TV-Marktanteile 2012: ZDF stößt RTL vom Thron

 

Abgerechnet wird zum Schluss, und da sieht es für RTL düster aus. Vergessen sind die Top-Quoten, die das Dschungelcamp zu Jahresbeginn einbrachte. Unterm Strich steht Noch-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt mit nur noch 15,9% Marktanteil bei den Werberelevanten als Jahresverliererin fest. Beim Gesamtpublikum übernahm das ZDF die Führung.

Abgerechnet wird zum Schluss, und da sieht es für RTL düster aus. Vergessen sind die Top-Quoten, die das Dschungelcamp zu Jahresbeginn einbrachte. Unterm Strich steht Noch-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt mit nur noch 15,9% Marktanteil bei den Werberelevanten als Jahresverliererin fest. Beim Gesamtpublikum übernahm das ZDF die Führung.

Weil sich die Enttäuschungen durch vermeintlich sichere Quotengaranten wie "DSDS" oder "Das Supertalent" häuften und Neues nicht wirklich in Sicht war, verbuchte der Kölner Sender, der nur noch in der Gunst der 14- bis 49-Jährigen führt, einen Verlust von 2,5 Prozentpunkten gegenüber dem stolzen Vorjahreswert.

Im Gesamtpublikum wurde die Blamage noch deutlicher: Hier übernahm das ZDF mit nun 12,6% Marktanteil die Führung: RTL und ARD lagen im Jahresschnitt mit 12,3% gleichauf dahinter. Zum Vergleich: 2011 kam der Sender unter Anke Schäferkordt auf einen Gesamt-Marktanteil von 14,1%.

Sat.1 in beiden Zielgruppen nur einstellig

Wie vielfach thematisiert wurde, liegt auch hinter Sat.1 ein schlechtes Jahr: Der Bällchensender verlor immer öfter den Anschluss an die Spitzengruppe und musste sich gelegentlich sogar hinter Vox und RTL II einsortieren. In der Gunst der Werberelevanten fiel Sat.1 2012 um 0,7 Prozentpunkte - der zweitgrößte Verlust nach RTL - auf einen Marktanteil von 9,9% zurück. Auch im Gesamtpublikum schaffte es Sat.1 mit nun 9,4% auf keinen zweistelligen Wert mehr.

Doch auch ProSieben musste 2012 Federn lassen: Der eher junge positionierte Sender verlor um 0,4 Prozentpunkte auf einen Jahresmarktanteil von 11,3%.

RTL II machte 2012 den größten Sprung nach vorn

Alle anderen größeren Sender legten in der Gunst der Jüngeren zu - am stärksten der "Berlin - Tag & Nacht"-Überflieger RTL II. Der Zweitligist steigerte sich binnen Jahresfrist um 0,8 Prozentpunkt, ließ kabel eins anders als 2011 weit hinter sich und verbuchte einen werberelevanten Marktanteil von 6,4%. Der Klassikersender kabel eins, neues Schlusslicht, verlor dagegen 0,5 Prozentpunkte auf nun 5,6%.

ARD und ZDF profitieren von Olympia und Fußball-EM

Beachtlich - wenn auch nicht ganz unerwartet - der Zugewinn bei ARD und ZDF, auch beim jüngeren Publikum. In der TV-Generation unter 50 Jahren kam die ARD auf 7,0%, das ZDF auf 6,8%.

Meistgesehenes TV-Event: die Halbfinal-Niederlage gegen Italien

Dass die TV-Saison 2012 im Super-Sportjahr keine schlechte für die Öffentlich-Rechtlichen werden würde, war schon vorher klar, stand mit der Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine doch ein echter Kracher auf dem Programm. Tatsächlich waren die Zuschauer-Jahresrekorde wie die 28 Mio Fans, die in der ARD das 1:2-Halbfinal-Desaster der deutschen Mannschaft gegen Italien verfolgten, uneinholbar. Auf Platz zwei der meistgesehenen Sendungen des Jahres folgte die Übertragung des Spiels "Dänemark - Deutschland", die ebenfalls dem Ersten 27,7 Mio Zuschauer bescherte. Auf Rang drei landete das ZDF mit der Partie "Deutschland - Niederlande" mit 27,22 Mio TV-Schlachtenbummlern.

Beachtliches "Wetten, dass ..?"-Comeback, trotz Kritik an Lanz

Doch nicht nur mit Sport schob sich das ZDF nach vorn. Auch ein längst angezählter ZDF-Klassiker erlebte 2012 eine unerwartete Renaissance: "Wetten, dass ..?" erreichte im Schnitt 11,1 Mio Gesamtzuschauer - auch dank der anfänglich enormen Neugierde, wie sich Neu-Moderator Markus Lanz schlagen würde.

Wichtiger dagegen für den Mainzer Sender: Mit 3,8 Mio 14- bis 49-jährige Zuschauer steht die Show auch beim jüngeren Publikum gut da und setzte sich - was zuvor niemand mehr für möglich gehalten hatte - vor "DSDS" und sogar die zweite "The Voice of Germany"-Staffel. Letztere bescherte den Sendern ProSieben und Sat.1 im Schnitt 2,8 Mio Zielgruppen-Zuschauer - auch das ein Rückgang im Vergleich zum ersten Durchlauf.

Günther Jauch führt das Talk-Ranking an

Viel diskutiert wurden im Jahr 2012 schließlich die Programm-Schwächen der ARD. Auch am Jahresende blieb das Gefühl, dass fünf Talk-Sendungen immer noch viel zu viel des Guten sind. Und die Probleme am Vorabend, wo nicht nur "Gottschalk live" scheiterte, sind noch längst nicht gelöst. Dennoch muss man festhalten: Die 2012 oft kritisierte Sonntagsgesprächsrunde "Günther Jauch" erwies sich mit durchschnittlich 4,5 Mio Gesamtzuschauern als die mit Abstand erfolgreichste. Es folgen "Hart aber fair" (3,1 Mio) und der ZDF-Talk "Maybrit Illner" (2,5 Mio).

Im Serien-Bereich führt "Um Himmels Willen" (7,1 Mio Gesamt-Fans) das Ranking an. Und auch die zweitplatzierte Erolgsserie "Mord mit Aussicht" gibt Hoffnung: Sie kommt auf durchschnittlich 6,0 Mio Gesamtzuschauer und auch bei den im Ersten oft vernachlässigten Jüngeren gut an.

"Tatort": Münster führt vor Hannover

Last but not least: Die ARD-"Tatorte" bleiben eine sichere Bank - vor allem wenn in Münster ermittelt wird. Die beiden erfolgreichsten Filme des Jahres - "Tatort: Das Wunder von Wolbeck" (12,19 Mio Gesamtzuschauer) und "Tatort: Hinkebein" (11,84 Mio) - stammten von dort. Auf Platz drei und vier folgte jeweils Maria Furtwängler mit "Tatort: Das goldene Band" (11,02 Mio) sowie "Tatort: Wegwerfmädchen" (10,78 Mio).

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