkanals mit den Kollegen vom ZDF. Der SWR, federführend für den ARD-Digitalkanal Einsplus zuständig, soll die entsprechenden Verhandlungen mit der Medienpolitik und mit dem ZDF führen. Ziel ist es, aus Einsplus und einem ZDF-Digitalkanal einen neuen gemeinsamen ARD-/ZDF-Jugendkanal zu machen. Dieser soll dann gezielt 14- bist 29-Jährige ansprechen. Außerdem soll das bisherige Digitalangebot Einsfestival, für das der WDR zuständig ist, umpositioniert werden. Es soll einen neuen Namen erhalten und auf 30- bis 49-jährige Zuschauer abzielen.   

ZDF-Intendant Thomas Bellut sagte gegenüber dem ZDF-Fernsehrat, dass es bei weitem nicht reiche, bestehende Einzelangebote zusammenzulegen. "Jugendliche sind das am schwersten erreichbare Publikum, weil diese Altersgruppe in sich sehr heterogen ist und Medien sehr differenziert nutzt." Er werde nicht leichtfertig ein Programm anstoßen, das den eingeschlagenen Konsolidierungskurs des ZDF in Frage stellen würde.

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