Neuer ARD-Chef Marmor zum Rundfunkbeitrag: "Wir hätten uns Ärger sparen können"

06.01.2013
 

Der neue ARD-Vorsitzende Lutz Marmor gibt sich in der Gebührendiskussion selbstkritisch: Im Interview mit dem "Spiegel" räumte er ein, dass der Senderverbund bei der Umstellung auf den neuen Haushaltsbeitrag Fehler gemacht habe. Als Beispiel nennt er das inzwischen zurückgenommene Vorhaben, auch Demenzkranke zur Kasse zu bitten.

Der neue ARD-Vorsitzende Lutz Marmor gibt sich in der Gebührendiskussion selbstkritisch: Im Interview mit dem "Spiegel" räumte er ein, dass der Senderverbund bei der Umstellung auf den neuen Haushaltsbeitrag Fehler gemacht habe. Als Beispiel nennt er das inzwischen zurückgenommene Vorhaben, auch Demenzkranke zur Kasse zu bitten. "Als ich das hörte, war mir gleich klar: Das geht ja gar nicht. Das wäre unmenschlich und niemandem zu erklären. Den Ärger hätten wir uns sparen können, muss ich selbstkritisch sagen", so NDR-Intendant Marmor. Auch die Beschwerden von Firmen mit vielen Filialen, denen nun teils Mehrkosten in sechsstelliger Höhe ins Haus stehen, könne er "teilweise nachvollziehen", so Marmor. "Es gibt aber auch Unternehmen, die weniger zahlen. Und für mehr als 90 Prozent der Leute ändert sich nichts."

Marmor nennt im "Spiegel"-Gespräch noch eine weiter Zahl: Nach einer Studie würden 40% der Deutschen den neuen Rundfunkbeitrag gut finden. "Gut" bedeutet hier, dass sie es richtig finden, dass der Beitrag gezahlt werden muss, unabhängig davon, ob ein Fernseher oder ein Radio vorhanden ist. Bei den restlichen 60% "haben wir noch eine Kommunikationsaufgabe", gibt Marmor zu. Mehr Menschen als sonst würden sich gerade bei der ARD wegen des Rundfunkbeitrags melden. Vielen wollten sich aber nur informieren, ob sich für sie etwas ändert.

"Ich würde mit fünf Talkshows weitermachen"

In der Debatte um die Anzahl der Talkshows im Ersten, die auch ARD-interne Kritiker gern reduzieren würden, sagte Marmor: "Ich würde mit fünf Talkshows weitermachen." Die Quoten seien zufriedenstellend, und die Kritik habe gewirkt: "Es sind nicht mehr stets die gleichen Gäste, es sind mehr Frauen in den Sendungen."

Marmor zum ARD-Programm: "Die 'Tagesschau' funktioniert, der 'Tatort' auch. Das Erste ist nach wie vor stark in der Information. Wir haben ein Problem am Vorabend. Der Donnerstagabend ist schwierig." Auch in der Unterhaltung könne man das ein oder andere sicherlich besser machen. Als Ziel für die nächsten "drei bis vier Jahre" nannte Marmor, das Erste wieder an die Spitze der Publikumsgunst zu führen. Im abgelaufenen Jahr hatte das ZDF das Quotenrennen für sich entschieden (kress.de vom 1. Januar 2013). 

"Das Netz ist ein interessantes Zusatzangebot"

Den "aktuellen Hype" um das Netz hält Marmor für überzogen. Die Deutschen würden pro Tag im Schnitt drei Stunden und 45 Minuten lang fernsehen. Das Netz nutzten sie weniger als anderthalb Stunden, "und zwar für alles Mögliche". Für Medienangebote spiele das Netz eher eine Nebenrolle. Es sei allerdings ein "interessantes Zusatzangebot". Marmor verweist im "Spiegel" auf das Beispiel des Films "Nicht als die Wahheit" über die Toten Hosen, der in den sieben Tagen nach der Ausstrahlung im Ersten in der Mediathek 470.000 Mal abgerufen worden sei.

Ihre Kommentare
Kopf

BT

08.01.2013
!

Kann es für einen demokratischen Rechtsstaat vorteilhaft sein, wenn Mitglieder einer kriminellen Vereinigung (Rotary) die neue TV-Steuer erfinden und auch noch vermarkten dürfen? Sicher, die neue TV-Steuer ist demokratisch, weil sie (fast) jeder bezahlen muss. Da haben die Kommunikationsexperten ganze Gehirnwäsche bzw. Überzeugungsarbeit geleistet. In Wirklichkeit wird mit ihr – wie mit der Marx’schen Einkommensteuer – unser Vermögen systematisch konsolidiert und kontrolliert. Sozialismus pur!


Vincent

11.01.2013
!

Sicher kennt Marmor Zahlen wie diese hier:
http://www.businessinsider.com/state-of-internet-slides-2012-10?op=1

Fakt ist: Das Netz spielt für Medienangebote eindeutig nicht mehr nur eine Nebenrolle.

Die ÖR möchten das aber gerne so darstellen, weil das EU-Wettbewerbsrecht keine Subventionen für Internet-Inhalte erlaubt, wozu die GEZ-Gebühren zählen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Depublizieren


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